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Uni Augsburg

22.07.2014

Studieren im Schatten des Krieges

Nach einem Angriff der Israelis im Gazastreifen tragen Palästinenser den Körper eines Mannes davon. Mehr als 500 Menschen starben in den vergangenen Tagen bei den kriegerischen Auseinandersetzungen.
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Nach einem Angriff der Israelis im Gazastreifen tragen Palästinenser den Körper eines Mannes davon. Mehr als 500 Menschen starben in den vergangenen Tagen bei den kriegerischen Auseinandersetzungen.

Stephanie Stühler besucht einen Sommerkurs in Israel. Wie sie den Konflikt miterlebt

Es ist wie im Krieg: Mehr als 500 Menschen haben im Gazastreifen in den vergangenen Tagen ihr Leben verloren, tausende sind auf der Flucht. Die Auseinandersetzungen zwischen Israel und der radikalislamischen Hamas, die im Gazastreifen regiert, erlebt die Augsburger Studentin Stephanie Stühler vor Ort mit.

Stühler studiert im Masterstudiengang Interdisziplinäre Europastudien. Sie hält sich zwar nicht in unmittelbarer Nähe der Kampfzone auf, sondern in Nazareth, erlebt die Auswirkungen aber immer wieder. So traf sie am Freitag in einem Club einige junge Israelis, die noch einmal ausgehen wollten, bevor sie einberufen wurden. „Viele von ihnen haben den Anruf zu ihrer Einberufung erst am Vortag erhalten.“ Im Jerusalemer Hotel gab es zudem einen Raketenalarm. Die Stimmung sei unter den Gästen aber entspannt gewesen. Sie stellte zudem fest, dass bei den Israelis großes Vertrauen in „Iron Dome“ herrsche. Dabei handelt es sich um das Raketenabwehrsystem Israels. Die Hamas feuert viele Raketen Richtung Israel. Auseinandersetzungen erlebte Stühler auch am Tempelberg zwischen Muslimen und Sicherheitskräften, weil diese den Muslimen den Zugang versperrten.

Stühler absolviert gerade eine Summer School am Galilee International Management Institute. Thema ist der Nahostkonflikt. Israelische und palästinensische Dozenten, Anwälte und Politiker geben Seminare. Zudem besucht die internationale Studentengruppe Jerusalem, die Golan-Höhen, Bethlehem, jüdische Siedlungen im Westjordanland und muslimische Städte in Israel.

Studieren im Schatten des Krieges

Der Kurs sei zwar sehr informativ, dennoch seien auch die Dozenten und Teilnehmer teils voreingenommen. „Da ist es sehr wichtig, die Motive kritisch zu hinterfragen, warum jemand seine Aussage so oder so macht. Das ist nicht immer leicht.“

Die anderen Teilnehmer kommen unter anderem aus den USA, China, der Schweiz und Großbritannien. Die meisten sind Masterstudenten, es sind aber auch Professoren, Journalisten sowie Berufseinsteiger darunter.

Bei einigen Teilnehmern kämen negative Erfahrungen bei der Einreise hinzu, weil Israel „extrem“ auf Sicherheit bedacht sei, so Stühler. „Sie wurden aufgrund ihrer Religion und/oder Nationalität stundenlang bei der Einreise befragt und fühlten sich, als wären sie Verbrecher oder Terroristen.“ Auch deswegen verliefen die Diskussionen sehr kontrovers. Einzig in einem Punkt herrsche Einigkeit: „Das gegenseitige Misstrauen macht eine baldige Lösung unmöglich und die Fronten verhärten sich zusehends.“

Aufmerksam verfolgt auch Ingrid Hahn-Eisenhardt, Leiterin des International Office an der Hochschule, die Geschehnisse. Die Fakultät der Gestalter pflegt enge Kontakte nach Jerusalem. Im Wintersemester werden drei Studenten nach Israel gehen. „Wir prüfen täglich die Seite des Auswärtigen Amtes, ob es Reisewarnungen gibt, und stehen im Austausch mit der Partnerhochschule.“ Wegen der kritischen Lage musste zuletzt ein Projektaufenthalt eines Informatikers in der Ukraine abgesagt werden.

An der Universität gibt es keine Partnerschaften mit Israel oder der Ukraine. Allerdings gehen immer wieder Studenten auf eigene Faust zum Studieren in diese Länder. Uni und Hochschule geben den Studierenden vor der Abreise konkrete Verhaltenstipps, wenn sie in Staaten mit schlechterer Sicherheitslage studieren.

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