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Augsburg

29.07.2019

Test in Augsburg: So praktisch sind E-Scooter wirklich

Test in Augsburg: Für Fahrradwege ist der E-Scooter bestens geeignet. Bei schlechten Straßenverhältnissen, insbesondere beim Kopfsteinpflaster, hört der Fahrkomfort allerdings auf.
Bild: Silvio Wyszengrad

Plus In Augsburg stehen rund 50 elektrische Roller zum Ausleihen – wenn sie nicht gerade beim Laden sind. Doch wie funktioniert das und wie fühlt sich das an? Ein Test.

Seit einem Monat sind E-Scooter auf deutschen Straßen zugelassen – und die elektrischen Tretroller werden heiß diskutiert. Die einen sprechen von klimaschonenden Verkehrsmittel der Zukunft. Andere warnen vor Unfällen und Ärger. Aber wie sicher fährt es sich denn tatsächlich mit so einem E-Scooter? Wie praktisch sind die Roller in der Innenstadt? Und wie teuer ist der Spaß?

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Wie praktisch sind E-Scooter? Test in Augsburg

Um diese Fragen zu klären, starten wir den Selbstversuch. In Augsburg gibt es rund 50 E-Scooter des schwedischen Anbieters Voi zum Ausleihen. Aktuell konzentriert sich das Unternehmen auf die Innenstadt. Einen dieser Scooter wollen wir testen.

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Entsperren

Es ist Mittag, kurz nach 12. Alle E-Scooter sind mit GPS ausgestattet und können geortet werden. Im Programm (App) von VOI werden auf dem Mobiltelefon alle verfügbaren Roller angezeigt. Anfangs war das manchmal ernüchternd, weil kaum Roller zu finden waren. Warum? Die Nachfrage war größer als erwartet, sagt ein Sprecher von Voi. Leer gefahrene Scooter werden nach Angaben von VOI üblicherweise über Nacht eingesammelt, zu einer Ladestation gebracht und dort geladen. Am nächsten Morgen sollen die Scooter wieder vollgeladen sein – das klappte nicht immer. Um Engpässe zu vermeiden, will VOI die Flotte in Augsburg kontinuierlich aufstocken. Einen genauen Zeitplan gibt es bislang aber nicht.

Wir haben im zweiten Anlauf Glück. In unmittelbarer Nähe, am Rathausplatz, stehen vier E-Scooter. Das Ausleihen funktioniert über die App von Voi am Mobiltelefon und wird Schritt für Schritt erklärt. Für die Nutzung reicht ein Klick, mit dem man bestätigt, über 18 und nicht betrunken zu sein, den Scooter nur alleine zu nutzen und nicht auf dem Gehweg zu fahren. Außerdem empfiehlt die App, einen Helm zu tragen. Pflicht ist das aber nicht. Jeder E-Scooter hat einen eigenen QR-Code, der mit dem Handy eingescannt werden muss – und dann kann‘s auch schon losgehen.

Test in Augsburg: Für Fahrradwege ist der E-Scooter bestens geeignet. Bei schlechten Straßenverhältnissen, insbesondere beim Kopfsteinpflaster, hört der Fahrkomfort allerdings auf.
Bild: Silvio Wyszengrad

Fahren

Das Fahren auf dem E-Scooter klappt denkbar einfach. Der Roller hat, ähnlich wie beim Fahrrad, eine Handbremse am Lenker, außerdem eine Fußbremse über dem Hinterrad. Am Lenker befindet sich außerdem ein kleiner Gashebel. Schon nach kurzer Zeit hat man ohne jegliche Vorerfahrung den Dreh raus und kann sogar Handzeichen geben - das ist auch nötig, denn einen Blinker oder ähnliches gibt es nicht.

Wir fahren vom Rathausplatz stadtauswärts Richtung Jakobertor. Bereits nach hundert Metern: Die erste kritische Stelle: Die Baustelle am Leonhardsberg. Einen Radweg gibt es zurzeit nicht. Der E-Scooter muss deshalb auf der Straße fahren, auf einer Fahrbahn mit Autos und Lastwagen. Auch wenn die im Praxistest mit ausreichend Sicherheitsabstand überholen, bleibt das ungute Gefühl, dass der E-Scooter als Verkehrsmittel doch recht unbekannt und womöglich für Autofahrer unberechenbar ist.

Stadtauswärts gibt es nach der Engstelle durchgehend einen Fahrradweg. Die gemeinsame Nutzung des Fahrradwegs mit Radlern funktioniert problemlos – vielleicht auch, weil der E-Scooter mit einer Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h laut Hersteller mit den meisten Fahrradfahrern mithalten kann. Auch Steigungen, wie den Leonhardsberg, schafft er mühelos – bei annähernd gleichem Tempo wie auf ebener Strecke. Abgeflachte Randsteine sind ebenfalls kein Problem. Bei schlechteren Straßenverhältnissen und Schlaglöchern wird das Fahren allerdings unangenehm. Spätestens beim Kopfsteinpflaster in der Altstadt kommt der Roller an seine Grenzen. Die Pflastersteine schütteln den Fahrer richtig durch.

E-Scooter-Test in Augsburg: Wie praktisch sind die Roller wirklich?

Eine vollständige Ladung reicht laut Voi für etwa 30 Kilometer. Im Selbstversuch fahren wir etwa 600 Meter aus der vom Anbieter vorgegebenen Zone heraus. Konsequenzen gibt es nicht – weder in der App noch am Roller selbst. Nur Abstellen wäre dort nicht möglich.

Um die Fahrt zu beenden, kann man den E-Scooter einfach an einer beliebigen Stelle in der Innenstadt abstellen und die Fahrt in der App stoppen.

Kosten

Anschließend wird bezahlt. Das Freischalten des E-Scooters kostet pro Fahrt einen Euro. Pro Minute kommen dann 15 Cent dazu. Preislich sind die E-Scooter etwa mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vergleichbar. Für eine Stunde werden zehn Euro fällig. Bezahlt wird ausschließlich per Kreditkarte. Andere Möglichkeiten gibt es nicht.

Polizei

In Sachen Verkehrssicherheit gibt es im Vergleich zu anderen deutschen Städten in Augsburg bislang keine Probleme. Wie die Polizei auf Anfrage erklärt, wurde bislang lediglich ein Mann gestoppt, der mit 1,2 Promille Alkohol auf einem E-Scooter unterwegs war. Wie viele nicht wissen, gelten für E-Scooter-Fahrer dieselben Promillegrenzen wie für Autofahrer. Unfälle hat es bisher nicht gegeben.

Fazit

Der Spaßfaktor beim E-Scooter Fahren ist definitiv hoch. Die Bedienung funktioniert intuitiv, nach nur wenigen Minuten sind auch eventuelle anfängliche Unsicherheiten ausgeräumt. Auch die App ist sehr nutzerfreundlich gestaltet. Für Fahrradwege ist der E-Scooter bestens geeignet. Bei schlechten Straßenverhältnissen, insbesondere beim Kopfsteinpflaster, hört der Fahrkomfort allerdings auf. Größtes Problem war vor allem anfangs die mangelnde Verfügbarkeit. Das soll sich aber ändern.

Lesen Sie auch den Kommentar: E-Scooter sind eine zusätzliche Herausforderung

Lesen Sie dazu außerdem: Mehrheit der Deutschen fordert Helmpflicht auf Elektro-Tretrollern

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