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Augsburg

11.07.2019

Süchtigentreff in Oberhausen wird zur Dauereinrichtung

In diesen Räumen am Helmut-Haller-Platz befindet sich der Süchtigentreff. Das Projekt wird nach einer Testphase nun bis zum Jahr 2022 verlängert.
Bild: Bernd Hohlen (Archiv)

Plus Seit einem Jahr gibt es am Oberhauser Bahnhof ein Angebot für die Szene. Betreiber, Stadt und Polizei sind zufrieden. Es müssen aber noch Dinge angepackt werden.

Die Stadt zieht ein Jahr nach der Inbetriebnahme des Süchtigentreffs am Oberhauser Bahnhof eine positive Bilanz. Nachdem Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) angesichts von Bedenken von Anwohnern und auch aus Teilen der CSU zunächst nur eine zweijährige Erprobungsphase angekündigt hatte, wird das Projekt nun vorzeitig bis zum Jahr 2022 verlängert. Zudem soll das Personal um 20 Wochenstunden aufgestockt werden, vor allem um auf dem Platz selbst aktiver Probleme wie Müll und Lärm in den Griff zu bekommen.

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Über den Süchtigentreff war im Vorfeld lange gestritten worden. Bevor er in den Räumen der ehemaligen Apotheke am Bahnhofsvorplatz einziehen konnte, gab es längere Diskussionen über Standort und Notwendigkeit. Grund für die Einrichtung des Süchtigentreffs war, dass der Bahnhofsvorplatz immer stärker zum Treffpunkt von Drogensüchtigen und Alkoholikern wurde.

Der von der Drogenhilfe Schwaben und dem katholischen Sozialverband SKM betriebene Treff soll dafür sorgen, dass der Platz nicht so sehr von der Szene dominiert wird, und um parallel Süchtige besser mit Hilfsangeboten zu erreichen. „Wir glauben, dass eine Verbesserung auf dem Platz durch eine Stabilisierung der Süchtigen und das Aufzeigen von Alternativen erreicht werden kann“, so Kati Wimmer von der Drogenhilfe. Bisher gab es um die 2750 Beratungen – von der Gesundheitsvorsorge bis hin zum Aufzeigen von Wegen aus der Sucht. Der Süchtigentreff sei vor allem gut, um einen Erstkontakt mit Süchtigen herzustellen und diese dann an andere Beratungsangebote weiterzuvermitteln.

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Süchtigentreff in Oberhausen: Pro Tag kommen im Schnitt 90 Besucher

Momentan, so Wimmer, kommen täglich im Durchschnitt um die 90 Personen in den Treff. Geöffnet ist unter der Woche entweder vormittags oder nachmittags für jeweils vier Stunden. Damit erreiche die Einrichtung die Mehrheit derer, die täglich den Platz bevölkern. Ursprünglich sei man von 50 Personen täglich ausgegangen. Von Nachbarn und Passanten bekomme man überwiegend positive Resonanz. Gemeinsame Gesprächsrunden mit Anwohnern gebe es nur noch selten, da kaum Störungen auftreten. Allerdings kam es vereinzelt zu Zwischenfällen, etwa dass eine Person vom Platz in einem Privatgarten übernachtete.

Auch die Polizei sieht den Süchtigentreff grundsätzlich positiv. Im Süchtigentreff gebe es so gut wie nie Einsätze, die Zahl der Einsätze auf dem Platz wegen hilfloser Personen habe im ersten Halbjahr 2019 gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 20 Prozent abgenommen. „Das hat wohl mehrere Ursachen, aber der Treff dürfte eine von ihnen sein“, so Stefan Lanzinger, Chef des Reviers in Oberhausen. Auch die Kriminalität außerhalb von Drogendelikten sei rückläufig. Laut Lanzinger stieg aber die Zahl der Drogendelikte, was aber an mehr Kontrollen liege und daran, dass sich die Zahl der Süchtigen etwas erhöht habe.

Müll ist ein Problem

Nach wie vor gibt es aber Probleme mit Müll im Umfeld. Am Bahndamm nahe der Schumannstraße haben sich einige Süchtige eine Art Lager eingerichtet, wo wohl auch Drogen konsumiert werden. Der Süchtigentreff habe sich bewährt und sei eine gute Einrichtung, aber das Umweltreferat sei gefordert, dort häufiger zu reinigen und Gehölz zurückzuschneiden. „Man darf gar nicht daran denken, dass ein Kind dort sich an einer Drogenspritze stechen könnte“, so Stadtrat Peter Schwab (CSU). Mit mehr Sauberkeit steige die Akzeptanz bei den Anwohnern. Man müsse die Situation der Süchtigen sehen, dürfe aber die Lage der Nachbarn nicht vergessen. Auch der Oberhauser SPD-Stadtrat Dieter Benkhard schloss sich dem an.

Aus Sicht von Wurm hat sich das Gesamtkonzept für den Helmut-Haller-Platz bewährt. Der Süchtigentreff sei nicht das Allheilmit-tel, aber der entscheidende Stein, der ins Rollen gebracht werden musste. Neben dem Süchtigentreff gibt es Veranstaltungen, um das Image des Platzes zu verbessern und für eine Durchmischung zu sorgen, etwa die „Kleine Friedenstafel“. Somit werde der Platz für alle Bevölkerungsschichten nutzbar. Am Samstag, 21. Juli, steht der Aktionstag „Bring den Haller auf den Platz“ an, bei dem es um den Namensgeber, den Augsburger Fußballer Helmut Haller, gehen soll.

Anfang August will die Stadt zudem mit allen Menschen vor Ort ins Gespräch kommen, um bei einem dreitägigen „Baukulturcamp“ Grundlagen für ein Nutzungskonzept für den Platz zu erarbeiten. Dieses soll später Grundlage für eine bauliche Umgestaltung sein.

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