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Augsburg-Stadt

09.01.2014

Stadtbücherei wendet sich Kindern zu

Manfred Lutzenberger, Leiter der Neuen Stadtbücherei, will den Fokus mit seinen Mitarbeitern künftig stärker auf Kinder richten. So steht es in einem Konzept, das für die Bücherei erarbeitet wurde. Einiges ist bereits umgesetzt. Zunächst geht es um interne Strukturen. Die Nutzer müssen auf Änderungen noch warten.
Bild: Anne Wall

Die Stadtbücherei stellt sich neu auf: Sie wendet sich mehr den Kindern zu sucht Personal mit ganz anderen Kenntnissen

Die Stadtbücherei stellt sich neu auf: Sie wendet sich mehr den Kindern zu sucht Personal mit ganz anderen Kenntnissen, sagt ihr Leiter Manfred Lutzenberger.

Herr Lutzenberger, die Stadtbücherei will sich auf Grundschulkinder fokussieren. Provokativ gefragt: Werden Sie künftig nur noch Kinder- und Jugendbücher im Bestand haben?

Manfred Lutzenberger: Wir werden unseren Etat zugunsten dieser Zielgruppe verändern. Das heißt aber nicht, dass wir Bestseller oder Sachbücher vernachlässigen. Unser Vorhaben, stärker die Grundschulkinder anzusprechen, ist ja auch nicht nur über den Bestand zu erreichen.

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Sondern?

Lutzenberger: Unsere Mitarbeiter werden mehr nach draußen gehen, Kontakt zu Schulen und Eltern halten müssen. Die kommen nicht automatisch. Früher lag das Augenmerk der Bibliotheken hauptsächlich auf einem großen Bestand. Nun entwickeln sie sich immer mehr zu einem Ort mit Aufenthaltsqualität. Die Bibliothek von morgen wird ein Ort sein, an dem man sich trifft. Hier merkt man das bereits: Wir sind keine leise Bücherei. Hier ist immer etwas los.

Warum stehen Kinder so im Fokus?

Lutzenberger: Als wir das Konzept erarbeiteten, haben wir festgestellt, dass rund 50 Prozent der Kinder, die in die erste Klasse kommen, einen Sprachförderbedarf haben. Sie können nicht richtig lesen, sich nicht richtig ausdrücken. Das gilt für Deutsche genauso wie für Kinder mit Migrationshintergrund. Eine Bücherei kann so etwas auffangen, wenn sie sich intensiv um diese Kinder kümmert.

Welche Auswirkungen hat das auf die Mitarbeiter?

Lutzenberger: Für die Gögginger Filiale haben wir jetzt eine Halbtagsstelle für eine Erzieherin ausgeschrieben. Sie soll den Kontakt zu Schulen halten, spielerisch auf Kinder eingehen. Das ist ein Versuch. Wenn er funktioniert, kann man das Prinzip auf alle Filialen und die Zentrale ausweiten. Bei anderen Ausschreibungen suchen wir explizit Mitarbeiter mit Migrationshintergrund. Wir haben auch eine Auszubildende, die Türkisch spricht.

Die Stadt leidet unter permanentem Geldmangel. Wie realistisch ist da, dass – wie im Konzept gefordert – die Bücherei mehr Mitarbeiter bekommt?

Lutzenberger: Wenn wir das Konzept wie festgeschrieben umsetzen, würde das allein beim Personal mit 658000 Euro zu Buche schlagen. Da wird es sicherlich einen Kampf ums Geld geben. Aber das Konzept hat die politische Mehrheit und einiges ist ja schon passiert...

Was denn?

Lutzenberger: Für die Stadtbücherei wurde die Wiederbesetzungssperre für unbesetzte Planstellen aufgehoben. Wir konnten damit bereits einige Stellen neu ausschreiben. Zudem ist das Konzept ja auf fünf Jahre angelegt. Außerdem traf der Stadtrat die Entscheidung, dass in diesem Jahr ein neuer Bücherbus in Auftrag gegeben werden kann.

Die Nutzer merken von den Änderungen bislang aber nichts, oder?

Lutzenberger: Nein. Bislang wirken sich Neuerungen vor allem intern aus. Längere Öffnungszeiten sind allein personell nicht vor 2015 zu realisieren. Und Wünsche wie die Rund-um-die-Uhr-Rückgabe in allen Filialen sind ja auch eine Geldfrage. Da muss genau überlegt werden, ob sich ein teurer Rückgabeautomat rentiert oder ob ein einfacher Rückgabekasten ohne gleichzeitige Rückbuchung ausreicht.

Reicht Ihr Medienetat?

Lutzenberger: Die Stadt hat ihn von zuletzt 260000 Euro jährlich auf 385000 Euro aufgestockt. Damit kann man etwas anfangen. Wollen wir das Konzept verwirklichen, bräuchten wir auf lange Sicht 470000 Euro im Jahr.

Wo sehen Sie selbst Probleme bei der Umsetzung des neuen Konzepts?

Lutzenberger: Wir sollen laut Konzept unsere messbaren Ziele nachweisen. Zum Beispiel, dass alle Schüler während der Grundschulzeit mindestens einmal an einer Büchereiführung teilnehmen und 50 Prozent danach freiwillig wieder kommen oder dass 50 Prozent der Kinder, die eine Veranstaltung besuchen, einen Migrationshintergrund haben. Da stelle ich mir die Frage, wie wir das erfassen sollen. Auch die Forderung nach Rückgabestellen an öffentlichen Punkten wie dem Bahnhof halte ich für fragwürdig. Sie organisatorisch in unseren Ablauf einzubinden, bedeutet einen enorm großen Aufwand. Interview: Nicole Prestle

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