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Augsburg-Stadt

08.05.2014

Tandern, Delhi, Augsburg

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Hauptdarstellerin Kati (Anna Maria Sturm) sucht in Indien nach ihrer Freundin Jo. Dafür lässt sie im heimischen Bayern ihre Prüfungen an der Uni sausen. Jo befindet sich aber zu dem Zeitpunkt schon wieder im Örtchen Tandern.
Bild: Volker Petters

Regisseur Marcus H. Rosenmüller beschert dem Fim-Festival mit seinem Film „Beste Chance“ einen traumhaften Start. Um die finanziellen Mittel dafür musste er aber kämpfen.

Sechs Jahre sind vergangen. Im beschaulichen Dörfchen Tandern im Landkreis Dachau hat sich nicht viel verändert – im Leben von Kati dagegen eine ganz Menge. Regisseur Marcus H. Rosenmüller wollte die Geschichte der jungen Frau, ihrer Freundin Jo, den Eltern und dem Freundeskreis nach zwei Filmen unbedingt weitererzählen. „Dann wurden aus vier Jahren Pause plötzlich fünf und irgendwann wurde es mit der Finanzierung schwierig.“

Doch der erfolgreiche Regisseur konnte seine Finanzgeber, wie etwa den Bayerischen Rundfunk, ein weiteres Mal von einer Fortsetzung überzeugen und präsentierte am Dienstagabend zur Eröffnung der Augsburger Filmtage den Rohschnitt des dritten Teils „Beste Chance“ vor zwei vollen Kinosälen und einem restlos begeisterten Publikum. Dass der Kinofilm mit einem minimalen Budget auskommen musste, merkten die Zuschauer nicht. Nur 29 Drehtage standen dem sympathischen Regisseur und seiner Mannschaft zur Verfügung: nicht viel für einen Kinofilm, der sowohl in Oberbayern als auch in Indien spielt. Eine Herausforderung für Rosenmüller und seine Crew – beinahe jeder Handgriff musste aufs erste Mal sitzen, falls eine Einspielung nicht umzusetzen war, wurde sofort umgeplant. Zeit für große Experimente blieb dem Team nicht.

„Ein Stunt aus einem Zug konnte auf die Schnelle nicht realisiert werden. Im Film kullern jetzt die beiden Väter von Kati und Jo, die ihre Töchter ebenfalls in Indien suchen, einfach die Böschung hinunter“, so Rosenmüller. Lustig ist das allemal, Stunt hin oder her. Statt drei bestellter Elefanten musste sich das Team in einer Szene mit einem Tier begnügen, Impressionen drehte der 40-Jährige wenn seine Schauspieler frei hatten.

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Aber auch unter den Voraussetzungen hat Rosenmüller einmal mehr ein absolut in sich stimmiges Werk abgeliefert. Einen Film, der einen in dem einen Moment laut loslachen lässt und im nächsten wieder verstummen, weil einem vor Augen geführt wird, dass zum Leben neben Lust auch Last gehört. Ein Film, der von den großen Bildern, die im ruhigen Tandern und im quirligen Indien entstanden sind, getragen wird.

Im dritten Teil folgt Kati, die inzwischen in München studiert, ihrer Freundin Jo nach Indien. Sie hat kein Lebenszeichen mehr von ihr erhalten und macht sich Sorgen. In Delhi macht sie sich auf die Suche, die sie über ein Ashram an den Ganges führt, es kommt auf ihrem Weg zu vielen schicksalshaften Begegnungen. Nur: Jo ist inzwischen wieder im heimischen Tandern angekommen. Sie ist schwanger, und stellt fest, dass sie ihren Ex-Freund immer noch liebt. In dem Teil geht es um Selbstfindung, Kati will herausfinden, was sie wirklich will in ihrem Leben, Jo, wohin sie gehört.

Im Thalia erntete er und Johannes Sternagel, der für das Szenenbild zuständig war, dafür tosenden Applaus. Neben zahlreichen Fans waren auch Bewohner aus Tandern zu der Premiere gekommen. Acht Wochen vor Bundesstart zeigte er den Augsburgern seinen Film. „Das habe ich noch nie gemacht, aber es ist für mich ein wertvoller Test“, sagte er. Nach dem Abspann stand fest: Test bestanden. Mit seinem Film, der am 26. Juni bundesweit anläuft, hat er Festivalleiter Franz Fischer einen traumhaften Auftakt für sein Filmfestival beschwert. „Wir sind heute überrannt worden“, sagt er sichtlich zufrieden. Bis spät in die Nacht wurde die Eröffnung im Thalia bei einem bayerisch-indischen Buffet gefeiert.

Rosenmüller beantwortete Fragen der Zuschauer, gab Autogramme und machte mit seinen Fans Fotos. „Wenn man aus Indien zurückkehrt, sieht man seine Heimat anders als zuvor. Es ist schon eine andere Welt“, erzählte er. Bereits seinen Abschlussfilm an der Hochschule für Fernsehen und Film in München hatte er in Indien gedreht. Rosenmüller: „Dort sieht man sofort, wie viel Wohlstand es in Deutschland gibt und wie wenig viele Menschen in Indien haben. Das schöne ist aber, dass die meisten Inder ihre Zufriedenheit nicht über den Wohlstand definieren.“ Und der Regisseur plauderte auch aus dem Nähkästchen. Aus der Trilogie könnte ein Vierteiler werden. Er habe bereits eine Idee für einen nächsten Teil.

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