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Augsburger Domsingknaben

12.12.2019

Stefan Steinemann: Er ist neuer Domkapellmeister von Augsburg

Mit 27 Jahren wird Stefan Steinemann 2020 neuer Domkapellmeister. Mit den Domsingknaben führt er bereits das Weihnachtsoratorium auf.
Bild: Bernhard Gastager

Plus Der 27-jährige Stefan Steinemann war selbst ein Augsburger Domsingknabe und fühlt sich seiner Aufgabe gewachsen. Welche Ziele der neue Domkapellmeister hat.

Erst 27 Jahre alt und schon Domkapellmeister? „Spielt das Alter wirklich eine Rolle?“, fragt Stefan Steinemann zurück. „Ich fühle mich der Aufgabe gewachsen, hätte mich aber auch zehn Jahre später über die Berufung gefreut.“ Ein Selbstbewusstsein des gereiften Musikers spricht aus diesen Worten. Steinemann, der am Sonntag bereits das Weihnachtsoratorium der Augsburger Domsingknaben leiten wird und ab Januar 2020 dann die Gesamtverantwortung für die Dommusik trägt, weiß, was er kann.

Schließlich hat er an der Musikhochschule München bei Größen ihres Faches studiert: Orgel bei Prof. Bernhard Haas und Chorleitung bei dem langjährigen Leiter des Bayerischen Rundfunkchors, Prof. Michael Gläser, dazu Stimmbildung bei Hartmut Elbert. Und zeitgleich zum Masterstudiengang belegte er höhere Studien an der Schola Cantorum in Basel. Dort traf er Spezialisten für historische Aufführungspraxis und vertiefte sich auch in weltliche Vokalpolyphonie. „Hier taten sich für mich ganz andere Welten als in der Sakralmusik auf“, sagt Steinemann. „Welche Affekte und Emotionen diese Komponisten hervorragend musikalisch gestaltet haben.“

Man sollte beim Weihnachtsoratorium die Ohren spitzen, was der junge Dirigent an klanglichen Nuancen herausarbeitet. Er wird das Bach’sche Werk erstmals in historischer Aufführungspraxis darbieten. „Ich wünsche und verlange, dass alle Instrumentalisten und Sänger mit vollem Bewusstsein und voller Hingabe musizieren“, gibt Steinemann als Leitlinie aus. Es gehe weniger um technische Perfektion – ein Grundempfinden für die Noten setzt der Dirigent voraus. Vielmehr habe „jeder Ton eine Bedeutung – wenn man sie erkennt, kann etwas Besonderes entstehen“.

Mit fünf Jahren kam Stefan Steinemann zu den Augsburger Domsingknaben

Hörerfahrung bringt er aus seiner bereits langen Musikerkarriere mit. Mit fünf Jahren ist Stefan Steinemann zu den Augsburger Domsingknaben gestoßen, er hat alle Stufen durchlaufen, mit dem B-Chor schon erste Aufführungen im Dom gehabt, ist dann weiter aufgestiegen in den Kammerchor und war auch als Knabensolist auf Opernbühnen gestanden. Überhaupt ist er mit den Domsingknaben bei Tourneen auf Weltbühnen aufgetreten. Das verlieh ihm Sicherheit und Selbstbewusstsein und weckte den Wunsch, Musik zum Beruf zu machen. Klavierspielen konnte er, mit dem Orgelunterricht habe er „relativ spät mit 15“ angefangen. So war die Basis für ein Studium der Kirchenmusik gelegt. Ein Freiwilliges Soziales Jahr bei den Domsingknaben nutzte er, um sich für die Aufnahmeprüfung vorzubereiten – und es vermittelte ihm wertvolle Erfahrungen als Erzieher bei der täglichen Freizeitbetreuung.

Steinemann will mit den Domsingknaben auf Augenhöhe musizieren

Unter seinen Domsingknaben bewegt sich Steinemann mithin auf Augenhöhe. Er weiß, wie stolz die Buben sind, wenn sie den schwarzen Pullover tragen dürfen. Dann gehören sie wirklich dazu, haben buchstäblich einen Namen als Domsingknabe. „Bei uns ist alles personalisiert, auch die Noten“, erklärt Steinemann. So entstehe eine eingeschworene Gemeinschaft, die noch anhält, wenn sich die Männer in alle möglichen Berufe zerstreuen.

Mit jungen Menschen zu musizieren, findet Steinemann „wahnsinnig inspirierend“: „Bei Kindern ist ein ganz großer Fantasiewillen da, mit ihrem kindlichen Empfinden gehen sie unvoreingenommen an ein Werk heran“, sagt er. So habe der Probenprozess noch eine starke Eigendynamik. Bei Stefan Steinemann schwingen im Kopf natürlich die vielen Aufführungen mit, die er selbst als Domsingknabe und in anderen Ensembles gesungen hat. Daraus ergebe sich eine bestimmte Gesamtsumme, wie ein Werk klingen kann.

Als Domkapellmeister werde er vielleicht in einem geringeren Pensum selbst noch als Solist und Leiter eines erstklassigen Vokalensembles auftreten können – wie kürzlich mit Monteverdis Marienvesper in der Ulrichsbasilika. „Ich hoffe schon, dass ich es beibehalten kann.“ Sein weiter Horizont hat sich bereits im Jahresprogramm 2019/20 der Dommusik niedergeschlagen. Das Cantate Domino am Samstagabend solle eine größere Abwechslung erfahren. Gerne will Stefan Steinemann auch mit dem Domchor arbeiten. Mit Erwachsenen, die aus der Arbeitswoche kommen, sei es ein anderes Musizieren. Der Chor werde weiterhin mit eigenen, etwa romantischen Akzenten im Dom auftrumpfen. Nicht zuletzt will Steinemann die Hörer religiös inspirieren: „Kirchenmusiker ist auch ein pastoraler Beruf.“

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