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08.02.2015

Starker Gegenwind für die Linie 5

Aus Lärmschutzgründen wollen die Stadtwerke in der Hessenbachstraße die Tramgleise der Linie 5 möglichst nahe an den Gleisen der Localbahn verlegen. Der geplante Verlauf durch diese Straße führte zu heftigen Diskussionen. Unter anderem fürchten Kleingärtner um ihre Parzellen.
Bild: Ruth Plössel

 Bürger kritisieren die Pläne der Stadtwerke. Nicht nur die Route der neuen Straßenbahn steht in der Diskussion

Geht es nach den Verantwortlichen der Stadtwerke Augsburg, führt die am besten geeignete Trasse für die künftige Straßenbahnlinie 5 vom Hauptbahnhof zum Klinikum über die Hessenbachstraße. Gegenwind bekamen sie jetzt bei einem Bürgerdialog zu spüren, zu dem rund 180 Interessierte ins Förderzentrum für Hörgeschädigte an der Bürgermeister-Ackermann-Straße gekommen waren. Viele von ihnen machten ihrem Ärger über die Pläne Luft.

Die Route über die Luitpoldbrücke und die Hessenbachstraße sei die „schnellste und kostengünstigste Variante“, begründet Stadtwerke-Chef Walter Casazza die Wahl. Dies sei wichtig, um Fördermittel zu bekommen. In der Vergangenheit hatte es mehrere Planungswerkstätten mit Bürgern gegeben, in denen sich die Trassenführung über die Holzbachstraße als Favorit herauskristallisiert hatte. Für diese machten sich beim Treffen viele Redner stark. So auch die Bürgeraktion Pfersee Schlössle. Nach Ansicht des Vorsitzenden Dietmar Egger wird bei der Hessenbach-Variante das Rosenauviertel abgehängt. „Die Stadtwerke wollen deswegen sogar eine extra Buslinie für die Rosenau schaffen“, kritisiert er. Casazza hielt dagegen, dass die Stadtwerke ihre Busverbindungen generell hinsichtlich Verbesserungspotenzial überprüfen. Die Lösung über die Hessenbachstraße habe den Vorteil, dass auf der Luitpoldbrücke eine bestehende Haltestelle genutzt werden kann. Sie sei so konzipiert, dass zwei Trams gleichzeitig halten können. Auch die Linie 3 hält dort.

Viel Kritik kam auch von Anwohnern und Gartenbesitzern in der Hessenbachstraße. Aus Lärmschutzgründen sollen die Tramgleise möglichst nah an denen der Localbahn liegen. Davon betroffen wären wohl auch die Gärten und die Lindenallee. „Bieten Sie uns einen Ausgleich oder eine finanzielle Entschädigung an?“, wollte ein Kleingärtner wissen. Eine Frau beklagte, dass im Rahmen des Hochwasserschutzprojektes schon viel Grün in der Hessenbachstraße verloren gegangen sei und nun der Kahlschlag drohe. Die Stadtwerke betonten, die Trasse solle wegen Lärmemissionen möglichst weit weg von der Wohnbebauung erfolgen. Die gelte nur für einen Teil der Hessenbachstraße, kritisierte ein Anwohner. Schließlich müssten die Bahnen beim Ein- und Ausfahren der Hessenbachstraße deutlich näher an die Wohnbebauung ran

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Bürger befürchten zudem, dass sich der Individualverkehr ständig staut, wenn zwei Bahnen über den Kreuzungsbereich Luitpoldbrücke/Hessenbachstraße fahren.

Unzufrieden sind auch die Anwohner rund um die Kriegshaberstraße. „Sie kappen uns den Bus 32 und lassen die Straßenbahn lieber weiter geradeaus nach Stadtbergen fahren, wo es keine Wohnbebauung gibt“, kritisierte eine Dialog-Teilnehmerin.

Skeptisch waren viele Gäste auch hinsichtlich der Idee, auch noch eine Straßenbahn in die viel befahrene Straße zu packen. Über die vier Spuren rollt der Verkehr nach Augsburg beziehungsweise hinaus ins westliche Umland – rund 40000 Fahrzeuge pro Tag. Die Straßenbahn soll in der Mitte der Ackermann-Straße fahren. Die Verantwortlichen schätzen den Sachverhalt anders ein. „Die Straße ist sehr breit. Sie wurde für die amerikanischen Panzer gebaut. Wir können die Fahrbahnen verengen und der Grünstreifen in der Mitte hat eine Breite von vier Metern. Es bleiben alle Spuren erhalten, auch die Abbiegespuren“, sagt Gunther Höhnberg, Verkehrsplaner beim Augsburger Tiefbauamt.

Es werde aber an den Knotenpunkten nötig sein, etwas in die Seitenbereiche auszuweichen. Geplant sei zudem, am Schnittpunkt mit der B17 das Abbiegen zu erleichtern. So sollen für Fahrzeuge, die von Westenkommen, zwei Spuren zum Linksabbiegen auf die B17 Richtung Norden zur Verfügung stehen. Dafür soll die Straße aufgeweitet werden. Nicht mehr möglich wäre laut den Planungen, aus den Querstraßen ampellos nach rechts auf die Bgm.-Ackermann-Straße aufzufahren. Hier soll es künftig Ampeln geben, um mehr Sicherheit für Fußgänger und Radler zu schaffen.

Mehrere Teilnehmer bezweifeln, dass die Linie 5 nötig ist. Das Reese-Areal sei das einzige Neubaugebiet und nördlich davon, an der Ulmer Straße, verkehre die Linie 2. Einige forderten, den Takt des 32er-Busses von derzeit 15 Minuten zu verdichten. „Es ist erwiesen, dass es einen Schienenbonus gibt. Die Nachfrage wird stärker steigen, als bei einem kürzeren Bustakt. Zudem ist das ein Angebot, das für alle interessant ist, nicht nur für die Anwohner entlang der Trasse“, entgegnete Casazza.

Unzufrieden sind auch die Anwohner des Thelottviertels. Sie fürchten Lärmbelastungen durch die Tram und den Verlust von Parkplätzen, die ohnehin schon knapp bemessen seien. „Wir entlasten die Hörbrotstraße, indem am Sebastian-Buchegger-Platz künftig nur noch die Straßenbahn durchfahren kann, statt wie bisher bis zu 5000 Fahrzeuge am Tag“, sagte Höhnberg. Künftig könne dafür von der Rosenau- nach links in die Pferseer Straße abgebogen werden. Was das Parken angehe, sei dies in der Hörbrotstraße dann nur noch auf der Südseite möglich und in der Perzheimstraße auf der Westseite. „Dann trage ich meinen Einkauf also über die viel befahrene Perzheimstraße?“, kritisierte eine Frau. Höhnberg entgegnete, dass es Überlegungen gebe, Ladebuchten einzurichten. Auch werde die Lärmbelastung durch die Flügelung der Linie in der Hörbrotstraße geringer. Stadtauswärts soll die Tram über die Rosenau- und Pferseer Straße, stadteinwärts über die Perzheim- und Hörbrotstraße fahren.

Nachgefragt wurde auch, wie die Parksituation für Radler und Autofahrer am Hauptbahnhof sein werde. Es werde für den Bahnhofsvorplatz einen Wettbewerb geben, so die Stadtwerke-Vertreter. Die Zahl der Parkplätze soll genauso sein wie vor dem Umbau. Abstellmöglichkeiten für Räder werde es auf beiden Seiten geben.

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