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Augsburg

30.07.2020

Stadt will beliebte Bungalowsiedlung abreißen

Die Bungalowsiedlung beim Anna-Hintermayr-Stift in Augsburg könnte schon bald einer modernen Mehrgenerationen-Wohnanlage weichen müssen.
Bild: Fridtjof Atterdal

Plus Die Stadt Augsburg will aus dem betreuten Wohnen am Hintermayr-Stift eine moderne Mehrgenerationenanlage machen. Die Senioren sind von den Plänen nicht begeistert.

Die Stadt Augsburg hat große Pläne für die Bungalowsiedlung beim Anna-Hintermayr-Stift. Wenn es nach den Vorstellungen des Stiftungsamtes geht, könnte die Siedlung aus den 60er-Jahren in wenigen Jahren durch eine moderne Mehrgenerationenanlage ersetzt werden. Doch bei den Senioren, die derzeit dort im betreuten Wohnen untergebracht sind, lösen die Pläne auch Ängste aus.

Die 24 Bungalows mit insgesamt 112 Wohneinheiten sind bei Rentnern äußerst beliebt, nach wie vor gibt es eine Warteliste, sagt Stiftungsamtsleiter Dieter Uitz. Die Anlage liegt etwas versteckt und idyllisch in direkter Nachbarschaft zum Servatius-Stift in der Fritz-Hintermayr-Straße, dessen Dienstleistungen die Senioren bei Bedarf in Anspruch nehmen können. Es gibt einen Park, Freizeitmöglichkeiten wie Minigolf und Boccia und ein Gemeinschaftshaus. Doch man merkt der Anlage ihr Alter an, sagt Uitz. Obwohl die Bungalows immer wieder saniert wurden und zuletzt beispielsweise altersgerechte Bäder bekamen, entsprächen sie mittlerweile nicht mehr den aktuellen Anforderungen an altersgerechtes Wohnen.

Die Stadt will aus den Bungalows beim Anna-Hintermayr-Stift eine Mehrgenerationen-Anlage machen. Bewohnerin Bernadette Mayr fürchtet, dass es dann mit der Ruhe für die Senioren vorbei ist.
Bild: Fridtjof Atterdal

Mehrgenerationenhäuser in Augsburg: Pläne stehen noch ganz am Anfang

Die Pläne des Stiftungsamtes sind noch ganz am Anfang, betont Uitz. Man will die Anlage abreißen und nach modernen Standards neu errichten. „Ziel ist eine Mehrgenerationenwohnanlage unter Erhaltung des Inselcharakters mitten im Grünen“, erläutert der Stiftungsamtsleiter. Wie an anderer Stelle in der Stadt, sollen Senioren und junge Familien die Anlage gemeinsam bewohnen und voneinander profitieren. Momentan liegt das Durchschnittsalter der Mieter bei 80 Jahren.

Stadt will beliebte Bungalowsiedlung abreißen

Ein erster Schritt in diese Richtung ist schon geschehen. Die Fritz-Hintermayr’sche Altersheimstiftung baut das ehemalige Gemeinschaftshaus in der Bungalowanlage zu einer Kindertagesstätte um. Die Einrichtung soll später einmal Platz für 99 Mädchen und Jungen in drei Kindergarten- und einer Krippengruppe bieten.

Wenn die Pläne des Stiftungsamtes umgesetzt werden können, sollen statt der Einzelbungalows vier Quartiere mit jeweils einem Innenhof entstehen, dazu ein neues Gemeinschaftshaus, eine zentrale Tiefgarage und Carsharing für das Mehrgenerationenwohnen. „Natürlich wird alles barrierefrei und nach den neuesten Standards für Seniorenwohnen ausgestattet“, so Uitz. Die geplanten Wohnungen verfügten über eine spezielle Sensorik, Notrufsysteme oder beispielsweise Bewegungsmelder im Erdgeschoß. Statt der flachen Bungalows könnten zwei- und dreigeschossige Wohnhäuser entstehen, die Platz für insgesamt 130 bis 140 Wohneinheiten bieten. Dazu käme ein Personalwohnungsgebäude für die Mitarbeiter der Altenhilfe.

Wohnen am Anna-Hintermayr-Stift: Baubeginn könnte 2023 sein

Noch in diesem Jahr will das Stiftungsamt die Bauvoranfrage für das Projekt bei der Stadt stellen, im nächsten Jahr rechnet man damit, die Planungsaufträge vergeben zu können. Wenn die Kosten für das Projekt absehbar sind, wolle man 2022 einen Bauantrag stellen. 2023 könnten dann die Bagger rollen, so Uitz. Weil die Bungalows bewohnt sind, sollen sie abschnittsweise abgerissen werden. Die Mieter würden übergangsweise in leer stehenden Wohnungen untergebracht. „Niemand muss die Anlage verlassen und keinem Mieter wird wegen der Baumaßnahmen gekündigt“, verspricht Uitz.

 

Man führe mit den Mietern bereits erste Gespräche – viele freuten sich, dass etwas passiert, sagt er. Ängste, die so eine Maßnahme unweigerlich auslösten, würden ernst genommen. „Wer beispielsweise Hilfe beim Umzug braucht, dem wird selbstverständlich geholfen“, so der Stiftungsamtschef.

Der Umzug sei ihre kleinste Sorge, sagt Bewohnerin Bernadette Mayr. Viele ihrer Nachbarn teilten allerdings andere Bedenken, betont die Mieterin. „Für eine Stadt ist es hier beispielhaft ruhig – damit ist es doch vorbei, wenn erst mal Familien mit Kindern einziehen“, sagt sie. An die positiven Effekte des Mehrgenerationenprojekts will sie nicht glauben. „Wer hier wohnt, will Ruhe“, betont die Rentnerin.

Sie fürchtet außerdem um den schönen alten Baumbestand, der den Bauarbeiten zum Opfer fallen könnte. Schon der geplante Kindergarten habe für große Unruhe unter den Mietern der Bungalowanlage geführt. „Ich finde, das Projekt passt nicht hierher“, sagt Bernadette Mayr.

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