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Augsburg

12.06.2014

Szene-Wirt Harry Winderl sitzt mit Jaguar in Italien fest

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2 Bilder
Zwangsurlaub am Strand: Gastronom Harry Winderl („Thorbräu-Keller“) wurde in Italien vom Auto im Stich gelassen.

Szene-Wirt Harry Winderl ist mit einem 44 Jahre alten Jaguar nach Süditalien gefahren. Dort sitzt er jetzt schon seit Ende Mai fest. Im Interview erzählt er, was passiert ist.

Herr Winderl, Sie sitzen seit Ende Mai in Süditalien fest. Was ist los?

An meinem 44 Jahre alten Jaguar ist die Wasserpumpe kaputt. Erst waren es nur ein paar Tropfen Wasser, dann ging nichts mehr. Und jetzt sitze ich seit 13 Tagen hier unten fest. Nirgends auf der Welt lässt sich so eine Wasserpumpe auftreiben. Es gibt sie einfach nicht.

Wie kommt man darauf, mit einem Jahrzehnte alten Oldtimer bis nach Süditalien zu fahren?

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Meine Eltern haben vor 50 Jahren ihren ersten Urlaub auf Ischia verbracht. Ich habe mit ihnen diesen Urlaub noch einmal gemacht. Dafür habe ich das Auto gekauft. Meine Eltern sind mit dem Flugzeug zurück nach Deutschland. Ich wollte noch zwei, drei Tage hier in Porto Cesareo verbringen. Das liegt am Absatz des italienischen Stiefels.

Wie ist das Wetter bei Ihnen?

Ich schaue gerade auf’s Meer. Wir haben 28 Grad, eine leichte Brise, angenehmes Wasser.

Mann kann sich Schlimmeres vorstellen, als dort zu stranden...

Es ist ein traumhafter Ort. Aber ich müsste schon längst wieder zurück in Augsburg sein. Es stehen mehrere Projekte an. Außerdem wollen wir die Fußball-WM im Thorbräu-Keller zeigen. Ich kann nicht Urlaub machen. Ich arbeite von hier aus jeden Tag fünf bis sechs Stunden. Morgens lese ich online die Augsburger Allgemeine, dazu drei Espresso, dann kommt die Arbeit und nachmittags geht’s noch ans Meer.

Es kann doch nicht so schwierig sein, eine Wasserpumpe aufzutreiben.

Doch, das ist es. Erst hieß es in der Werkstatt, das Ersatzteil kommt in vier Tagen. Dann noch mal vier Tage. Dann hatte ich Kontakt mit einer Werkstatt in Deutschland, die das Ding nachbauen wollte. Ich wollte mir die Pumpe schicken lassen. Doch das geht jetzt auch nicht, sie können es doch nicht bauen. Ihnen fehlt eine Maschine. Es gibt hier in Apulien ein passendes Sprichwort dazu: morgen, spätestens übermorgen – oder nie.

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Ja. Und es ist Wahnsinn, wie viele sich auf die Suche nach einer Wasserpumpe gemacht haben – in Belgien, in den USA, in England. Manche glauben auch, ich erzähle hier irgend ein Märchen. Aber es ist so. Ich sitze hier fest.

Kennt man Sie und Ihren roten Jaguar schon im Ort?

Ja, ich kenne die Leute, sie grüßen mich und wollen auch mal wissen, wie es jetzt eigentlich um das Auto steht.

Wäre es es nicht reizvoll, einfach dort zu bleiben?

Das ist verführerisch. Aber ich muss zurück. Ich habe versprochen, dass ich am Samstag im Thorbräu-Keller hinter der Theke stehe.

Und das wird klappen?

Eine Wasserpumpe bekomme ich bis dahin nicht. Ich werde die „rote Lady“ erst mal hier lassen müssen. Der Plan ist: Ich steige am Freitagmorgen in den Zug und komme 34 Stunden später in Augsburg an. Gerade noch rechtzeitig. Aber wie soll ich die 127 Flaschen Wein mitnehmen? Und die 20 Kilo Pasta? Die werden wohl auch erst mal hier unten bleiben müssen.

Und wie geht es dann weiter?

Ich nehme die Pumpe mit, dann geht sie von Augsburg aus per Express nach Holland, dort wird sie überholt und acht Tage später fahre ich mit dem Zug und der Pumpe wieder runter nach Porto Cesareo. Auf dem Rückweg schaue ich vielleicht in Monza vorbei. Da habe ich ein interessantes Coupé entdeckt.

Hoffentlich funktioniert bei diesem Auto die Wasserpumpe...

Das hoffe ich auch.

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