Newsticker
RKI-Chef Wieler: "Wird noch schwieriger, das Virus im Zaum zu halten"
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Sturm auf Bergeshöh’n

150 Jahre Alpenverein

21.01.2019

Sturm auf Bergeshöh’n

Marcus Pernhart: Der Großglockner von der Hohenwartscharte aus, Öl auf Leinwand, 1857
Bild: Bild: Landesmuseum Klagenfurt

Auf einer Isar-Insel steht seit 1911 das Alpine Museum. Es berichtet vom menschlichen Entdeckungsdrang

Deutlich über 6000 Museen existieren in Deutschland, darin eingeschlossen Museen zu solchen Spezialthemen wie Hut, Hygiene, Hüttenwesen. Sollte es da nicht auch einen Ort geben, der die Geschichte der Bergsteigerei, speziell in den Alpen, dokumentiert und vermittelt?

Es gibt ihn – aber er befindet sich auf keinem Gipfel, auf keiner Alm, in keinem Gebirgstal – sondern auf einer Insel mitten in München. Sein Name: Alpines Museum auf der Praterinsel in der Isar, getragen vom heuer 150 Jahre alten Deutschen Alpenverein. Wer nun jedoch mutmaßt, das Haus müsse jüngst in der Musealisierung jeglicher und sämtlicher Kulturgeschichte Deutschlands entstanden sein, der ist auf dem falschen Dampfer: Im Prinzip gibt es das Alpine Museum auf der Prater-Insel bereits seit 1911. Zwar klafft eine erhebliche Präsenz-Lücke zwischen der Kriegszerstörung 1943 und der späten Wiedereröffnung 1996, aber der Kern der Sammlung bleibt so alt wie er ist: bis zu 150 Jahre.

Wenn bundesweit die deutschen Museen alljährlich von gut 110 Millionen Besuchern gestürmt werden, dann hat das Alpine Museum davon nur einen überschaubaren, freilich qualifizierten Anteil: nämlich 15000 Besucher. Diese Zahl jedenfalls nennt Friederike Kaiser, die Museumsleiterin, die auf 25000 erhöht, wenn sie das Publikum aller Lesungen, Vorträge, Podiumsveranstaltungen mitrechnet sowie die Nutzer der im Haus integrierten Bibliothek (70000 Medien) und des Alpenverein-Archivs.

Derzeit spannt sich der Betrachtungsbogen alpiner Eroberungen im Wesentlichen zwischen der Erstbesteigung des Montblanc (1786, drei Jahre nachdem die Brüder Montgolfier in die Höhe strebten) und der Gleichschaltung des Alpenvereins durch die Nationalsozialisten, die dieselbe Losung, dasselbe Endziel für Bergsteiger wie für Soldaten ausgaben: Sturm, Kampf, Sieg.

Diese Dauerausstellung schließt allerdings mit dem Alpenvereins-Jubiläum im Frühjahr. Gerade wird eine Schau zum 150. Geburtstag konzipiert, die im Mai eröffnet werden wird und laut Friederike Kaiser (sozial-)politischer ausfallen soll. Insbesondere die NS-Zeit, die antijüdischen Ausfälle, die Leistungen der Frauen im Alpenverein sowie die jüngste „Outdoor“-Sturmwelle in den Bergen werden näherer Betrachtung unterzogen.

Die „Outdoor“-Welle steht nicht immer im Einklang mit den Naturschutz-Interessen des Alpenvereins, die schon 1877, also acht Jahre nach der Gründung, einsetzten: Damals gab es die ersten Einwände gegen Neuerschließung. Und 1927 bereits wurde der Naturschutz in die Alpenvereinssatzung aufgenommen.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren