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Analyse

08.11.2019

Studie zeigt: Augsburg hat gute Zukunftschancen - aber auch Schwächen

Mit dem Innovationspark will Augsburg den Wirtschaftsstandort stärken. Eine Studie zeigt hier Nachholbedarf.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus Wo können sich Firmen in den nächsten Jahren gut entwickeln? Unter den 30 größten deutschen Städten landet Augsburg in einem Vergleich auf dem achten Platz.

Zuletzt gab es vor allem Negativ-Schlagzeilen zum Wirtschaftsstandort Augsburg. Bei mehreren großen Traditionsunternehmen stehen Jobs auf der Kippe. Teils werden – wie bei beim Leuchtenhersteller Ledvance oder bei Fuijitsu – ganze Werke abgewickelt. Experten betonten dennoch immer wieder, dass sie für den Standort keineswegs schwarz sehen. Bestätigt wird diese Zuversicht durch eine Studie des Hamburgischen Weltwirtschaftsinstituts und der Privatbank Berenberg. Sie bescheinigt der Wirtschaft in Augsburg gute Zukunftsaussichten. Es ist aber nicht alles in Butter. Die Autoren der Studie legen auch die Schwächen des Standorts offen.

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Das Gesamtergebnis: Für die Studie wurden die 30 größten Städte in Deutschland unter die Lupe genommen. Die Wissenschaftler haben unter anderem Daten zur Bevölkerungsentwicklung, zur Bildung und zu Standortfaktoren wie der Verkehrsanbindung beurteilt. Daraus leiten die Autoren ab, welche Stadt die besten Zukunftschancen hat. Augsburg landet auf Platz 8 von 30. Die Stadt macht damit im Vergleich zur Vorgänger-Studie aus dem Jahr 2017 einen deutlichen Sprung nach vorne – und liegt jetzt zehn Plätze weiter vorne. Das liegt daran, dass sich die Wirtschaftskraft der Stadt leicht verbessert hat. Bei der Bevölkerungsentwicklung gebe es sogar eine deutliche Verbesserung, so die Autoren der Studie.

Die Wirtschaftskraft in Augsburg: Die Wirtschaftskraft einer Stadt errechnen die Studienautoren aus den Einwohnerzahlen, der Zahl der Beschäftigten und der Produktivität. Hier liegt Augsburg weit vorne, auf dem vierten Rang. Besser sind nur Köln, Berlin und Leipzig. Bei den Einwohnerzahlen legte Augsburg – prozentual gesehen – so viel zu wie nur wenige andere Städte. Interessant auch: Schaut man auf die Nationalitäten, so wanderten in den vergangenen Jahren in fast allen deutschen Großstädten mehr Menschen mit deutschem Pass ab als zu. Das Bevölkerungswachstum dort speiste sich zu einem wesentlichen Teil aus dem Zuzug von Menschen mit ausländischer Staatsangehörigkeit. In Augsburg war das aber nicht so. Augsburg ist eine von nur vier Städten, in denen in den Jahren 2014 bis 2017 mehr Deutsche zugezogen sind als weggezogen.

Mit dem Innovationspark will Augsburg den Wirtschaftsstandort stärken. Eine Studie zeigt hier Nachholbedarf.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Zahl der Erwerbstätigen ist in Augsburg in diesem Zeitraum ebenfalls gestiegen – um rund drei Prozent. Allerdings, so die Autoren, habe die Stadt hier bei der „Dynamik“ eingebüßt. Das heißt, die Zahl der Beschäftigen in Augsburg wächst nicht mehr so stark wie in den Jahren zuvor – und leicht unterdurchschnittlich im Vergleich zu den anderen Städten. Hier macht sich offenbar doch der Jobabbau bei mehreren Großunternehmen bemerkbar. Fasst man die Zahlen zusammen, die derzeit im Raum stehen, so könnten bei diesen Firmen bis zum Jahr 2023 insgesamt rund 4000 Jobs verloren gehen. Richtig gut sieht es wiederum bei der Entwicklung der Produktivität aus – darunter versteht man die in Euro gemessene Wirtschaftsleistung, die ein Beschäftigter im Durchschnitt erarbeitet. In Augsburg ist diese Pro-Kopf-Produktivität im Zeitraum zwischen 2013 und 2016 um rund zwölf Prozent gestiegen. Das ist ein Spitzenwert unter den 30 größten Städten. Schaut man auf die absoluten Zahlen, hat die Stadt aber auch noch Aufholbedarf

Die Einwohnerentwicklung in Augsburg: Hier basiert die Einschätzung der Experten auf Prognosen, wie sich die Bevölkerung bis zum Jahr 2030 entwickeln wird. Beim vorhergesagten Wachstum der Einwohnerzahlen liegt Augsburg unter den Top-Fünf-Städten. Bis 2030 wird die Einwohnerzahl demnach um rund elf Prozent wachsen. Augsburg wird auch verhältnismäßig jung bleiben. Beim Bevölkerungszuwachs in der Altersgruppe der unter 20-Jährigen liegt Augsburg auf einem guten fünften Rang von 30. Erwartet wird eine Zunahme bei diesen jungen Einwohnern von rund 23,5 Prozent. Wichtig für die Wirtschaft ist auch, wie sich die Zahl der Menschen im erwerbsfähigen Alter entwickelt – dazu betrachten die Studienautoren die Zahl der Menschen zwischen 15 und 65 Jahren. Deren Zahl wird in Augsburg bis zum Jahr 2030 laut Prognose um fünf bis sechs Prozent wachsen. Damit liegt Augsburg auf Platz fünf und gehört zu jenen 13 Städten, in denen es bis dahin mehr Arbeitskräfte geben wird als heute, bei den anderen 17 Städten wird die Zahl der Arbeitskräfte wohl sinken.

Die Anbindung an den internationalen Flugverkehr ist laut Studie in Augsburg schlecht.
Bild: S. Schuldt, dpa

Die Standortfaktoren in Augsburg: Weitaus schlechter sieht es in Augsburg bei sogenannten Standortfaktoren aus, die in der Studie beleuchtet werden. Dazu gehört unter anderem das Bildungsniveau. Rund sieben Prozent der Schüler in Augsburg haben im Jahr 2017 die Schule ohne Abschluss verlassen. Damit landet die Stadt genau im Mittelfeld. Relativ niedrig ist wiederum der Anteil der Schulabgänger mit Hochschulreife – er liegt bei rund 32 Prozent. Niedriger ist er in den 30 größten deutschen Städten nur in Nürnberg. Hier zeigen sich aber auch die Unterschiede zwischen den Bundesländern bei den Bildungssystemen: Auch München schafft es hier nur auf Platz 27 im Städtevergleich. Auf einem hinteren Platz (22) landet Augsburg auch bei der Zahl der Beschäftigten, die im Bereich „Forschung und Entwicklung“ arbeiten. Das ist ein Indiz für die Innovationskraft eines Wirtschaftsstandorts. Die Stadt versucht hier mit Projekten wie dem Innovationspark gegenzusteuern – zumindest in dieser Studie schlagen sich die Anstrengungen aber noch nicht nieder. Ebenfalls Minuspunkte gibt es bei der Verkehrsanbindung – vor allem bei der Entfernung zum nächsten internationalen Flughafen. Die Augsburger müssen dafür nach München fahren. Noch schlechter angebunden ans Flugzeug ist der Studie zufolge unter den 30 größten Städten nur Kiel.

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08.11.2019

Die Studie ist an einigen Stellen sehr fragwürdig!

>> Ebenfalls Minuspunkte gibt es bei der Verkehrsanbindung – vor allem bei der Entfernung zum nächsten internationalen Flughafen. Die Augsburger müssen dafür nach München fahren. Noch schlechter angebunden ans Flugzeug ist der Studie zufolge unter den 30 größten Städten nur Kiel. <<

Z.B. ist bei diesem Punkt keine Wertigkeit der Verbindungen des erreichbaren Flughafens enthalten. Hannover oder Stuttgart bieten halt nicht das was Frankfurt oder München bieten. Auch aus dem Westen Berlins wird man eine ähnliche Zeit nach Schönefeld (=BER!) brauchen.

Augsburg zieht seine gute Plazierung stark aus der Bevölkerungsentwicklung und besserer Produktivität. Beim schwachen Punkt Level der Schulabsolventen kann man aber auch was machen.

Bemerkenswert übrigens:

>> Abbildung 4b schlüsselt dies auf und zeigt, dass insgesamt vier Städte – Leipzig, Münster, Augsburg und Karlsruhe – einen Zuwachs bei Personen mit deutscher Staatsbürgerschaft aufweisen. <<

Der Rest der 30 Städte verliert diese Einwohner.

http://www.hwwi.org/fileadmin/hwwi/Publikationen/Partnerpublikationen/Berenberg/HWWI_Berenberg_Staedteranking_2019.pdf

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