1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Sterben die Volksfeste in den Stadtteilen aus?

Augsburg

19.10.2019

Sterben die Volksfeste in den Stadtteilen aus?

Traditionelle Stadtteilfeste wie die Lechhauser Kirchweih haben es schwer. Die Besucherzahlen gehen tendenziell nach unten. Einige Veranstalter versuchen gegenzusteuern.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Am Wochenende ist Kirchweih in Lechhausen, doch im Festzelt gehen die Besucherzahlen zurück. In der Jakobervorstadt war es ähnlich, dort hat man das Fest umgekrempelt.

Die Aussichten für den Start der Lechhauser Kirchweih sind gut. Es kann am Samstag erst noch ein paar leichte Schauer geben, dann scheint überwiegend die Sonne. Am Sonntag wird es bei bis zu 24 Grad schon fast sommerlich warm. Für die Zukunft des Fests sind die Aussichten dagegen eher durchwachsen. Der bisherige Festwirt Dieter Held hört nach 14 Jahren auf. Er macht keinen Hehl daraus, dass es sich zuletzt nicht mehr wirklich für ihn gelohnt hat. Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete sich schwierig. Wer künftig das Zelt in der Klausstraße in Lechhausen bewirten wird, ist noch unklar. Es gibt nun aber mehrere Interessenten.

Während der Plärrer bei Volksfestbesuchern nach wie vor hoch im Kurs steht, haben es die traditionellen Stadtteil-Volksfeste schwerer. In Lechhausen hat das Dieter Held beobachtet. Er sagt: „Die Besucherzahl geht tendenziell nach unten. Vor allem bei den Jüngeren.“ Der Wirt hat einiges versucht. Er engagierte Bands, die sonst in seinem großen Zelt auf dem Plärrer spielen. Für ein kleineres Volksfest sind sie eigentlich zu teuer. Trotzdem gelang es nicht, spürbar mehr Menschen anzulocken. Schon vor fünf Jahren hatte Held den Abschied von Lechhausen angekündigt. Er war damals sauer, weil er sich von der Stadt zu wenig unterstützt sah – und weil sein Sohn bei der Standvergabe für den Christkindlesmarkt leer ausgegangen war. Er machte dann aber doch noch mal weiter.

Der Lechhauser Festwirt zieht sich zurück

Jetzt aber ist endgültig Schluss. Held betreibt auch die Gastronomie auf dem Messegelände. Dort habe er im Oktober viel zu tun, sagt er. Es sei schwierig, Messe und Kirchweih unter einen Hut zu bringen. Der Wirt hatte seinen Rückzug früh angekündigt. Auf eine städtische Ausschreibung hin hatte sich zunächst kein Bewerber für das Festzelt gemeldet. Stadt und Vertreter der Arbeitsgemeinschaft (Arge) der Lechhauser Vereine und Geschäftsleute führten deshalb Gespräche mit Gastronomen – mit Erfolg. Es gibt jetzt nach Auskunft von Marktamtsleiter Werner Kaufmann drei Interessenten. Darunter sollen nach Informationen unserer Redaktion der Wertinger Festwirt Werner Schmid und Umberto von Beck-Peccoz von der Brauerei Kühbach sein. Beck-Peccoz bewirtet künftig auch den Grünen Kranz am Schlössle in Lechhausen sowie den Flößerpark am Lech. Beide Wirte haben sich schriftlich beworben. Ein dritter Kandidat aus Augsburg habe mündlich Interesse bekundet, heißt es.

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Aufgeworfen wurde auch die Frage, ob das neuntägige Fest verkürzt werden sollte. Das lehnen aber sowohl die Vertreter der Lechhauser Arge wie auch Schausteller ab. Auch der Lechhauser CSU-Politiker Johannes Hintersberger fürchtet, dass eine Verkürzung der Anfang vom Ende des Stadtteilfestes wäre. Derzeit sei eine Reduzierung der Festtage aber zumindest kein Thema, sagt Marktamtsleiter Kaufmann.

Die Lechhauser stehen zu ihrem Fest

Die Familie von Schausteller Josef Diebold war schon Ende des 19. Jahrhunderts auf der Kirchweih in Lechhausen aktiv. Diebold betreibt ein Kinderfahrgeschäft. Er sagt, das Fest habe vor einigen Jahren eine gewisse Talfahrt erlebt, inzwischen aber entwickle es sich aus seiner Sicht wieder positiv. Die Lechhauser stünden zu ihrem Fest, das stimme ihn zuversichtlich.

Wie stark sich ein Fest verändern kann, zeigt die Jakober Kirchweih. Alteingesessene Augsburger erinnern sich wehmütig an Zeiten, als mehrere Festzelte in der Jakobervorstadt standen und zur Eröffnung ein Riesenauftrieb herrschte. Bis 2013 konnten die Besucher zumindest noch in einem Bierzelt auf dem Gelände der Augusta-Brauerei ihre Maß trinken. Dann verschwand auch dieses und der kleine Vergnügungspark am Lauterlech gehörte ebenfalls der Vergangenheit an.

Seither hat sich das älteste Volksfest Augsburgs zu einem Stadtteilfest gewandelt, das sich auf ein Sommer-Wochenende konzentriert und rings um die evangelische Kirche St. Jakob angesiedelt ist – mit Bewirtung, aber ohne Festwirt. An diesem Konzept wollen die Veranstalter festhalten. Obwohl die Vorsitzende   Sabine Hofmann mit ihrem Wäsche- und Dessousgeschäft seit Kurzem in der Innenstadt zu finden ist, will sie sich weiter um die Jakober Kirchweih kümmern. „Ich will für Augsburg arbeiten, da gehört die Jako-bervorstadt dazu.“ Der Wandel vom Volks- zum Stadtteilfest sei ein guter und der einzig richtige Weg, sagt sie. Mit Spannung wartet der Verein, wer auf Pfarrer Friedrich Benning in St. Jakob folgt. Der evangelische Geistliche war bis zu seinem Ruhestand in diesem Jahr ein Motor der Jakober Kirchweih.

Die Jakober Kirchweih hat sich gewandelt.
Bild: Peter Fastl

Die Zukunft des Marktsonntags ist gesichert

Dass die Lechhauser Kirchweih eine ähnliche Entwicklung nimmt wie in der Jakobervorstadt, glaubt Marktamtsleiter Werner Kaufmann nicht. In Lechhausen gebe es breite Unterstützung – von Vereinen, Geschäftsleuten, Politikern und der Kirche. Kombiniert mit dem Fest gibt es auch einen verkaufsoffenen Sonntag, dieses Mal am 20. Oktober. Dessen Zukunft ist gesichert. Der Stadtrat hat im Sommer die Genehmigung für weitere zehn Jahre erteilt. Die Entscheidung, welcher Wirt künftig aktiv sein soll, wird wohl Mitte November fallen.

Beim Gögginger Frühlingsfest bleibt indes vorerst alles beim Alten. Die Wirtsfamilie Kempter will das Zelt weiter betreiben. An den Wochenenden ist dort viel los. Das Fest in Göggingen profitiert davon, dass es eines der ersten nach dem Winter ist – und viele endlich wieder mit Dirndl und Lederhose feiern gehen wollen. Nur unter der Woche laufen die Geschäfte schlechter. Das Fest nur an den Wochenenden zu öffnen, sei aber derzeit keine Option, heißt es bei der Stadt.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Andrea Baumann: Volksfeste haben heute mehr Konkurrenz

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Themen folgen

Sie haben nicht die Berechtigung zu kommentieren. Bitte beachten Sie, dass Sie als Einzelperson angemeldet sein müssen, um kommentieren zu können. Bei Fragen wenden Sie sich bitte an moderator@augsburger-allgemeine.de.

Bitte melden Sie sich an, um mit zu diskutieren.

Das könnte Sie auch interessieren