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Augsburg

17.03.2014

Streit um Handyverbot in der Schule: Lässt sich dieser Konflikt lösen?

Seit 2006 gibt es ein Handyverbot an allen bayerischen Schulen.
Bild: Hosch

Mobiltelefone an bayerischen Schulen sind seit 2006 offiziell verboten. Trotzdem gehören sie für die Jugendlichen zum Alltag. Wie lässt sich dieser Konflikt lösen?

Handys und Smartphones gehören für junge Menschen zum Alltag. Sie hören damit Musik, chatten, spielen, surfen im Internet. Das sorgt in der Schule für reichlich Konfliktstoff.

Seit 2006 gilt eigentlich ein Handyverbot an bayerischen Schulen

Fakt ist: Seit 2006 gibt es ein Handyverbot an allen bayerischen Schulen. Fakt ist aber auch: Kaum ein Schüler hält sich daran. „Das ist doch wie Kaugummikauen, das ist auch verboten“, sagt ein Zwölftklässler. Die meisten Schüler hätten ihr Handy auf lautlos gestellt und seien den ganzen Tag online. Was früher die Zettelchen unter der Bank waren, sind heute SMS und Chat. Mit dem Unterschied, dass man mit dem Handy auch über Klassengrenzen hinaus kommunizieren kann. Und wenn es im Unterricht langweilig wird, geht schon mal ein Spielchen unter der Bank. Fürs Spicken geht man mit dem Smartphone auf die Toilette.

Schulen wissen sich bei dem Handyproblem zu helfen

Die Schulen wehren sich auf ihre Weise. „Da gibt es ganz unterschiedliche pädagogische Lösungen“, sagt der Leiter des Staatlichen Schulamtes, Gerhard Nickmann. Manche Lehrer sammeln die Mobiltelefone vor dem Unterricht ein, andere konfiszierten die Geräte nur, wenn sie im Unterricht störten. „Kinder neigen dazu, zu kommunizieren und das gehört nun mal nicht in den Unterricht“, sagt der Pädagoge.

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Am Hochzoller Rudolf-Diesel-Gymnasium ziehen die Lehrer störende Mobiltelefone konsequent ein und geben sie auch nur „nach einem pädagogischen Gespräch“ an die Erziehungsberechtigten wieder heraus, sagt der Schulleiter Herbert Hofmann. „Das ist aber kein Problem und hat sich bei uns über die Jahre so eingespielt“, sagt er.

„Die Handys haben ganz neue Konflikte zwischen Eltern, Lehrer und Schülern hervorgerufen“, klagt dagegen eine Lehrerin an der Bertolt-Brecht-Realschule (Beethovenviertel). Viele Eltern seien geradezu erbost, wenn sie die Geräte ihrer Kinder persönlich in Empfang nehmen sollen. Und trotz des Verbots komme es immer wieder vor, dass Schüler heimlich den Unterricht oder ihre Kameraden filmen und dann ins Internet stellen. Das Problem von Cybermobbing sei nach wie vor relevant.

Aufklärung zu Cybermobbing verspricht mehr Erfolg als Verbote

Um dem Cybermobbing, also dem öffentlichen Bloßstellen im Internet, Herr zu werden, gibt es an vielen Augsburger Schulen Veranstaltungen zur Medienkompetenz. Dabei gehe es nicht nur um das Verhalten in der Schule, sagt Schulleiter Edmund Kraus von der Albert-Einstein-Mittelschule. Vieles entstehe in der Freizeit und werde dann in der Schule fortgesetzt. An der Haunstetter Schule setzt man deshalb, wie auch an vielen anderen Bildungseinrichtungen, auf externe Fachleute, beispielsweise von der Polizei, die den Schülern in regelmäßigen Veranstaltungen die Folgen ihres Handelns deutlich machen sollen.

Auch Jo Graue von der Medienstelle der Stadt Augsburg setzt auf Aufklärung. Verbote bringen dagegen nach seiner Erfahrung nur Unfrieden. Der Medienfachmann glaubt, dass an den Schulen ein Umdenken stattfindet. „Handys werden nicht mehr generell als etwas Schlechtes angesehen.“ Wenn es zum Unterricht passt, würden die Alleskönner mittlerweile gerne eingesetzt – um zu recherchieren, aber auch beispielsweise, um Filme zu drehen.

Eltern wollen, dass ihre Kinder jederzeit erreichbar sind

Und dann gibt es noch die Eltern, die größten Wert darauf legen, dass ihre Kinder das Handy jederzeit dabei haben. „Ein Vater hat mir verboten, seinem Sprössling das Telefon abzunehmen, weil er ihn sonst nicht mehr über GPS orten kann“, wundert sich die Lehrerin von der Bertolt-Brecht-Schule.

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