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Augsburg

17.11.2017

Stoß am Bahngleis: Täter kommt frei

Ein Mann will einen anderen vor einen Zug stoßen. Warum der 30-Jährige Täter schuldunfähig ist und wie weitere Vorfälle verhindert werden sollen.
Bild: Anne Wall

Ein Mann will einen anderen vor einen Zug stoßen. Warum der 30-Jährige Täter schuldunfähig ist und wie weitere Vorfälle verhindert werden sollen.

Der Mann, der im März am Hauptbahnhof versucht hat, einen Reisenden vor den einfahrenden Zug zu stoßen, ist psychisch krank und daher schuldunfähig. Das am Freitag verkündete Urteil fiel für den angeklagten Augsburger dennoch erfreulich aus. Der 30-Jährige, seit seiner Festnahme in Kaufbeuren in der Psychiatrie untergebracht, ist wieder frei. Gestützt auf Aussagen der behandelnden Ärzte und des Gerichtsgutachters hat die 8. Strafkammer am Landgericht seine Einweisung gegen Auflagen zur Bewährung aufgehoben.

Immer wieder in die Ambulanz

Der Verurteilte, der an Wahnvorstellungen leidet, muss die nächsten fünf Jahre regelmäßig die psychiatrische Ambulanz am Augsburger Bezirkskrankenhaus aufsuchen. Ärzte sollen kontrollieren, ob er seine Medikamente einnimmt. Außerdem bekommt er einen Bewährungshelfer an die Seite gestellt. Ohne diese Medikamente, ist der Psychiater Richard Gruber sich sicher, könnte der Angeklagte im Wahn erneut Menschen umbringen wollen. Zum Prozessende sagte der Angeklagte, er werde „alles tun, damit die Krankheit wegbleibt“. Eine Krankheit, die, so Richterin Susanne Riedel-Mitterwieser, „jeden von uns über Nacht anfallen kann“. Das Gericht sah die Tat als Mordversuch. Von Mitreisenden beobachtet, hatte der Angeklagte bei Einfahrt eines ICE Anlauf genommen und einen der Wartenden in Richtung Gleisbett gestoßen. Der 33-Jährige, mit Gepäck schwer beladen, geriet ins Taumeln, verlor jedoch nicht das Gleichgewicht.

Opfer fährt mit dem Zug weg

Ohne sich um den Täter zu kümmern, war der Geschädigte in den ICE gestiegen und losgefahren. In Nürnberg wurde er von der Kripo aus dem Zug geholt und vernommen. Eine der Reisenden, auf dem Bahnsteig Zeugin des Stoßes, hatte die Polizei gerufen. Im Prozess berichtete der Angeklagte, wie sich seine Ängste vor der Tat immer mehr gesteigert hatten. Er hatte sich von Salafisten verfolgt gefühlt. Auf Drängen seiner Eltern hatte er sich im Bezirkskrankenhaus aufnehmen lassen, nahm jedoch am gleichen Tag wieder Reißaus. Als er das Opfer am Bahnsteig sah, habe er wieder Angst bekommen: Der 33-Jährige trug da noch einen langen Bart, erinnerte den Angeklagten an Salafisten. (peri)

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