Newsticker

Weltärztebund-Chef: Bei 20.000 Neuinfektionen am Tag droht zweiter Lockdown
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Teilzeit-Modelle werden immer attraktiver

Augsburg

27.05.2015

Teilzeit-Modelle werden immer attraktiver

Wer hat an der Uhr gedreht? Anton Hölzle, Paula Haug und Eva-Maria Strüning (von links) gehören zu 473 Mitarbeitern der Stadtsparkasse Augsburg, die in Teilzeit tätig sind.
Bild: Ruth Plössel

Es gibt viele Gründe, warum Beschäftigte auf das Teilzeit-Modell setzen. Die Stadtsparkasse Augsburg ist ein Beispiel von vielen – mit einer Quote von fast vierzig Prozent.

Paula Haug ist Kundenberaterin in der Hauptstelle der Stadtsparkasse Augsburg, sie sagt: „Früher die Kinder, heute die Eltern – dank der Möglichkeit in Teilzeit zu arbeiten, kann ich nach wie vor Beruf und Familie unter einen Hut bringen.“ Eva-Maria Strüning arbeitet als Assistentin im Bereich Private Banking: „Dank der Stadtsparkasse hatte ich immer die Möglichkeit, als Mutter von drei Kindern in Teilzeit zu arbeiten“. Individualkundenbetreuer Anton Hölzle meint „Wir haben einen vierjährigen Sohn, in unserer Familie ist die ,klassische’ Rollenverteilung umgedreht: meine Frau arbeitet Vollzeit, ich in Teilzeit. So gelingt es uns Beruf und Familie gut zu koordinieren und zu vereinbaren.“

Die drei Mitarbeiter gehören zu den 1227 Beschäftigten der Stadtsparkasse. Paula Haug, Eva-Maria Strüning und Anton Hölzle verbindet eine Gemeinsamkeit mit 470 anderen Sparkassen-Mitarbeitern. Sie sind alle in Teilzeit tätig. Bei der Sparkasse liegt die Quote bei fast 40 Prozent. Die Lösungen sind eher individuell zugeschnitten. Vorstandsvorsitzender Rolf Settelmeier sagt: „Wir bieten alle flexiblen Teilzeitmodelle an und berücksichtigen, soweit dies möglich ist, die jeweilige individuelle und persönliche Situation unserer Mitarbeiter. Die Vereinbarkeit von Beruf und Familie hat in der Stadtsparkasse einen sehr hohen Stellenwert. Bisher ist es immer gelungen, eine gute Balance zwischen Wünschen der Mitarbeiter und betrieblichen Erfordernissen zu finden.“

Teilzeitbeschäftigung erfordert Flexibilität

Allgemein ist festzustellen, dass das Beschäftigungsmodell für Unternehmen und Mitarbeiter immer attraktiver wird. Schon jetzt ist jeder Vierte Sozialversicherungsbeschäftigte in der Region ein Teilzeitarbeiter.

Bei den Wirtschaftskammern wird die Entwicklung positiv bewertet. Hauptgeschäftsführer Ulrich Wagner von der Handwerkskammer (Hwk) sagt: „Im Hinblick auf die Vereinbarkeit von Familie und Beruf stellt die Möglichkeit dieser Beschäftigungsalternative eine wichtige Komponente dar und lässt sich in unseren oftmals kleinen und mittelständischen Handwerksbetrieben sehr gut realisieren.“ Es sind vor allem Frauen, die im Handwerk die Teilzeit nutzen.

Diese Beschäftigung erfordere von Mitarbeitern, aber auch Unternehmen Flexibilität, betont Wagner: „Seit 2012 besteht die Möglichkeit einer Teilzeitausbildung im Handwerk, mit der junge – und auch nicht mehr ganz junge – Menschen, deren beruflicher Weg nicht kerzengerade verläuft, die Chance haben, ihren Lebensumständen entsprechend eine Ausbildung zu absolvieren.“ Die Teilzeitausbildungsverhältnisse sind bei Friseuren sowie bei den Fachverkäuferinnen im Lebensmittelhandwerk beliebt. Die Hwk sieht keine Branche, die sich speziell für Teilzeit eignet. „Aktuell sind die Branchen mit hohem Frauenanteil wie Friseure, Kosmetik, die Nahrungsmittelhandwerke Bäcker, Fleischer, Konditor, die Gesundheitsgewerbe wie Augenoptiker, Hörgeräteakustiker, Zahntechniker sowie die Gebäudereiniger besonders hervorzuheben“, sagt Wagner. Auch die Hwk werde als Arbeitgeber ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gerecht, so Wagner. Der Anteil der Teilzeitbeschäftigten beträgt 30 Prozent und liegt über dem Durchschnitt im Wirtschaftsraum. „Zudem beschäftigen wir eine Teilzeit-Auszubildende, die mit Erfolg und Eifer bei der Sache ist und die Möglichkeit hat, ihre Kinder zu betreuen.“

Teilzeitjob kann raschen Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen

Bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) heißt es, dass Teilzeitarbeit in der Dienstleistungsbranche weit verbreitet sei, aber auch im Gastgewerbe, im Gesundheitswesen und im öffentlichen Dienst. Es gebe auch Produktionsunternehmen mit Schichtbetrieb, die Teilzeitmodelle ermöglichen. Damit Teilzeitregelungen funktionieren seien Absprachen sowie eine gute Arbeitsorganisation wichtig. „Teilzeitarbeit lässt sich in viele flexible und familienfreundliche Arbeitszeitmodelle integrieren und ist gut geeignet, die Vereinbarkeit von Familie und Beruf zu stärken“, sagt Peter Saalfrank, Hauptgeschäftsführer der IHK. Dies gilt auch für Arbeitsplätze bei der Kammer: Von 196 Mitarbeitern arbeiten 77 in Teilzeit. Generell gilt laut Saalfrank: Teilzeit kann einen raschen Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen, zum Beispiel nach einer Geburt.

Dadurch sinken sowohl die Wiedereingliederungskosten für das Unternehmen als auch die finanziellen Einbußen für den Mitarbeiter. Ihre volle familienfreundliche Stärke spielt Teilzeit dann aus, wenn nicht nur die Länge der Arbeitszeit, sondern auch ihre Lage den persönlichen Bedürfnissen etwa mit Gleitzeit angepasst werden kann. Nicht vergessen werden sollte aber, so Saalfrank, dass mit der Zahl von Teilzeitbeschäftigten auch der organisatorische Aufwand für den Arbeitgeber wächst.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren