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Augsburg

18.05.2020

Straßencafés und Biergärten geöffnet: So war der erste Tag

Auf dem Rathausplatz stehen längst nicht so viele Tische wie sonst. Aber die Menschen nahmen wieder gerne Platz.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Mit dem Startschuss für die Außengastronomie füllen sich Biergärten und Cafés. Die Menschen freuen sich, auch wenn die Umstände für Skepsis sorgen.

Die Männer an dem langen Tisch auf der Terrasse der Marktgaststätte am Stadtmarkt lachen. Es ist Montagmittag und sie sind gut drauf. „Zur Not lassen wir uns auch noch eine Lebenspartnerschaft eintragen, um zusammensitzen zu können“, witzeln sie. Die Ausgelassenheit liegt nicht am Bier, das vor ihnen steht. Dass Restaurants ihre Außengastronomie wieder öffnen dürfen, reicht für Fröhlichkeit.

Corona: Vorgaben stellen Augsburger Gastronomen vor Herausforderungen

Fast ist es wie immer, wären da nicht die Abstände zwischen den Tischen, die Desinfektionsmittel und die Bedienungen mit Mundschutz, die vor den Cafés und Restaurants den Gästen Plätze zuweisen. Die Gastronomen müssen viele Vorgaben einhalten. Manch einer kapituliert davor, viele sind skeptisch angesichts der Rentabilität. Trotzdem freuen sie sich, wie ihre Gäste auch.

Und immer schön den Abstand waren: Auf der Terrasse der Marktgaststätte haben es sich am Montagmittag die ersten Gäste nach Wochen bequem gemacht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Karin Brasseurs Gesicht ist von der Maske großteils verdeckt. Doch man sieht die Augen der Marktgaststätten-Wirtin lachen. „Um kurz vor neun Uhr waren schon die ersten Gäste da.“ Brasseur freut sich über ihre volle Terrasse. Wobei voll relativ ist. Nur gut die Hälfte aller Tische hat sie herausgestellt. Schließlich muss der Mindestabstand unter den Gästen von 1,5 Metern gewährleistet sein.

Straßencafés und Biergärten geöffnet: So war der erste Tag

Es werde sich zeigen, ob es sich wirtschaftlich rentiert

Viele Gastronomen halten freiwillig gleich zwei Meter Abstand zwischen den Tischen. „Die Leute rutschen mit den Stühlen doch gerne weiter heraus“, weiß Nadja Weinrich vom Café Bricks in der Maximilianstraße aus Erfahrung. Bei der Erfüllung der strengen Infektionsschutzmaßnahmen wollen die Gastronomen alles richtig machen. Wenn man schon mal aufmachen darf ...

Die Betreiber des Bricks haben mit Klebeband ein Viereck auf dem Pflaster angebracht. Es ist eine Art Schablone, um zu wissen, wie die Sitzgruppen zu stehen haben. „Acht Tische sind es. Das ist gerade mal die Hälfte von dem, was wir sonst haben“, berichtet Weinrich. Ob sich das wirtschaftlich rentiere, werde sich zeigen. „Trotzdem sind wir heilfroh, dass wieder etwas geht.“

Ein Klebeband rund um die Tische macht im Bricks deutlich, wie die Sitzgruppen zu stehen haben, damit der Abstand gewahrt bleibt.
Bild: Silvio Wyszengrad

Iris und Jana Kronthaler nutzen den ersten Tag Außengastronomie, um auf dem Rathausplatz bei Henry’s zu frühstücken. Mutter und Tochter genießen das dazugewonnene Stück Freiheit in Zeiten von Corona sichtlich. Iris Kronthaler kann den neuen Umständen sogar etwas Gutes abgewinnen. „Es ist angenehm, dass man nicht mehr Tisch an Tisch aufeinander sitzt. So ist man mehr unter sich.“

Wegen möglicher Corona-Fälle: Kontaktdaten der Gäste

Dass sie ihre Personalien angeben musste, störe sie nicht, sagt die Augsburgerin. Das ist nämlich auch eine der vielen Auflagen, die Gastronomen zu erfüllen haben. Von Gästen müssen sie die Kontaktdaten mit Name, Telefonnummer und Uhrzeit auf einer Liste registrieren. So lassen sich im Fall eines nachträglich identifizierten Covid-19-Falles unter Gästen oder Personal die Kontaktpersonen zurückermitteln, so der Gedanke des bayerischen Hygienekonzepts. Wem die Auflagen zu umständlich sind, ist Oliver Hüttenmüller. Der Wirt der Kulperhütte an der Wertach bietet weiterhin nur Getränke und Imbiss zum Mitnehmen an. Er öffnet die Toiletten. Auch die Hütte mit Essensverkauf werde in Betrieb genommen, doch der Biergarten bleibt vorerst geschlossen.

Statt des Mittagsmenüs sind auf dieser Tafel die Corona-Regeln angeschrieben – für den Fall, dass sie jemand noch nicht kennen sollte ...
Bild: Silvio Wyszengrad

Mit den örtlichen Begebenheiten sei die Durchführung der aktuellen Auflagen noch zu kompliziert, erklärt der Gastronom. Im Prinzip scheitere es daran, dass man Gäste an den Tischen platzieren muss. „Wir hätten dann drei Warteschlangen: Eine fürs Essen, eine für die Getränke und die Menschen, die darauf warten, bis sie einen Platz zugewiesen bekommen. Und währenddessen radeln noch 500 Menschen durch.“ Er befürchte, das verwirre die Gäste und könne auf Unverständnis stoßen. Um Verständnis ihrer Gäste bitten auch Andreas Kahn und Harry Winderl vom Parkgarten im Wittelsbacher Park.

Biergärten in Augsburg wieder geöffnet: Neustart im Wittelsbacher Park

„Wir fahren jetzt alles von null auf hundert hoch. Da bitten wir um Nachsicht mit dem Personal.“ Die Betreiber haben in den vergangenen Wochen viel Geld und Zeit investiert, um den Biergarten auf Vordermann zu bringen. Winderl hat den historischen Pavillon neu gestrichen, in den Bäumen hängen kleine Kristalllüster, 1300 Geranien wurden eingesetzt. In dem großen, frisch eingelassenen Teich schwimmen jetzt über 2000 Goldfische und 55 Kois.

Im "Parkgarten", dem Biergarten im Wittelsbacher Park, wurde vor der Wiedereröffnung alles auf Vordermann gebracht.
Bild: Silvio Wyszengrad

Auch im Parkgarten wurde die Anzahl der Plätze reduziert. Dafür bespielen Kahn und Winderl ab Donnerstag die Terrasse des angrenzenden KKlubs mit, pünktlich zum Vatertag. An Christi Himmelfahrt werden außerdem drei Grillhendlstationen aufgebaut. „Die Menschen sind gesättigt von Problemen. Sie wollen wieder positive Stimmung“, nimmt Harry Winderl um sich herum wahr. Das merkt man auch auf der Terrasse der Marktgaststätte am Stadtmarkt.

Und besonders an dem langen Tisch, an dem Kollegen einer Behörde in ihrer Mittagspause sitzen – natürlich auf Abstand. Einer unten ihnen, Martin May, überlegt sogar, spontan Überstunden abzubauen, den Nachmittag freizunehmen und sitzen zu bleiben. „Zur Feier des Tages“, meint er.

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