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Baader Meinhof

26.09.2008

Terror der RAF kam auch nach Augsburg

Bild: Fred Schöllhorn

Der Kinostreifen "Der Baader Meinhof Komplex" lässt die Erinnerungen an den Terror der RAF wieder wach werden - auch in Augsburg. Vor 36 Jahren war die Innenstadt zweimal Schauplatz dramatischer Ereignisse, bei denen ein Mensch erschossen wurde. Von Klaus Utzni

Von Klaus Utzni

Der Film "Der Baader Meinhof Komplex", der am Mittwoch in den Augsburger Kinos anlief, lässt auch bei vielen älteren Bürgern dieser Stadt Erinnerungen an den Terror der RAF aufkommen. Vor 36 Jahren war die Innenstadt zweimal Schauplatz dramatischer Ereignisse: Am 2. März 1972 wurde der 23-jährige Linksextremist Thomas Weisbecker aus dem Umfeld der Terrorszene vor dem Stadtwerkehaus am Hohen Weg erschossen. Zwei Monate später schlug die RAF zurück: In der Polizeidirektion am Prinzregentenplatz explodierten zwei Bomben. Wie durch ein Wunder wurde niemand getötet oder schwer verletzt.

Das zweieinhalbstündige Politdrama von Drehbuchautor Bernd Eichinger, in dem Moritz Bleibtreu (Andreas Baader) und Martina Gedeck (Ulrike Meinhof) die Hauptrollen spielen, lässt die Augsburger Geschehnisse freilich außen vor. Zu vielfältig und komplex ist der Terror-Wahnsinn der RAF, auf dessen Konto mindestens 33 Tote gehen.

Augsburg, das dokumentieren nicht nur die dramatischen Ereignisse im Jahre 1972, sondern auch später gewonnene Erkenntnisse, diente Mitgliedern der Baader-Meinhof-Bande - es war die erste Terroristen-Generation - als geheime Unterschlupf-Basis im süddeutschen Raum. So soll sich der Anführer Andreas Baader damals in einer Wohnung im Schwaben-Center versteckt haben. Auch Gudrun Ensslin hielt sich angeblich in der Fuggerstadt auf. Eine Festnahme gelang den Terror-Fahndern freilich nicht.

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Im Frühjahr 1972 allerdings war die Hoffnung der Behörden groß, namhafte Mitglieder der Baader-Meinhof-Bande in Augsburg fassen zu können. In einem unscheinbaren anonymen Mietshaus in der Georgenstraße hatten der 23-jährige Linksextremist Thomas Weisbecker aus Berlin und die Studentin Carmen Roll eine konspirative Wohnung angemietet. Ab Mitte Februar observierten Dutzende von Fahndern des Verfassungsschutzes, des Landes- und des Bundeskriminalamtes von der Sakristei einer gegenüberliegenden Kirche aus den geheimen Terroristen-Treff und warteten auf die Gelegenheit, eventuell sogar die führenden Köpfe der Bande festnehmen zu können.

Die hoch geheime Aktion endete letztlich in einem Desaster. Weil die Fahnder am 2. März 1972 glaubten, sie seien von Weisbecker und Roll bei der Verfolgung erkannt worden, kam es zu einem dramatischen Festnahmeversuch. Als Weisbecker seine durchgeladene und entsicherte Neun-Millimeter-Pistole zog, gab einer der Polizisten aus etwa zwei Metern Entfernung einen Schuss aus seiner Dienstwaffe ab. Weisbecker starb unmittelbar vor dem Stadtwerkehaus am Hohen Weg, Carmen Roll wurde wenig später festgenommen.

Die RAF schlug zurück. Als "Antwort auf die Liquidierung von Thomas Weisbecker", wie es später in einem Bekennerschreiben heißt, explodierten am Freitag, 12. Mai 1972, um 12.15 Uhr kurz hintereinander zwei mit Zeitzünder versehene Bomben im dritten Stock der damaligen Polizeidirektion am Prinzregentenplatz, einer der Sprengkörper detonierte nur wenige Meter vom Dienstzimmer des Polizeichefs August Schepp entfernt. Dabei wurde sogar die Betondecke durchschlagen. Schepp kam mit dem Schrecken davon. Zum Glück forderte der Anschlag nur ein halbes Dutzend Leichtverletzte.

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