1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Wie der Gratis-Nahverkehr in der Innenstadt aussehen soll

Augsburg

17.05.2018

Wie der Gratis-Nahverkehr in der Innenstadt aussehen soll

In Augsburg soll der Nahverkehr in der Innenstadt ab 2019 kostenlos werden.
Bild: Silvio Wyszengrad (Symbolfoto)

2019 soll es soweit sein - die Stadtwerke wollen in der "City Zone" kostenlosen Nahverkehr anbieten. Augsburg wäre die erste deutsche Großstadt mit diesem Angebot.

Die Stadtwerke planen ab Mitte oder Ende 2019, den Nahverkehr in der Innenstadt für alle Fahrgäste kostenfrei anzubieten. Eingeführt werden soll eine sogenannte „City-Zone“, die sich vom Königsplatz/Moritzplatz jeweils eine Haltestelle weit erstreckt. Insgesamt sind acht Haltestellen umfasst, das heißt: Im Gebiet zwischen Hauptbahnhof, Theater, Rathausplatz, Ulrichsplatz und Frohsinnstraße können Busse und Straßenbahnen der Stadtwerke gratis genutzt werden. Augsburg dürfte die einzige Großstadt in Deutschland sein, die ein derartiges Modell umsetzt.

Stadt und Stadtwerke stellten die Überlegungen am Donnerstag im Stadtrat vor. Im Vorfeld war nur ein kleiner Kreis eingeweiht. Ziel sei, so die für den Nahverkehr zuständige Bürgermeisterin Eva Weber (CSU), die Luft in der Innenstadt sauberer zu bekommen. Bekanntermaßen wird in der Karlstraße der Grenzwert für Stickoxid überschritten. „Die Idee ist, mit dem Gratis-Nahverkehr den Parksuchverkehr einzudämmen.“ Die Fahrt mit dem Nahverkehr in die Innenstadt werde attraktiver, weil Passanten sich dort frei mit Bus und Tram bewegen können. Wer von auswärts mit dem Auto kommen wolle, könne am Rand der Zone ins Parkhaus fahren und dann in der Innenstadt umweltfreundlich unterwegs sein. Angesprochen seien Augsburger genauso wie Touristen. Mit der Tarifreform habe die Maßnahme nichts zu tun, so Weber. „Es ist eine Maßnahme zur Reinhaltung der Luft.“

Hauptziel ist es, die Luft in der Innenstadt sauberer zu bekommen

Ein indirekter Effekt ist aber, dass der Geltungsbereich des Kurzstreckentickets für Fahrgäste mit Ziel Königsplatz um mindestens eine Haltestelle verlängert wird. Beispiel: Fahrgäste aus Pfersee mit dem Ziel Königsplatz könnten mit dem Kurzstreckenticket statt an der Eberlestraße schon bei der Herz-Jesu-Kirche – und somit eine Haltestelle früher – einsteigen, weil sie am Hauptbahnhof in die City-Zone kommen. Eine komplette Kompensation der Verschlechterungen, die die Reform für manchen Gelegenheitsfahrer brachte, ist das nicht. Allerdings dient das Kurzstreckenticket für Fahrgäste mit Ziel Innenstadt nun eher als Ersatz für die weggefallene Zone 10. Auf den Linien 2 und 3 Richtung Haunstetten wird ein Zustand wie vor der Tarifreform hergestellt. Für die Gögginger gibt es sogar eine Verbesserung zum Zustand vor der Reform, weil sie künftig ab der Bergstraße mit der Kurzstrecke in die Innenstadt fahren dürfen. Auf allen anderen Linien bleibt ein Unterschied von einer Haltestelle zum Zustand vor der Reform.

Die Stadtwerke gehen davon aus, dass sie durch das Kostenlos-Angebot jährlich 500.000 Euro weniger einnehmen. Dieses Minus soll zumindest teilweise über Fördermittel vom Land sowie aus dem eine Milliarde Euro schweren Diesel-Fonds refinanziert werden. Das Modell sei ein „gewagter Wurf“, so Stadtwerke-Geschäftsführer Walter Casazza. Allerdings sei durch das Thema Luftreinheit und auch durch den Vorstoß der Bundesregierung, den Nahverkehr in fünf Modellstädten probeweise kostenlos anzubieten, Bewegung ins Thema gekommen. Augsburg habe sogar beim Bundesverkehrsministerium gefragt, ob man Modellstadt für einen komplett kostenlosen Nahverkehr werden könnte, so Bürgermeisterin Weber. Allerdings habe das Ministerium abgewunken.

Hören Sie hier unseren Bayernversteher-Podcast zum Thema Mobilität:

Casazza kündigte an, das Vorhaben auch unabhängig von Zuschüssen umzusetzen. Es gebe „kein Zurückrudern“. Die Haltestellen innerhalb der City-Zone sollen besonders gekennzeichnet werden. Für die Stadtwerke ergebe sich die Chance, mit dem Gratis-Angebot auch „reinrassige Autofahrer“ an den Nahverkehr heranzuführen. Im Stadtrat wurden die Pläne fraktionsübergreifend begrüßt. Allerdings sprachen mehrere Stadträte an, dass so für Abonnenten eine gefühlte Ungerechtigkeit entstehe, wenn jedermann kostenlos in der City fahren könne. „Wer mit dem Auto kommt, fährt gratis Tram in der Innenstadt, wer mit dem Abo kommt, zahlt“, so Alexander Süßmair (Ausschussgemeinschaft).

Weitere Idee ist "smart parking" in Maxstraße

Der Gratis-Nahverkehr ist ein Baustein eines Mobilitätskonzepts für die Innenstadt, das die Stadt momentan ausarbeitet. Weitere Bestandteile sind drei vollautomatische Fahrradparkhäuser mit Kapazitäten für jeweils 120 bis 150 Räder. Sie sollen am Stadtmarkt/Ernst-Reuter-Platz, in der Haunstetter Straße (Hochschule) und in der Hochfeldstraße am Zugang zum Zughaltepunkt Haunstetter Straße entstehen. Die Nutzung soll kostenlos sein. „Andernfalls schließen die Besitzer von teuren Rädern diese weg und die Schrotträder stehen draußen“, so Baureferent Gerd Merkle. Eine weitere Idee ist, in der Maximilianstraße einen Versuch für „smart parking“ zu unternehmen. Ein Gummiband am Boden registriert, wenn Autos auf den Parkstreifen fahren oder ihn verlassen. Ein Rechner ermittelt, ob es in dem Areal freie Plätze gibt. Autofahrer können sich das auf dem Handy via App anzeigen lassen. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) erklärte, dass man kein Verkehrsmittel ausschließen wolle. Es gehe darum, Angebote an alle Verkehrsteilnehmer zu machen.

Mit dem Gratis-Nahverkehr könnten Autofahrer ihren Wagen am Rand der Stadt parken und dann mit Bus oder Tram weiterfahren. Eine Übersicht über die Parkhäuser in Augsburg finden Sie hier:

 

Themen Folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

19.05.2018

>> Allerdings sprachen mehrere Stadträte an, dass so für Abonnenten eine gefühlte Ungerechtigkeit entstehe, wenn jedermann kostenlos in der City fahren könne. <<

Es ist eine tatsächliche Ungerechtigkeit für die Abonnenten, die in der Mehrzahl deutliche Preiserhöhungen im Rahmen der Tarifreform hinnehmen musste. Die höchsten Kinderpreise deutschlandweit, damit man kostenlos in der engeren Innenstadt herumgondeln kann?

Permalink
18.05.2018

City-Zone Augsburg klingt besser als sie wirkt.

Zunächst mal ist die Idee gut, löst auch einen Teil der Probleme des Kurzstreckentickets. Doch krankt die Sache an dem Umstand, dass die östlichen Stadtteile außen vor bleiben, was auf der Karte die heute in der AZ abgedruckt ist sehr schön zu sehen ist. Daran, dass es im Osten der Stadt kaum Parkhäuser gibt und die Karlstraße, die man doch angeblich entlasten möchte aus dieser Richtung die Zufahrtsschneise zu den in reichlichem Maß vorhandenen Parkhäusern im Westen der Fußgängerzone bleiben wird. Auch bleibt die Fuggergarage unter diesem Aspekt sehr wohl Thema, denn sie wäre die nächst anzufahrende aus Lechhausen kommend. Das große Parkhaus der City-Galerie ist und bleibt ÖPNV-mäßig schlecht angebunden, ist also keine echte Alternative.

Dass die Zentrale des ÖPNV , das Stadtwerkehaus am Hohen Weg nicht mit in der Zone ist, ist auch so eine etwas seltsame Sache. Zum Kernpunkt der Zone müsste der Halt Rathausplatz mit hinzugenommen werden. Und für die Karlstraße müsste man sich auch noch was überlegen.

Permalink
17.05.2018

Klasse Idee. Damit ist das Problem mit dem Kurzstreckenticket in der Innenstadt elegant gelöst. Die kostenfreie Zone könnte in den nöchsten Jahren sogar schrittweise erweitert werden, wenn sich das Konzept bewährt. Allerdings wird man dann richtig Geld in die Hand nehmen müssen.
Mit diesem Vorstoß dürfte auch eine Vorentscheidung in Sachen Walter- Garage gefallen sein: Das Wort von OB Gribl, das Projekt sei "aus der Zeit gefallen", wird vor diesem Hintergrund noch verständlicher. Wir brauchen in der Innenstadt nicht mehr, sondern deutlich weniger Autos.

Permalink
17.05.2018

Unglaublich, da wird ja mit /- einer Haltestelle wieder die Zone 10 im Bartarif wiederbelebt. Zwar nur in/aus Richtung Innenstadt und nicht für Durchmesserfahrten aber immerhin.

Für die Schadstoffdiskussion auch ein netter Placebo, der Klagen gegen die Stadt Augsburg um mindestens 2 Jahre wirksam verzögern kann. Es ist natürlich Unfug, dass Parksuchverkehr nennenswerten Anteil am Schadstoffaufkommen hat. Die Masse des Verkehrs fährt durch die Innenstadt durch; der geringere Teil hat ein Ziel in der Innenstadt und nur ganz wenige kurven für den Parkplatz herum.

Bereich HBF ist sicher mit Parkhäusern mehr als gut ausgestattet; wo aber an den anderen Endpunkten dieser Zone gute Parkmöglichkeiten bestehen ist mir völlig schleierhaft. Der kritische Bereich Karlstraße wird von der Freifahrtzone überhaupt nicht abgedeckt; dazu wer in die Stadt will muss dort durch, weil es vorher kein Parkhaus gibt. Es wäre ein Stück aus dem Tollhaus, wenn es dafür Bundeszuschüsse geben würde.

Und als Abo-Kunde bleibt man ohnehin mit der in den meisten Fällen erlittenen Preiserhöhung ratlos zurück...

Permalink
17.05.2018

Das heißt ja, dass der AVV seine Abos auch anpassen muss!

Permalink
Lesen Sie dazu auch
Copy%20of%20_WYS_Tarifk%c3%b6_014.tif
Augsburg

Was die Fahrgäste an den neuen Tarifen ärgert

ad__querleser@940x235.jpg

Qualität auch für Querleser

Montag bis Samstag ab 4 Uhr morgens. Und die Multimedia-Ausgabe
"Kompakt" mit den wichtigsten Nachrichten von Morgen ist auch dabei.

Jetzt e‑Paper bestellen!