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Gewinnspiel-Abos

10.03.2011

Telefon-Abzocker finden immer mehr Opfer

Verbraucherzentrale warnt vor neuer Masche, mit der unseriöse Anbieter den Menschen teure Verträge unterjubeln

Die Rentnerin, die in der Verbraucherzentrale am Zeugplatz um Hilfe suchte, hatte ein Problem: 500 Euro sollte sie pro Monat für die Teilnahme an diversen Gewinnspielen bezahlen. Der Seniorin waren zuvor am Telefon offenbar kostenpflichtige Verträge untergejubelt worden, ohne dass sie das mitbekam.

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Die Verbraucherzentrale schlägt Alarm: Diese Form der Abzocke nehme zu. Mehrere 100 Fälle gehen dort pro Jahr ein. Auch bei der Kripo schätzt man die Zahl der Anrufe auf 100 bis 150 pro Jahr. „Wobei gerade bei älteren Leuten erst womöglich keiner merkt, dass Abbuchungen stattfinden“, sagt Betrugsermittler Martin Gleber von der Kripo. Dabei gehe es um Beträge zwischen 50 und 100 Euro im Monat.

Die Masche ist meist gleich: Über Telefon oder Internet wird Verbrauchern ein Vertrag für Dienstleistungen wie die Anmeldung zu Gewinnspielen untergejubelt. „Erst wird angerufen, dann abgebucht und oft monatelang abgezockt“, sagt Hans Werner Ziegler, Leiter der Augsburger Verbraucherzentrale.

Telefon-Abzocker finden immer mehr Opfer

Die Kontonummer entlockt

Meist merken die Überrumpelten gar nicht, wie ihnen geschieht. „Da wird ein vorbereiteter Text runtergelesen und man wird dazu gebracht, irgendwann auf eine Frage mit Ja zu antworten. Das wird als Einwilligung ausgelegt“, so Gleber. Er hat selber schon die Aufzeichnung eines derartigen Telefonates angehört und spricht von „geschickter Gesprächsführung“. Häufig werden den Verbrauchern auch noch ihre Bankverbindungen entlockt.

Im Internet funktioniert die Masche so, dass man auf einer Seite – etwa einem Routenplaner – einmal zu häufig klickt und prompt einen Vertrag über ein „Abo“ abgeschlossen hat, wobei dies meist bedeutet, dass man für etwas zahlt, was man auf anderen Seiten gratis bekommt.

Mittlerweile gab es auch schon Fälle, in denen Geld, einfach so, ohne vorherigen Anruf vom Konto abgebucht wird. Die Daten stammen möglicherweise aus illegalem Datenhandel. Und auch über die Telefonrechnung ziehen manche Anbieter das Geld seit Kurzem ein. „Dass dies möglich ist, verwundert nicht nur die betroffenen Verbraucher“, sagt Ziegler. Die Anbieter nutzten offenbar eine Lücke im Telekommunikationsgesetz.

In manchen Fällen ermitteln Gleber und seine Kollegen wegen Betrugs, doch manche Abzocker sind geschickt genug, nicht gegen das Strafgesetz zu verstoßen. Zivilrechtlich haben Verbraucher gute Möglichkeiten, wieder an ihr Geld zu kommen – allerdings brauchen sie dafür starke Nerven.

Die Verbraucherzentrale rät bei Abofallen, Rechnungen und die anschließende Abmahn-Flut auszusitzen. Die Anbieter würden vor allem auf Einschüchterung setzen. Den Gang vors Gericht scheuen viele. Im Fall eines Mahnbescheides vom Gericht sollte man sich beraten lassen. Wird das Geld abgebucht, kann man dieser Buchung oft widersprechen. Zudem kann einem Vertrag auch nachträglich widersprochenwerden.Die Verbrau- cherzentrale (Zeugplatz 3) bietet am Dienstag, 15. März, einen kostenlosen Beratungstag zum Thema an (14 bis 17 Uhr). Weiterer Ansprechpartner ist die Präventionsstelle der Kripo unter 0821/323-3737.

Ziegler fordert schärfere Gesetze, doch darauf reagieren die Anbieter erfahrungsgemäß einfallsreich. Die jetzige Flut an Abofallen dürfte daher kommen, dass es inzwischen strengere Regeln zu kostenpflichtigen 0900er-Nummern gibt und die Anbieter sich neue Maschen ausdenken mussten. Neueste Idee ist übrigens laut Verbraucherzentrale, dass Verbraucher Anrufe bekommen, in denen ihnen angeboten wird, sie vor derartigen Angeboten zu schützen – natürlich gegen Geld.

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