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Augsburg-stadt

24.04.2013

Straßenverkehr ist die Lärmplage Nummer 1

Ulm - Lärm - Statistik - Laut - Stadt - Städte - Ranking -Karlstraße

Heute ist Internationaler Tag gegen Lärm. An vielen Stellen wird es dennoch laut zugehen.

Wer am Klinkerberg wohnt, muss einiges aushalten. Autofahrer geben den Berg hinauf richtig Gas. Straßenbahnen quietschen, wenn sie um die Kurve biegen.

„Und wenn Lastwagen an der Ampel losfahren, vibrieren bei mir die Fensterbretter“, sagt eine geplagte Anwohnerin. Tatsächlich hat der Verkehrslärm gerade am Klinkerberg stark zugenommen. Mehr Anwohner sind davon betroffen. Das haben neue Messungen ergeben. Sie fanden im Rahmen der strategischen Lärmkartierung 2012 statt.

Lärm kann krank machen. Deshalb hat die Europäische Union schon vor Jahren Richtlinien für Ballungsräume vorgegeben. Augsburg ist bislang die einzige Großstadt in Bayern, die einen Lärmaktionsplan in Kraft gesetzt hat. Zusammen mit dem Bayerischen Landesamt für Umwelt ermittelt sie, wie sich die Belastung für Bürger entwickelt und versucht gegenzusteuern. Dieser Lärmaktionsplan von 2008 wird jetzt fortgeschrieben.

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Gegenmaßnahmen „Die größte Lärmquelle in Augsburg ist nach wie vor der Straßenverkehr“, sagen Experten vom städtischen Umweltamt. Insgesamt seien heute aber rund 2000 Menschen weniger vom Verkehrslärm betroffen als noch vor fünf Jahren, bilanziert Umweltreferent Rainer Schaal. Wirkung habe vor allem der Einbau von 12 000 Schallschutzfenstern an stark befahrenen Straßen gezeigt, darüber hinaus wurde an fünf Straßen lärmarmer Asphalt eingebaut. Die Abschnitte sind insgesamt 2,7 Kilometer lang. Gefördert wurden alle diese Maßnahmen über das Konjunkturpaket II.

Doch auch wenn es aus Sicht des Umweltreferenten Fortschritte gibt, sind in Augsburg trotz allem rund 45 000 Menschen von Lärm aus Kfz-Verkehr betroffen, der immerhin noch bei einem gemittelten Wert von 55 Dezibel liegt. „In Wohngebieten sollte dieser Wert nicht überschritten werden“, vergleicht Stefan Klein vom Umweltamt. „Das ist etwa so laut, wie wenn man dem Gespräch zweier Menschen in einem Meter Abstand zuhört.“

Rekordwert Richtig laut ist es vor allem am Klinkerberg geworden. Dort hat nicht nur der Straßenverkehr zugenommen, auf rund 11 000 Fahrzeuge täglich (2007: 9500). Es sind auch wesentlich mehr Lastwagen unterwegs. Ihr Anteil stieg auf 7,3 Prozent (2007: 2,3 Prozent). Rund 400 Anwohner mehr müssen unter diesem Lärm leiden. Warum der Verkehr gerade in dieser Straße so zugenommen hat, darüber wird bei der Stadt noch gerätselt. Das Tiefbauamt werde der Sache nachgehen, hieß es.

Empfehlungen Zuletzt hatten auch Anwohner der Haunstetter Straße sehr über Straßenlärm geklagt. Vom Umweltamt kommt der Vorschlag für eine Lösung: Eine Reduzierung der zulässigen Höchstgeschwindigkeit von 60 auf 50 Stundenkilometer würde „eine deutlich spürbare Lärmentlastung bringen“, sagt Klein. Entschieden sei aber noch nichts. Ähnliche Entlastungseffekte könnte eine nächtliche Tempo-30-Regelung für Anwohner an den großen Straßen rund um den umgebauten Königsplatz bringen, sagen die Experten. Dazu gebe es Überlegungen, aber ebenfalls noch keine Entscheidung.

Zwar belastet inzwischen auch der Straßenbahnverkehr mehr Menschen mit Lärm. Der Bau der Tramlinie 6 wirkt sich auf knapp 12 000 Anlieger aus. Insgesamt empfehlen die Experten aber, dass der Schwerpunkt der Lärmaktionsplanung weiterhin beim Straßenverkehr liegen soll. Denn davon seien mit Abstand die meisten Bürger betroffen.

Perspektive Ein weiteres Ziel der Planer ist, im hektischen Großstadtgetriebe ruhige Orte zu erhalten. In München wurde ein Konzept erstellt, um solche Gebiete zu besser schützen. In Augsburg soll das der nächste Schritt der Lärmaktionsplanung sein. Ruhige Parks und andere öffentliche Oasen der Ruhe sollen ermittelt und dauerhaft geschützt werden. „Der Hofgarten wäre ein Paradebeispiel“, sagt Klein.

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