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Verkehr

01.06.2012

Stadtwerke wollen Buslinie mit Strom betreiben

Die Oberleitung oben ist nur für die gewöhnlichen Trams: Der Bombardier-Test-Zug auf der Messeschleife bekommt seinen Strom von unten.
Bild: Carin Weykopf

Nach dem Tram-Test auf der Messeschleife könnte ein Elektrobus kommendes Jahr im Passagierverkehr eingesetzt werden

Die Stadtwerke denken darüber nach, ab kommendem Jahr einen Bus auf einer Linie im Elektrobetrieb fahren zu lassen. Gedacht ist nach derzeitigem Stand an die Linie 36 zwischen Textilmuseum und Schwabencenter. Einzelheiten, was etwa die Finanzierung und Förderung durch den Bund betrifft, sind noch nicht geklärt.

Die Linie würde sich deswegen besonders dafür eignen, weil der 36er relativ lange Standzeiten an der Endhaltestelle hat, die zum Laden genutzt werden können. Eingesetzt werden soll eine Technik des Straßenbahnherstellers Bombardier, die bereits in den vergangenen zwei Jahren auf der Messeschleife bei einer werkseigenen Bombardier-Straßenbahn erprobt wurde. Dabei wird der Strom berührungslos übertragen.

Statt mit einer Oberleitung und Stromabnehmer wird die Energie über ein elektrisches Feld, das eine zwischen den Gleisen verlegte Leitung erzeugt, übertragen. Spulen im Fahrzeugboden wandeln das elektrische Feld in Strom um. Ein ähnliches Prinzip macht man sich beim Induktionsherd zunutze.

Die Tests in Augsburg, die einen Regelbetrieb auf öffentlichen Gleisen nachstellen sollten, sind inzwischen abgeschlossen. Für den öffentlichen Verkehr war die Messe-Stichstrecke während dieser Zeit gesperrt. Bis zum Herbst wird Bombardier das Stichgleis, das nur während der Frühjahrsausstellung genutzt wird, wieder in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen und den Stadtwerken übergeben. Die neue Technologie, die ohne störende Oberleitungen auskommt, kommt für den Linienbetrieb in Augsburg auf absehbare Zeit nicht infrage. Grund: Die Stadtwerke haben einen relativ neuen Fahrzeugpark – darunter auch den Cityflex von Bombardier – der nicht umgerüstet werden kann. Abgesehen davon müsste ein Teil des Schienennetzes auch mit den unterirdischen Modulen ausgestattet werden.

Eine schon bestehende Testanlage für einen Kleinbus-Prototypen am Messegelände soll vor Ort bleiben. Der Bus kann seine Akkus laden, ohne dass dafür ein Kabel nötig wäre. Von der berührungslosen Stromübertragung („Primove“) verspricht sich auch das Bundesverkehrsministerium neue Impulse für die Elektromobilität. „Die klassischen Ladestationen werden es für die Zukunft nicht sein können“, so Bundes-Verkehrsstaatssekretär Rainer Bomba gestern in Augsburg. Das habe schon der Modellbetrieb zu Elektromobilität in einigen deutschen Städten gezeigt.

Bei Bombardier ist man momentan dabei, das System weiterzuentwickeln. Schon heuer werden die Braunschweiger Verkehrsbetriebe einen Abschnitt ihres Busnetzes auf Elektrobetrieb umstellen, wie es in Augsburg in kleinerem Maßstab geplant ist. Das Braunschweiger Projekt wird vom Bund gefördert. Für Augsburg werden demnächst die Details vereinbart.

Die Busse werden mit einem kleinen Akku angetrieben, der an den Haltestellen schnellgeladen wird. Für einen Zwölf-Meter-Bus mit 250 Kilometer Tagesleistung wäre ohne Zwischenladen ein sechs Tonnen schweren Akku nötig, so Primove-Projektleiter Jérémie Desjardins. „Nur: Wo sollen sich dann die Passagiere hinsetzen?“ Mit einem System von Unterwegs-Ladestationen reiche ein eine Tonne schwerer Akku aus, so Desjardins.

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