Konsum

27.09.2013

Teilen statt Horten

Teilen ist in, nicht nur beim Obst: Forscher sehen einen neuen Trend in der Gesellschaft, in der Besitz angeblich immer unwichtiger wird.

Viele pfeifen auf Besitz. Von einer neuen Konsumform ist bereits die Rede. Auch etliche Augsburger machen mit

Man kann’s kompliziert ausdrücken und vom „Downsizing des Eigentums“ sprechen. Man kann den Menschen eine „neue Bescheidenheit“ unterstellen und sie zum „sozialinnovativen Ko-Konsumenten“ ernennen. So wie einige Wissenschaftler. Sie sprechen gar von einem neuen Megatrend.

Demnach pfeifen angeblich immer mehr Menschen auf Besitz. Sie wollen Dinge nur noch haben, wenn sie diese tatsächlich brauchen, so die These. Und deswegen wird weniger gekauft, dafür je nach Bedarf getauscht, geteilt und geliehen. Man könnte auch ganz banal von Sparsamkeit reden. Aber das klänge halt nicht so schön und wäre auch nicht neu. Wie man’s auch nennt – es ist nicht zu leugnen: Was früher über den Gartenzaun als Nachbarschaftshilfe im Kleinen praktiziert wurde, wird heute dank Internet und sozialen Netzwerken zur weltweiten Bewegung mit wohlklingendem Namen: „Sharing Economy“.

Auch Augsburg ist längst Teil dieser angeblich neuen „Konsumkultur“. Touristen mieten sich hier nicht mehr nur in Hotels und Pensionen ein. Sie ziehen zur Urlaubs-Untermiete in private Wohnungen und Häuser. In der Maxstraße teilen sich Kreative, Freiberufler oder Angestellte Büro und Kaffeemaschine, am Milchberg tun Friseurinnen gleiches mit einem Salon. Wiederum andere vermieten ihr Auto oder bieten ihre Muskelkraft im Tausch gegen Hilfe im Haushalt.

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Wissenschaftler des Lehrstuhls für Nachhaltigkeit und Politik an der Uni Lüneburg haben sich intensiv mit dieser Form des Wirtschaftens befasst – auf Bestellung des Portals Airbnb, das privat Zimmervermittlung ermöglicht. Das Ergebnis: 50 Prozent aller Deutschen sind bereits Teil dieser „Sharing Economy“. Heißt: Jeder Zweite hat Erfahrungen mit alternativen Besitz- und Konsumformen. Er hat getauscht, geliehen oder geteilt. Vor allem Junge mit höherer Bildung und gutem Einkommen sind es, so die Forscher, die Verleihsysteme, vor allem über das Internet, nutzen. Es werden immer mehr.

Diese Erfahrung hat auch Felix Greiser gemacht. Er ist so etwas wie die Avantgarde des angeblich neuen Ko-Konsumententums. Er ist Sprecher des Augsburger Tauschrings. Seit den 90er Jahren wird in der losen Gruppierung getauscht, geteilt und geliehen. Doch in den vergangenen drei Jahren habe sich etwas verändert, sagt Greiser. „Immer mehr Menschen erkennen einen Sinn darin.“ Er spricht von einem „riesigen Boom“, einem „gigantischen Wachstum“ der Tauschring-Gemeinschaft. Inzwischen machen 362 Mitglieder mit, darunter auch viele Jüngere.

Noch scheint die Sharing Economy allerdings nicht in der Lage, die Wirtschaft in ihren Grundfesten zu erschüttern. Bei der Industrie- und Handelskammer fand sich kein Experte, der sich zur vermeintlichen Konkurrenz äußern konnte. „Die Betroffenheit ist offenbar noch nicht so groß“, erklärte eine Sprecherin. Und auch die Verbraucherzentralen haben bislang kaum Erfahrung mit den Ko-Konsumenten, hieß es.

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