Newsticker

Jeder zweite Deutsche würde sich gegen Corona impfen lassen
  1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Teures Theater Augsburg: Hat sich die Stadt übernommen?

Augsburg

25.07.2019

Teures Theater Augsburg: Hat sich die Stadt übernommen?

Die Sanierung des Augsburger Theaters wird deutlich teurer.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Sanierung des Dreispartenhauses wird zu teuer. Jetzt müssen die Pläne abgespeckt werden. Und die zweite Spielstätte wird vielleicht erst Jahre später gebaut.

Seit knapp einem Jahr hat Augsburg nun ein Staatstheater. Jahrelang hatten Stadtregierung und Theaterleitung auf diese „Adelung“ hingearbeitet – weniger wegen höherer künstlerischer Erwartungen als aus Geldnot. Ein Staatstheater, so die Hoffnung, würde aus München höher bezuschusst, die klamme Kommune damit entlastet.

Tatsächlich bezahlt der Freistaat seit dieser Spielzeit genau die Hälfte des Theater-Jahresetats von insgesamt 28 Millionen Euro. Die Stadt verringerte ihren Zuschuss so um gut drei Millionen – fürs Erste, denn irgendwann soll er sich allgemein erhöhen. Doch wie viel es auch ist, mit diesem Geld wird nur der Spielbetrieb am Laufen gehalten. Die Theaterhäuser und ihr Unterhalt fallen extra an, und für derlei Ausgaben verantwortlich ist die Stadt.

Die Theatersanierung sollte 186,3 Millionen Euro kosten

Eben dies bereitet Augsburg nun wieder Geldsorgen. Denn noch bevor aus dem Stadt- ein Staatstheater wurde, hatte die Kommune sich nach zähem Ringen für die Sanierung des in die Jahre gekommenen Theaterstandorts entschlossen. 186,3 Millionen Euro wurden veranschlagt. Dafür sollten die Hauptspielstätte saniert und ein Neubau direkt dahinter errichtet werden, in dem Verwaltung, Werkstätten, Probebühnen und eine zweite, kleine Spielstätte Platz finden. In sechs bis sieben Jahren soll die Vision Realität sein. Doch seit dieser Woche ist das nicht mehr so sicher.

Teures Theater Augsburg: Hat sich die Stadt übernommen?

Obwohl die Sanierung noch gar nicht richtig begonnen hat, zeichnet sich bereits eine massive Kostensteigerung ab: Schuld sind Baukostensteigerungen, die zwar schon beim Grundsatzbeschluss im Jahr 2016 im Raum standen, letztlich aber höher ausfielen. In den vergangenen drei Jahren betrugen sie 12,5 Prozent, was allein neun Millionen Euro ausmacht. Darüber hinaus gibt es weitere unvorhergesehene Ausgaben, zum Beispiel für die statische Sicherung von Nachbargebäuden und höhere Anforderungen beim Brandschutz.

Die Kosten allein für den Neubau liegen bei rund 92 Millionen Euro

Augsburgs Bauverwaltung erhielt die Hiobsbotschaft im April. Seitdem wird in den Amtsstuben diskutiert, gerechnet, neu geplant. Denn der Stadtrat hat sich zwar für die Sanierung des Theaters ausgesprochen, die Gesamtkosten aber gedeckelt: Knapp 73 Millionen Euro für den Neubau, weitere 113 Millionen für das Große Haus – mehr dürfe das Projekt nicht kosten, um finanzielle Einschränkungen in anderen Bereichen in Grenzen zu halten. Also musste eine neue, günstigere Planung her.

Die wurde diese Woche im Stadtrat vorgestellt, natürlich sieht sie einschneidende Änderungen vor. So sollten die Augsburger Philharmoniker im Rahmen der Sanierung einen Orchesterprobensaal an exponierter Stelle erhalten. Die Idee war, die Musiker quasi hinter Glas proben zu lassen, was Passanten auf der Straße und Besuchern des Gebäudes Einblicke in den Theaterbetrieb eröffnet hätte. Für diesen Zweck wäre ein zweiter Neubau entstanden, geplant als Solitär neben dem denkmalgeschützten Großen Haus.

In der neuen, günstigeren Variante findet sich an dieser Stelle nun die kleine Spielstätte, die als Multifunktionssaal auch freien Theatergruppen zur Verfügung stehen soll. Der Orchesterprobensaal wurde in den Neubau hinter der Hauptspielstätte zurückverlagert. Komplett gestrichen wurden ein Untergeschoss, eine Probenbühne und weitere Räume. Warum wird der Neubau für das Theater um 20 Millionen teurer?Augsburg

Ende 2018 hatte Augsburg einen Rekordschuldenstand

Über die Sanierung des Theaterstandorts war vor drei, vier Jahren in Augsburg intensiv diskutiert worden. Eine Gruppe von Sanierungskritikern strengte ein Bürgerbegehren gegen das Projekt an, scheiterte aber. Ihr Nein richtete sich nicht gegen die Notwendigkeit eines Theaters an sich, sondern gegen die Größe der Sanierung. Augsburg, so die Sorge, würde seinen finanziellen Spielraum damit über Jahre hinweg massiv einengen.

Ende 2020 wird er bei 406 Millionen Euro liegen. Und die Voraussetzungen werden schlechter: Die Gewerbesteuereinnahmen werden 2019 um 15 Millionen Euro niedriger ausfallen. Finanzreferentin Eva Weber (CSU), die nächstes Jahr Oberbürgermeisterin werden will, hat für eben dieses Jahr bereits Einschränkungen im Investitionsprogramm in Aussicht gestellt. „Möglicherweise“, wie sie betont. Doch im Moment deutet vieles darauf hin.

Mit der Eröffnung am Freitagabend kann der Spielbetrieb auf der Brechtbühne im Ofenhaus beginnen.
41 Bilder
Die ersten Bilder der neuen Brechtbühne im Ofenhaus
Bild: Michael Hochgemuth

Was das Theater betrifft, könnte deshalb noch eine andere Sanierungsvariante in den Mittelpunkt rücken: Würde die zweite Spielstätte nicht wie geplant bis zum Jahr 2025 gebaut, sondern zeitlich nach hinten geschoben, könnte dies aktuell noch einmal acht Millionen Euro sparen. Doch die Fachleute warnten im Stadtrat davor schon jetzt: Das Theater müsste dann Übergangsbühnen anmieten. Würde man die zweite Spielstätte erst in 10, 20 Jahren neu bauen, käme sie zudem wesentlich teurer als jetzt.

Wie die Diskussion in Augsburg ausgeht, ist offen. Die Politik will sich sechs bis neun Monate Zeit gönnen, um exakte Pläne auszuarbeiten. Doch selbst wenn die Kosten für den Neubau dann klarer zu beziffern sind, bleibt eine Unwägbarkeit: Fürs Große Haus wurde bislang nur ein Bruchteil der Arbeiten vergeben. Die Architekten hatten aber von Anfang an gewarnt, dass die größten baulichen Überraschungen eher von diesem denkmalgeschützten Bau ausgehen könnten...

Lesen Sie dazu auch: Theater Augsburg: Warum es kaum Alternativen gibt

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

28.07.2019

Die Reißleine ziehen.
Die Referate 4 (Bildung) und 5 ( Kultur ) zusammenlegen. Sich auf die Pflichtaufgeben wie Schulen konzentrieren, und alle freiwilligen nice to have Leistungen auf den Prüfstand stellen, ob Sie evtl. indirekte positive Wirkungen auf die Gesellschaft wie die die Jugenkulturarbeit haben, und alles andere wie das Stadttheater mit Orchester, Theatertruppe und Ballet abwickeln. Die Mitarbeiter können Lücken bei den Stadtwerken und der Betreung an Kindergärten und Schulen schließen.
Wenn ich keine Kohle habe, muß ich sparen und kann allenfalls nur noch in die Zukunft ( Bildung ) investieren, aber nicht nicht vorhandenes Geld für reinen Konsum auf den Putz hauen.
Und mein Gott. Natürlich ist das Theatergebäude denkmalgeschützt. Dann gliedert des Stadttheater in eine GmbH aus, die in die Insolvenz läuft, dann werden sich die Gläubiger um das Thema kümmern müssen. Vielleicht wird ein Kino draus gemacht ;-)

Permalink
28.07.2019

Kein vernünftiges Nahverkehrsnetz in den Westen, marode Schulen, stellenweise Straßen wie im Ostteil der Republik Anfang der 90er aber ein Theater für 200m€ sanieren. Die Stadtväter sollten sich was schämen.

Permalink
28.07.2019

ich dachte das ist jetzt ein Staatstheater ,dann übernimmt der Staat Bayern doch die Kosten.
Komisch, immer in Augsburg passt was nicht.

Permalink
27.07.2019

Halten wir die ersten Zahlen einmal fest:

186 Millionen
+ 14 Millionen für Augsburger Steuerzahler
+ 14 Millionen für Bayerische Steuerzahler
= 214 Millionen für eine Theatersanierung
+ laufenden Betrieb
+ Unterhaltung
+ sonstige Ausgaben

In Anbetracht des "Größenwahn" der Verantwortlichen in Stadt, Land und Bund plädiere ich auf eine
jährliche politische Wahl, oder zumindest die Möglichkeit der Abwahl von solchen Versagern
und der Regresspflicht gegenüber der Allgemeinheit.
In der freien Wirtschaft wären solche Entscheidungen längst Gegenstand von Gerichtsverhandlungen.

Es ist eine Unverschämtheit wie sich Politiker auf der einen Seite herauswinden und keine Notwenigkeit
zu Sanierungen von Schulgebäuden sehen, sich selbst aber als "Gönner" und "Mäzen" darstellen wollen ohne
auch nur die geringste Ahnung von nichts zu haben.
Kümmert euch um die Schulen, um Kindergärten und Kinderhorte, und nicht um eure Prestigeobjekte.
Sich der Hoffnung hingeben dass eine Strasse oder eine Kulturstätte (irgendwann) nach einem benannt werden könnte
bedeutet dass man seine eigenen egozentrischen Bedürfnisse über das Wohl der Allgemeinheit stellt.

Permalink
28.07.2019

Die Stadträte in Augsburg setzen falsche Prioritäten. Auch am HBF mit der Strassenbahn.

Permalink
28.07.2019

In der freien Wirtschaft wären solche Firmen schon längst Pleite, bzw die würden sich wahrscheinlich nicht so "verrechnen"!
Aber mit dem Geld anderer kann man beim Staat und den Kommunen ja leichtfertig umgehen. Dann sind's eben unerwartete Kostensteigerungen, bauliche "Überraschungen", usw. Das einzige was bei solchen kommunalen und staatlichen Bauvorhaben NICHT überrascht, sind die jeweiligen, regelmäßigen, enormen Kostensteigerungen!

Permalink
27.07.2019

Was heißt 'hat sich die Stadt übernommen'? Natürlich hat sie das! Aber sie wollte es so, jetzt gilt es die Suppe auszulöffeln. Man hat (auch von Seiten der AA - Herr Krog war da eine Ausnahme, die auch mal kritisch nachhakte) ein kulturelles Renommierobjekt als unverzichtbar erklärt und dafür in Kauf genommen, dass auf viele viele Jahre hinweg andere kulturelle und nichtkulturelle Projekte keine Chance auf Verwirklichung mehr haben werden. Dass die Konjunktur mal schwer einbrechen könnte und die Zinsen anziehen sind Risiken, die noch nicht mal eingepreist sind.

Natürlich wird man, wenn das sanierte Theater mal fertig sein und die Neubauten stehen werden, mächtig stolz sein, sich an die Brust klopfen und sagen: Alles richtig gemacht. Denn dann hat man ja was zum Vorzeigen. Das was alles nicht realisiert werden konnte, das ist dann schnell vergessen. Man muss eben Prioritäten setzen, auch wenn man sie sich nicht leisten kann.

Schlecht wäre es allerdings, wenn man jetzt so sehr ins Einsparen verfiele, dass das Theater schon wieder beengt wäre, nicht funktionsgerecht wäre. Das wäre dann ein wirklicher GAU wenn man so viel Geld ausgibt. Insofern...

Permalink
28.07.2019

Im Prinzip haben sie recht, Aber irgendwo gibt wes Grenzen, Und dann gehts halt nicht mehr. Wenn man richtige "Planer" hat., dann kalkuliert man "Unwägbarkeiten" mit ein, berechnet etwas großzügiger und bleibt dann entweder im Kostenrahmen oder es wir vielleicht sogar billiger. Aber das ist denen ja egal, weil meist der Steuerzahler für die Unfähigkeit der selbst ernannten Experten und Planer aufkommen muss!

Permalink
Das könnte Sie auch interessieren