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Augsburg

04.05.2017

Stolpersteine: Kulturreferent gerät immer stärker in die Kritik

Am Donnerstag wird der Künstler Gunter Demnig zwölf genehmigte Stolpersteine für NS-Opfer auf öffentlichen Straßen und Plätzen in Augsburg verlegen.
Bild: Anne Wall/Archiv

Der Streit um acht Stolpersteine in Augsburg geht in eine neue Runde: Kritiker werfen dem Kulturreferenten Falschinformation vor. Dieser will nun das Gespräch suchen.

Im Streit um acht nicht von der Stadt genehmigte Stolpersteine, die an Opfer des Nationalsozialismus erinnern sollen, gerät Kulturreferent Thomas Weitzel immer stärker in die Kritik. Weitzel habe öffentlich falsch informiert, so der Vorwurf des Initiativkreises Stolpersteine. Auch Stadtrat Otto Hutter (Linke) wirft dem Kulturreferenten eine „Verdrehung der Tatsachen“ vor. Weitzel kündigte gestern an, dass es zu den strittigen Fällen nochmals ein Gespräch mit Angehörigen und Angehörigenvertretern der Opfer geben soll.

Zwölf genehmigte Stolpersteine

Am Donnerstag verlegt der Kölner Künstler Gunter Demnig zwölf genehmigte Stolpersteine für NS-Opfer auf öffentlichen Straßen und Plätzen in Augsburg. Weitere acht beantragte Gedenksteine mit Messingschildern hat die Stadt bislang nicht genehmigt, weil diese Opfer den Zweiten Weltkrieg überlebt haben. Weitzel hatte in einem Interview mit unserer Zeitung mitgeteilt, dass der Stadtrat vergangene Woche nichtöffentlich einstimmig beschlossen habe, die städtische Klausel für den Opferbegriff nicht zu öffnen. Dem widerspricht Stadtrat Otto Hutter. „Es stimmt, dass am vergangenen Donnerstag im Stadtrat nichtöffentlich über die acht Fälle geredet worden ist. Die Behauptung aber, der Stadtrat habe beschlossen, die acht Stolpersteine abzulehnen, stimmt nicht und stellt eine Verdrehung der Tatsachen dar.“

Ausnahme für Ehrenbürgerin Pröll

Auch der Initiativkreis Stolpersteine wirft Weitzel eine falsche Information der Öffentlichkeit vor. Sprecher Thomas Hacker: „Stadträte versicherten mir, dass darüber überhaupt nicht abgestimmt wurde. Weitzel suggeriert, irgendjemand würde sich nicht an Stadtratsbeschlüsse halten.“ Hacker pocht darauf, dass der vom Stadt beschlossene „Augsburger Weg“ für Stolpersteine Ausnahmen zulasse. Danach soll in strittigen Fällen ein vom Stadtrat zu berufender Fachbeirat eine Empfehlung abgeben. Laut Hacker müsste etwa für die Augsburger Ehrenbürgerin Anna Pröll eine Ausnahme gemacht werden. „Denn wer kann ernsthaft behaupten, dass eine Anna Pröll, die ihre Jugend unter elenden Bedingungen im KZ verbringen musste, kein Opfer der Nazis gewesen sei“, fragt Hacker.

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Weitzel verweist auf AZ-Anfrage darauf, dass es einen Stadtratsbeschluss zu einem Sonderfall bei der Verlegung der Stolpersteine gegeben habe. OB Kurt Gribl habe in der Sitzung zu Protokoll gegeben, dass es im Stadtrat einen grundlegenden Konsens über die Grundstruktur, die Herangehensweise und die Ergebnisfindung besteht. „Es gab hierzu keine Gegenrede von Stadträten“, so Weitzel. Eine Abstimmung zu allen acht Fällen gab es danach aber tatsächlich nicht.

"Platzhalter" für die nicht genehmigten Fälle

Künstler Demnig hat im Streit um die Stolpersteine angekündigt, dass er am Donnerstag für die nicht genehmigten Fälle „Platzhalter“ verlegen wird. Ein solches Vorpreschen wird wohl nicht verhindert. „Wir wünschen uns als Stadt, dass es nicht zu einer konfrontativen Entwicklung kommt“, so Weitzel. Der Referent kündigte nun auch ein Gespräch des Fachbeirats mit Angehörigen und Angehörigenvertretern an. Dabei soll jeder strittige Fall nochmals behandelt werden. Das Ergebnis soll im Ältestenrat oder im Stadtrat dargestellt werden, so Weitzel. Der Initiativkreis fordert jedoch eine schriftliche Mitteilung der Stadt zu jedem abgelehnten Fall.

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Die Diskussion ist geschlossen.

04.05.2017

Das Auftreten des Kulturreferenten ist für die drittgrößte Stadt in Bayern mehr als peinlich. Mehr ist da zu nicht zu sagen.

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