Newsticker

Zahl der Corona-Infizierten in München sinkt unter kritischen Wert
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Sterben dort, wo man zuhause ist

06.07.2010

Sterben dort, wo man zuhause ist

Sterben dort, wo man zuhause ist
2 Bilder
Sterben dort, wo man zuhause ist

Viele Menschen wollen am liebsten daheim in ihrer vertrauten Umgebung sterben. Doch nur die wenigsten wissen etwas über die Möglichkeiten, die eine ambulante Sterbegleitung durch Hospize bietet. Das ist ein Ergebnis einer neuen Studie der Uni Augsburg, gemeinsam mit dem Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband. Wir sprachen darüber mit den Soziologen Werner Schneider und Julia von Hayek.

Viele Menschen wollen am liebsten daheim in ihrer vertrauten Umgebung sterben. Doch nur die wenigsten wissen etwas über die Möglichkeiten, die eine ambulante Sterbegleitung durch Hospize bietet. Das ist ein Ergebnis einer neuen Studie der Uni Augsburg, gemeinsam mit dem Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband. Wir sprachen darüber mit den Soziologen Werner Schneider und Julia von Hayek.

Frau von Hayek, Sie beschäftigen sich beruflich viel mit dem Thema sterben, haben Sie schon mal an Ihren eigenen Tod gedacht?

v. Hayek: Ich bin 35 Jahre. Mit dem Sterben setzen wir uns sehr stark auseinander, wenn wir mit unseren Interviewpartnern sprechen. Da ist oft sehr viel Emotion im Spiel. Besonders wenn das Interview vorbei ist, kommt man ins Nachdenken.

Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.
Lesen Sie jetzt: Die heutige Ausgabe Ihrer Tageszeitung als E-Paper.

Was war der Anlass für die neue Studie zur Organisation und Praxis von Sterbebegleitungen in der ambulanten Hospizarbeit?

v. Hayek: Bisher gibt es bundesweit kaum Forschung dazu. Meine Doktorarbeit 2007 war die erste, die sich als praxisbezogene Forschung mit dem Thema auseinandergesetzt hat.

Was haben Sie herausgefunden?

Schneider: Die meisten Menschen haben leider nur recht diffuse Vorstellungen von dem, was ein Hospiz eigentlich ist und was die Mitarbeiter von ambulanten Palliativdiensten anbieten können. "Hospiz" wird in der Bevölkerung noch allzu oft mit "in Kürze sterben" gleichgesetzt.

Was ist die Folge?

Schneider: Angehörige nehmen häufig erst Kontakt mit einem Hospizdienst auf, wenn der Betroffene bereits im Sterben liegt. Dann freilich können sich die Hospiz-Mitarbeiterinnen aber nicht mehr so gut auf die individuellen Bedürfnisse der Betroffenen einstellen.

Wer stirbt daheim, wer nicht?

Schneider: Der bundesdeutsche Vergleich zeigt deutlich erkennbare Unterschiede in der Betreuung insbesondere zwischen ländlichen und städtischen Regionen. Diese Unterschiede führen dazu, dass die Wahrscheinlichkeit, zu Hause zu sterben, auf dem Land geringer ist als in einer Stadt. Andererseits führt allein das Vorhandensein von stationären Hospiz- und Palliativeinrichtungen zu mehr Hospitalisierung. Die Ergebnisse zeigen deutlich, wie unterschiedlich in Deutschland gestorben wird.

Wann steigen die Chancen, daheim in vertrauter Umgebung sterben zu können?

Schneider: Ob dem Wunsch eines Patienten, zu Hause zu sterben, entsprochen werden kann, hängt nicht zuletzt davon ab, wie die ambulante Hospizarbeit organisiert ist.

Haben Sie auch vor Ort in Augsburg geforscht?

v. Hayek: Wir waren beim Albatros-Hospiz, das ambulant arbeitet. Dort ist man sehr gut aufgestellt, wie wir festgestellt haben. Außerdem gibt es in Augsburg noch das St. Vinzenz Hospiz.

Wo sehen Sie Handlungsbedarf?

Schneider: Wir fordern zusammen mit dem Deutschen Hospiz- und Palliativ-Verband, die Öffentlichkeitsarbeit für die ambulante Sterbebegleitung zu intensivieren. Dabei haben wir insbesondere Ärztinnen und Ärzte im Blick. Sie gelten als Türöffner für die Hospizdienste, da sie Patienten und Angehörige über Hospiz- und Palliativarbeit aufklären und eine Kontaktaufnahme empfehlen können. Interview: Eva Maria Knab

Die zentralen Ergebnisse der Studie sind in der Ausgabe 44-2010/2 von "Die Hospiz-Zeitschrift. Fachforum für Palliative Care" erschienen und finden sich zum Download auf idw-online.de/pages/de/attachmentdata3955.pdf

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren