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NS-Zeit

29.03.2016

Stolpersteine: Jetzt werden Paten gesucht

Für Anna und Hans Adlhoch wurden Stolpersteine verlegt.
Bild: S. Wyszengrad

Um der Opfer des Nationalsozialismus zu gedenken, wird es in Augsburg künftig unterschiedliche Möglichkeiten geben. Die Initiativen, die sich dafür starkmachten, haben aber noch andere Ideen

Stolpersteine, Gedenktafeln und Stelen – mit diesen drei Erinnerungszeichen will Augsburg künftig der Opfer des Nationalsozialismus gedenken. Der Stadtrat stimmte vor Kurzem dem Vorschlag einer Augsburger Expertenkommission zu. Nun beginnt die Suche nach möglichen Paten für die Mahnmale.

Die Initiativen, die sich in der Stadt für ein Gedenken an die NS-Opfer einsetzen, sind zufrieden mit dem ausgehandelten Kompromiss. Er berücksichtige die Gefühle und Befindlichkeiten aller Opfergruppen. Dabei standen sich die verschiedenen Interessen zunächst kontrovers gegenüber: Die jüdische Kultusgemeinde zum Beispiel lehnt Stolpersteine für ihre Angehörigen strikt ab. Der Initiativkreis Stolpersteine dagegen will die Messingsteine unbedingt verlegen, durfte dies bislang aber nur auf Privatgrund.

Mit dem Augsburger Weg ist nun eine Lösung gefunden, die allen gerecht wird. „Es war eine lange, ausgiebige und kontroverse Diskussion“, sagt Angela Bachmair von der Augsburger Erinnerungswerkstatt. Das Ziel aller Beteiligten, nämlich das Gedenken sichtbar zu machen, habe man jedoch nie aus den Augen verloren. Kulturreferent Thomas Weitzel habe der Expertenkommission zudem die nötige Zeit gegeben.

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Bis die ersten Erinnerungszeichen gesetzt werden, wird aber noch etwas Zeit vergehen. Einige Stolpersteine sind zwar bereits fertig. Sie sollen aber erst verlegt werden, wenn möglichen Stiftern auch die anderen beiden Gedenkformen zur Auswahl stehen. Sowohl für Stelen als auch für Tafeln wird nun ein Gestaltungswettbewerb ausgelobt. Dies soll laut Weitzel so schnell wie möglich geschehen. Spätestens in einem Jahr könnten die ersten Mahnmale gesetzt werden. „Wir rechnen damit, dass es dann auf Anhieb Erinnerungsorte für 50, 60 Augsburger NS-Opfer geben wird“, sagt Angela Bachmair.

Vor dem Initiativkreis Stolpersteine und der Erinnerungswerkstatt liegt bis dahin noch viel Arbeit: „Wir brauchen jetzt Paten, die den Anstoß für ein Gedenken geben und die auch bereit sind, die Kosten für die Erinnerungszeichen zu übernehmen“, sagt Angela Bachmair. Rund 120 Euro kostet ein Stolperstein, bei Stelen und Tafeln, auf denen auch mehrere Namen verzeichnet sein können, wird es sich wohl um ähnliche Summen handeln.

Die Initiative für ein solches Erinnerungszeichen kann von jedem Bürger ausgehen. Wer weiß, dass in seiner Straße, seinem Haus einst ein Opfer des Nationalsozialismus lebte, kann tätig werden und seine Idee an die beiden Augsburger Initiativen melden. Auch jeder andere Hinweis ist willkommen. Erinnerungswerkstatt und Initiativkreis hoffen außerdem, dass sich Menschen finden, die auch die Geschichten ehemaliger NS-Opfer kennen. „Unser Ziel ist es, ihre Biografien zu erforschen und sie in einem Online-Gedenkbuch zu veröffentlichen“, sagt Angela Bachmair.

Während die Namen der jüdischen Opfer bekannt sind, fehlen in vielen anderen Fällen entsprechende Hinweise. Die Erinnerungswerkstatt hat einen Historiker auf Honorarbasis beschäftigt, der eingehende Daten von NS-Opfern auf ihre Richtigkeit überprüft. Bekäme man für diesen Bereich Spenden, könnte der Historiker noch intensiver forschen. Viele Organisationen bemühen sich in Augsburg um die Aufarbeitung der NS-Zeit: Neben der Erinnerungswerkstatt und dem Initiativkreis Stolpersteine ist es unter anderem die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes. Sie hat zahlreiche Biografien von Widerstandskämpfern zusammengetragen. Die Erinnerungswerkstatt arbeitet nun auf ein Gedenkbuch im Internet hin. Dort sollen bald alle Augsburger NS-Opfer und ihre Biografien zu finden sein – inklusive Informationen zu den dazugehörigen Familien und Wohnorten. Eine Agentur hat den Auftritt inzwischen gestaltet. Er soll so bald wie möglich für alle zugänglich sein.

Wer ein Erinnerungszeichen stiften will oder etwas über NS-Opfer weiß, kann sich bei der Erinnerungswerkstatt oder beim Initiativkreis Stolpersteine melden. Infos unter www.erinnerungswerkstatt-augsburg.de oder www.stolpersteine-augsburg.de.

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