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Augsburg

27.06.2019

Stadtrat Stefan Quarg kehrt dem Rathaus den Rücken

Nach zwölf Jahren der Kompromisse ist die Anspannung von Stefan Quarg, 69, abgefallen. Der Stadtrat kehrt der Politik und dem Rathaus bald den Rücken, um nur noch seinen Beruf zu leben und sich Privatem zu widmen.
Bild: Michael Hochgemuth

Künftig will sich der Hochzoller Architekt stärker seinem Beruf widmen und mehr Zeit für Privates haben.

Die Frage, ob er ein „kantiger Mensch“ sei, beantwortet Stefan Quarg mit einem entschiedenen „Ja, sehr“. Umso ausgeglichener und in sich ruhender wirkt er an diesem sonnigen Tag. Das mag daran liegen, dass er sich wieder auf den Beginn „eines jeden neuen Tages freut“, wie er sagt. Vor Kurzem heiratete er wieder und weiß heute, welchen Weg er mit seiner Frau Eva Quarg – einer Apothekerin – einschlagen wird: Die Pläne beginnen mit dem baldigen Rückzug aus der Kommunalpolitik.

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Auch was er stattdessen machen wird, steht schon fest: „Ich lebe jetzt meinen Beruf“, sagt der Architekt, der vor allem in der „Stadtplanung im Bestand“ zu Hause ist. Außerdem will der Stadtrat mehr Zeit fürs Privatleben haben – die Gestaltung und Pflege seines Gartens sowie das Zeichnen gehören da dazu.

Der Augsburger Stefan Quarg ist überzeugter Sozialdemokrat

Sein Teint ist leicht gebräunt, das weiße Baumwollhemd trägt er sportiv ohne Krawatte. Auch deshalb würde ihm niemand ansehen, dass er 2020 im Juni das siebte Lebensjahrzehnt vollenden wird. Dann will sich der überzeugte Sozialdemokrat auch wieder mehr der Religion, beziehungsweise seinem evangelischen Glauben widmen. Beides sei ihm im besten Sinne „wie eine Krücke“, sagt er und fügt hinzu, dass er auf den spirituellen Lebensinhalt weder verzichten könne noch wolle. Im Gespräch gibt er unumwunden zu, „ein unruhiger Mensch“ zu sein, „der aber zur Ruhe kommen will“.

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Für sein politisches Engagement bei der SPD – und nur dort – macht Stefan Quarg im Wesentlichen drei Dinge verantwortlich. Vor allem Willy Brandt und Hans Jochen Vogel gehörten immer seine Sympathien. Zum einen stamme er aus einem zutiefst konservativen Elternhaus, aus dessen Enge er sich habe befreien wollen; weil er zeitlebens an politische Grenzen stieß, wollte er eigenen Worten nach einmal selbst politisch gestalten; seine Augen beginnen jedoch regelrecht zu leuchten, wenn er daran denkt, wie sich Mitte der 1960er-Jahre in München ein Müllberg in das Olympia-Gelände von 1972 verwandelte. Damals habe er bei den Feldjägern seinen Wehrdienst geleistet und wurde zur Sicherung des Areals abkommandiert.

Quarg wirkt bei der Reaktivierung von Gewerbeflächen in Augsburg mit

Das hieß: „Damals war zum ersten Mal wieder die Welt zu Gast in der Landeshauptstadt, was Stefan Quarg bis heute wie eine Reinkarnation vorkommt. Als Architekt hat er nicht nur in den neuen Bundesländern nach der Wende, sondern auch in Augsburgs bei der Revitalisierung des Zeuna-Stärker-Geländes , der Gewerbefläche von Cema und beim Integrierten Stadtentwicklungskonzept (Isek) in Hochzoll seine Handschrift hinterlassen, immer mit dem Ziel, „alten Bereichen neues Leben einzuhauchen“. Daran hätten auch die Bewohner des Stadtteils mitgewirkt, sodass jetzt die Hochzoller Mitte entstehen konnte.

Immer wieder fällt das Wort „Grenzen“. Und sich der eigenen Grenzen bewusst zu werden, ist dem Hochzoller besonders wichtig. Wenn er ehrlich zu sich selbst ist, weiß er beispielsweise, dass er die Diplomatie nicht erfunden hat. „Ich sage, was ich denke“, erklärt Stefan Quarg und fügt im nächsten Atemzug hinzu: „Nein, ich bin nicht konfliktscheu.“

Quarg bezeichnet sich als energiegeladenen Pragmatiker

In Anbetracht seines Alters, das einfach eine Tatsache sei, gesteht er sich „fehlende Kraft“ für einen neuerlichen Wahlkampf ein. Auch „eine Portion Resignation“ schwingt mit, wenn er sagt: „Zwölf Jahre permanente Suche nach Kompromissen sind genug.“ Trotzdem ist es kein Widerspruch, wenn er sich gleichzeitig einen „energiegeladenen Pragmatiker“ nennt.

Dennoch: Auch wenn er nicht mehr als Stadtrat kandidiert, so kann er sich vorstellen, sich doch noch hinten auf die Liste setzen zu lassen. Auch sein Nachfolger Gregor Lang, der inzwischen an seiner Stelle den SPD-Ortsverein in Hochzoll als Vorsitzender leitet, darf sich Stefan Quargs Unterstützung „im Rahmen seiner Zeit und Kraft“ gewiss sein.

Denn weitere Eigenschaften gibt er guten Gewissens von sich preis: „Ich habe mir meine Neugier erhalten, bin ausgeglichener geworden und gelte als zuverlässig.“

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