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Smartphone-Studie

15.10.2015

Studie zeigt, wie dramatisch Smartphones unser Leben verändern

Immer dabei - sogar beim Essen. Das Smartphone ist fester Bestandteil im leben vieler Menschen.
Bild: Jamie Simon/Salk Institute (dpa)

53 Mal nimmt der moderne Mensch am Tag sein Smartphone in die Hand. Welche weitreichenden Folgen das für den Alltag und die Psyche hat, hat die Uni Bonn erforscht.

Aufwachen – ein Blick aufs Smartphone. Aus dem Bad kommen – ein Blick aufs Smartphone. In der Arbeit – alle 18 Minuten ein Blick aufs Smartphone. Im Durchschnitt nehmen die Teilnehmer einer Studie der Universität Bonn 53 Mal am Tag ihr Handy in die Hand. Die Studienautoren sprechen vom „digitalen Burnout“ und warnen vor „dramatischen Folgen für unser Privatleben und die Arbeitswelt“. Auch wenn sich dieses Verhalten durch alle Altersschichten ziehe: Die 17- bis 25-Jährigen seien besonders auf ihr Handy fixiert. Insgesamt drei Stunden nutzt diese Altersschicht das Smartphone am Tag.

300.000 Studienteilnehmer luden sich die App „Menthal“ auf ihr Smartphone (ausschließlich für Android), mit der die Daten erfasst und anonymisiert an die Universität Bonn weitergeschickt wurden. In der App sieht der Benutzer auch seine eigenen Statistiken. Die Studie entstand im Rahmen einer breiten Initiative, die Methoden der Informatik mit Psycho-Wissenschaften zusammenbringen will.

Glücksspiel, Alkohol, Smartphone?

Studienleiter Alexander Markowetz sieht in den Ergebnissen eine bedenkliche Entwicklung. Er vergleicht Apps wie Whatsapp, Facebook und Co. mit Glücksspielautomaten: „Wir betätigen sie immer wieder, um uns einen kleinen Kick zu holen.“ Wie kommunizieren wir, ohne uns gegenseitig krank zu machen? Markowetz empfiehlt Vielnutzern, ihren Alltag wieder in längere Phasen ohne Unterbrechung aufzuteilen. „Wenn man mal eine Stunde erreicht, ohne auf sein Smartphone zu schauen, ist das für viele schon einmal gut“, sagt er.

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Das Thema könne man im nahen Bekanntenkreis auch einmal ansprechen. „80 Prozent der Zeit kommuniziert man mit den gleichen fünf Leuten“, sagt Markowetz. Im kleinen Kreis könne man ausmachen, dass man sich nicht ständig gegenseitig antwortet. „Das hilft viel.“

Wer das nicht schafft, der ist einer erhöhten Burnout-Gefahr ausgesetzt, sind sich die Studienautoren sicher. Wie sieht das in der Praxis aus? Psychotherapeut Michael Koch, Chefarzt der Heiligenfeld-Klinik Uffenheim (Mittelfranken), sieht in überbordendem Umgang mit Smartphones eine Sucht wie viele andere: „Im Gegensatz zum Internetsüchtigen, der stundenlang vor dem Rechner sitzt, ist diese Sucht öffentlicher.“ Koch erwartet, dass sich der Trend in den nächsten Jahren ändern wird: „Schauen Sie sich den Umgang mit Alkohol vor dreißig Jahren an. Mittlerweile hat man eine verantwortungsvollere Herangehensweise gefunden.“ Der Gesundheitstrend sei eine passende Gegenbewegung gewesen. Etwas ähnliches erwartet Koch auch für den Umgang mit Smartphones.

Ältere profitieren von Smartphone-Nutzung

Welche Auswirkungen der ständige Medienkonsum auf die Leistungsfähigkeit hat, das wollte unter anderem Mitte April eine Schulklasse in Niederbayern herausfinden. Für vier Wochen gaben 29 Schüler ihr Handy ab und klebten Computer- und Fernseherbildschirme ab. Die Ergebnisse: Die Noten der Achtklässler verbesserten sich spürbar, Ausflüge wurden unternommen, alte Spiele wiederentdeckt.

Allerdings: Die Benutzung von Smartphones hat nicht nur negative Folgen. Ältere Menschen, die sich noch viel mit Technik beschäftigen, sind geistig fitter, vermeldet das „Internationale Institut für angewandte Systemanalyse“ aus Laxenburg nahe Wien. Viele der getesteten 60-Jährigen, die sich mit Technik beschäftigen, hätten das geistige Alter von 52-Jährigen. Zudem liefere die neue Technik auch neue Reize für das Gehirn, was das Risiko vermindere, dement zu werden.

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