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Prozess in Augsburg

09.03.2021

Student prügelt auf Krankenschwester in Uniklinik Augsburg ein

Eine Attacke eines Eindringlings in der Notaufnahme der Uniklinik Augsburg zu Corona-Zeiten wurde nun vor Gericht verhandelt.
Foto: Marcus Merk (Symbolbild)

Plus Ein Jura-Student drang zu Corona-Zeiten in die Uniklinik Augsburg ein und attackierte eine Krankenschwester. Der Fall landete vor dem Amtsgericht Augsburg.

Mitte Oktober 2020, als die Zahlen der mit Corona infizierten Patienten gerade wieder anstiegen, mussten Ärzte, Pfleger und Krankenschwestern im Uniklinikum bis an die Leistungsgrenze zupacken. Alle Abteilungen waren personell ausgelastet, auch die Notaufnahme. Große Empörung löste deshalb die Attacke eines jungen Mannes aus, der eine 45-jährige Krankenschwester mit der Faust ins Gesicht und gegen die Rippen schlug, so dass sie stark benommen zu Boden stürzte. Jetzt musste sich der Heranwachsende vor Jugendrichterin Sandra Dumberger verantworten.

An jenem Oktobertag hatte sich die Verlobte des angeklagten Jurastudenten mit Alkohol so betrunken, dass sie als Notfall mit einer Vergiftung ins Klinikum gebracht werden musste. Die junge Frau wurde in einer Kabine der Notaufnahme von einem Arzt untersucht. In diesem Augenblick stürmte der Angeklagte herein, stürzte sich auf seine Freundin und rief „Wie geht es Dir?“. Die Krankenschwester bugsierte den Eindringling nach draußen, der in Corona-Zeiten ohnedies keinen Zutritt bekommen hätte. Die 45-Jährige als Zeugin: "Urplötzlich schlug er mir die Faust ins Gesicht. Dann spürte ich noch einen Schlag gegen die Rippen, so dass ich zu Boden ging und erst gar nicht wusste, was los war.“

Sie erlitt Prellungen am Jochbein und an den Rippen, war zwei Wochen arbeitsunfähig geschrieben. Tagelang habe sie starke Schmerzen gehabt. Weil aufgrund von Corona Personalmangel geherrscht habe, sei sie nach neun Tagen wieder zum Dienst erschienen. „Es ist ein irrsinniger Aufwand, in dieser Zeit jemanden zu ersetzen“, sagte die Krankenschwester. Inzwischen hat sie vom Angeklagten ein Schmerzensgeld in Höhe von 1000 Euro erhalten.

Prozess in Augsburg: Angeklagter räumt ein, Krankenschwester geschlagen zu haben

Der Angeklagte selbst räumte einen Schlag ein, an den zweiten könne er sich nicht mehr erinnern. „Ich war in einer Ausnahmesituation. Ich wollte wissen, wie es meiner damaligen Verlobten geht. Und ich bekam einfach Panik, als sich die Schwester mir in den Weg stellte“, begründete der Student seinen Ausraster, den er nun sehr bedauere.

Staatsanwalt Philip Kramer sprach in seinem Plädoyer von einer „erschreckenden Tat“. Die Krankenschwester habe ja schließlich der Frau helfen wollen. Er forderte als Sanktion nach dem Jugendstrafrecht eine Woche Dauerarrest, Hilfsdienste und Beratungsgespräche. Verteidiger Marcel Didié wies auf die Stresssituation seines Mandanten hin, auf den Täter-Opfer-Ausgleich durch Zahlung des Schmerzensgeldes und hielt Beratungsgespräche bei der „Brücke“ für ausreichend. Nicht so Jugendrichterin Sandra Dumberger: „Mit Gesprächen allein ist es nicht getan. Jemand, der nur helfen wollte, ohne Grund und ohne Vorwarnung niederzustrecken, ist ein unmögliches Verhalten." Sie verurteilte den Studenten wegen Körperverletzung zu zwei Freizeitarresten und fünf Beratungsgesprächen.

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09.03.2021

Statt zwei lächerlichen Wochenenden Freizeitarrest wäre wohl ein Monat unentgeltlicher Dienst auf einer Pflegestation in den Semesterferien pädagogisch lehrreicher gewesen.
Der leider abgeschaffte Zivildienst hat mich persönlich in 15 Monaten sehr viel Respekt, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Nächstenliebe gelehrt. Daran mangelt es der selbstoptimierten, auf Leistung getrimmten Generation G8 bisweilen sehr.

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09.03.2021

>> Sie verurteilte den Studenten wegen Körperverletzung zu zwei Freizeitarresten und fünf Beratungsgesprächen. <<

Damit der Jura-Student gleich kapiert, wie liberal Deutschland bei Gewaltstraftaten ist...

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09.03.2021

Jetzt seien Sie doch nicht so. Schließlich studiert er das Jura. Spezialgebiet Fausrecht.

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