Newsticker

Spahn mit Corona infiziert - Kabinett muss nicht in Quarantäne
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Sterbehilfe: Meinungen von Kirche und Gesellschaft gehen auseinander

Augsburg

23.03.2015

Sterbehilfe: Meinungen von Kirche und Gesellschaft gehen auseinander

Die Suizidrate steigt im Alter.
3 Bilder
Die Suizidrate steigt im Alter.
Bild: Jens Kalaene (dpa)

Bei der Diskussion um die Sterbehilfe prallen weltliche und christliche Wertesysteme aufeinander. Die Kirche positioniert sich deutlich dagegen.

Ignatz Meszaros ist fest im Glauben verwurzelt, seine Haltung zur Selbsttötung klar: „Meine Frau ist seit sechs Jahren sehr schwer krank. Ich kann mir nicht vorstellen, dass dieses Leben ausgelöscht wird. Gott hat es ihr geschenkt, es zu nehmen, wäre gegen seinen Plan.“ Von der Informationsveranstaltung „Sterben nach Plan?“ des Diözesanrats der Katholiken erhofft er sich eine klare Stellungnahme der Kirche zu Freitod und Sterbehilfe.

Die Beihilfe zur Selbsttötung – also das Gift besorgen – ist bisher eine straffreie Form der Sterbehilfe, weil die Haupttat, der Suizid, nicht strafbar ist. Voraussetzung: Der Sterbewillige muss die Kontrolle haben, also das Gift selbst einnehmen. Die Helfer riskieren auch nicht mehr, wegen unterlassener Hilfeleistung belangt zu werden, weil sie keine Rettung versucht haben. 2010 sprach ein Gericht einen Notarzt von der Rettungsverpflichtung bei einem eindeutig autonomen Freitod frei.

Kirche positioniert sich gegen Sterbehilfe

Doch seit Dezember beschäftigt der straffrei assistierte Suizid Parlamentarier, Kirchenfunktionäre, Juristen, Ärzte und Bürger. Im Herbst soll über ein neues Gesetz entschieden werden, das dann bestimmte Fälle der Beihilfe unter Strafe stellen soll. Es geht also nicht, wie oft vermutet, um eine bevorstehende Legalisierung bisher verbotener Sterbehilfe. Es geht um eine Kriminalisierung. Diese Begriffsverwirrung sorgt auch im Haus St. Ulrich für einige Verknotungen.

Im Hintergrund der Debatte stehen Sterbehilfevereine wie Exit und Dignitas. Sie bieten derzeit im Ausland an, was Gerda Riedl, Professorin für Dogmatik an der Uni Augsburg und Leiterin der bischöflichen Hauptabteilung Grundsatzfragen, gerne verboten sehen würde: „Wir dürfen die kommerzielle, organisierte Beihilfe zur Selbsttötung nicht akzeptieren“, betont die Referentin. Das neue Gesetz, so warnt sie, solle die tödliche Hilfe nicht nur für Schwerkranke „legalisieren“, sondern auch für gesunde Menschen. Die Meinung der Kirche sei klar: „Das Leben ist nicht nur ein funktionierender Bioorganismus, sondern ein Geschenk Gottes, das wir nicht zurückgeben können, wenn es uns nicht mehr gefällt.“

Meinungen zur Sterbehilfe gehen auseinander

Henning Rosenau, Strafrechtsprofessor, Medizinethiker und Vizepräsident der Uni Augsburg, klärt die etwa 200 Zuhörer juristisch auf: „Die moralische Bewertung durch die Kirche ist das eine. Strafbar ist der assistierte Suizid bisher nicht.“ Das in den Gesetzesvorlagen für Herbst vorgesehene Verbot der „gewerbsmäßigen“ Hilfe zum Suizid hält er verfassungsrechtlich für fragwürdig: „Sein Leben beenden zu dürfen, ist Teil der allgemeinen Handlungsfreiheit und der Würde. Wenn der Suizid nicht strafbar ist, kann es auch die Hilfe nicht sein, egal, wer sie anbietet.“ Statt des Strafrechts sollten soziale Betreuung, Palliativmedizin und Hospize ausgebaut werden.

Im Publikum sitzen auch Domdekan Bertram Meier sowie der Musikwissenschaftler und CSU-Stadtrat Benedict Lika. Meier erklärt bei allem Respekt für die Kranken und Lebensmüden: „Der Mensch hat sich das Leben nicht selbst gegeben, deshalb darf er es sich auch selbst nicht nehmen.“. Lika hingegen plädiert für weniger Moral und mehr religiöse Inhalte in der Debatte: „Jesus hat die Erlösung ja nicht komplett gemacht, das Leid geht eben weiter. Aber der Glaube erleichtert mir die Akzeptanz meiner Krankheit. Suizid ist keine Option.“

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren