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Bild: Michael Hochgemuth
Bild: Michael Hochgemuth

Seit dem Beginn der türkischen Angriffe in Syrien wird in Augsburg immer wieder gegen die Militäroffensive demonstriert.

Augsburg
06.11.2019

Syrien-Krieg: Facebook-Beiträge des Imams sorgen für Wirbel

Von Stefanie Schoene

Plus Nicht zum ersten Mal bedienten türkische Moscheebeamte die Propagandamaschine Erdogans. Kirchen, Stadt und Integrationsbeirat glauben weiter an den Dialog.

Orhan Sahin, der seit November 2018 aus der Türkei in die Augsburger Katzenstadel-Moschee entsandt ist, begleitete den türkischen Angriff auf Nordsyrien auf Facebook: "Dieser Sturm ist die türkische Armee. Sie stirbt auf deinen Wunsch, oh Herr", "Schenk dieser ruhmreichen Armee, deren türkische Nation das Banner des Islam seit tausend Jahren trägt, den Sieg", "Halte jene auf, die es auf unseren Stolz und unser Vaterland abgesehen haben." Bis zur Nachfrage unserer Redaktion versendete der Geistliche innerhalb von einer Woche sieben Facebook-Mitteilungen ähnlichen Inhalts.

Einzelmeinungen versus Meinungen der Gemeinde

Was sagen die Dialogpartner Stadt und Kirchen dazu? Die Katzenstadel-Moschee, die zum Dachverband Ditib gehört, ist seit 2018 Mitglied am Runden Tisch der Religionen. Diesen verantwortet das Kulturreferat. Oberbürgermeister Kurt Gribl und Kulturreferent Thomas Weitzel erklären auf Anfrage, der Runde Tisch verurteile Gewaltverherrlichungen. Zu unterscheiden sei jedoch, "ob es sich um Äußerungen eines Einzelnen oder der ganzen Gemeinde handelt". Der Facebook-Account des Imams zeigt, dass er ihn kaum privat, sondern vielmehr beruflich nutzt und Veranstaltungen von Ditib sowie der Moschee bewirbt.

Der katholische Stadtdekan Helmut Haug findet die Distanzierung, die der Vereinsvorsitzende der Moschee, Abuzer Korkut, im Nachgang ihm gegenüber äußerte, glaubwürdig. Sein evangelischer Kollege Michael Thoma antwortet auf Nachfrage, "intensive Gespräche" seien geführt worden, "um zur Wahrung unserer gemeinsamen Grundwerteordnung beizutragen."

Die Ditib-Zentrale in Köln betont, sie habe keine Siegesgebete angeordnet. Darauf weist auch Aykan Inan hin, der Landesverantwortlicher für Ditib Südbayern. Darüber hinaus verbittet er sich jedoch Einmischungen der Presse in die "internen Angelegenheiten einer Religionsgemeinschaft". Auf seine Anordnung hin versendet Korkut eine vorformulierte Erklärung. Dort heißt es: "Behauptungen, in unserer Gemeinde würde für den Sieg der türkischen Armee in Syrien gebetet, sind falsch. Ein Gebet oder eine andere Aktion über eine Militäroperation wurde in unserer Gemeinde weder durchgeführt, noch geplant." Der Imam habe erklärt, seine Postings seien "missverständlich" gewesen und sie bedauert.

Eklat im Integrationsbeirat

Im Integrationsbeirat jedoch kam es zu einem Eklat. Fünf Mitglieder, unter ihnen zwei mit syrischer und aramäischer Herkunft, forderten eine Debatte über den Geistlichen. Schließlich legten sie einen eigenen Vorschlag für eine Stellungnahme vor, die unserer Redaktion vorliegt. Diese äußert sich besorgt über den langfristigen Einfluss des Imams auf Kinder und Jugendliche. Die offizielle Stellungnahme des Vorstands hingegen geht nicht auf die konkreten Ereignisse ein, wendet sich nur gegen jede Polarisierung. Im Beirat sitzt neben einem aktiven Mitglied des Ditib-Verbandes Südbayern auch der bayerische Vorsitzende der erdogannahen Migrantenpartei Bündnis für Innovation und Gerechtigkeit (BIG), die den Angriff öffentlich unterstützt hat.

Mitglied Husain Mahmoud, der selbst aus Syrien stammt, erklärt das Gremium zum "Schönwetterbeirat" und erwägt seinen Austritt: "Wir schaffen es nicht, uns in einer echten Kriegssituation, die viele in Augsburg betrifft, eindeutig zu positionieren", sagt er enttäuscht.

Lesen Sie dazu auch den Kommentar von Stefanie Schoene: Facebook-Beiträge sorgen für Diskussionen: Der Imam ist nicht irgendjemand

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