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Augsburg

20.02.2015

Theater-Sanierung: Wer soll das bezahlen? Was muss die Stadt jetzt tun?

Die Sanierung des Großen Hauses wird sehr viel teurer als gedacht. Wo soll das Geld herkommen? Die Parteien haben unterschiedliche Meinungen.
Bild: Silvio Wyszengrad

Alle im Stadtrat vertretenen Gruppierungen äußern sich, wie die Sanierung des Theaters finanziell zu schultern ist. Mancher sagt, warum sie zum Scheitern verurteilt ist.

Zwei Zahlen im Vergleich: Der Umbau des Augsburger Hauptbahnhofs mit Untertunnelung ist gegenwärtig mit 181 Millionen Euro beziffert. Die Sanierung des Theaters kommt laut Kostenschätzung auf 235 Millionen Euro. Das Theater und das liebe Geld: Unsere Zeitung hat alle im Stadtrat vertretenen Parteien und Gruppierungen befragt, wie sie die Situation der Kultureinrichtung bewerten. Zwei Fragen waren es. Wer soll das bezahlen? Was muss die Stadt jetzt tun?

CSU Der Theaterstandort steht nicht infrage: „Wir gehen davon aus, dass wir viele Unterstützer ins Boot holen können, die das Theater dabei finanziell unterstützen.“ Möglicherweise könnte die Aufteilung in separate Bauabschnitte Teil einer Lösung sein, die nacheinander und je nach Ressourcen angegangen werden. Wichtig ist, dass ein eigenes Konzept erarbeitet wird, das es erlaubt, mit den Partnern in aussichtsreiche Verhandlungen über den Sanierungsplan zu treten.

SPD Neben Stadt sind Freistaat Bayern und Landkreise gefordert, Auch Bürger sollen sich daran beteiligen (Genossenschaft). Das Theater muss zukünftig ein Theater für alle Bürger aus der Region sein. Eine Grundsatzdiskussion über Funktionalität und Stellenwert des Theaters in unserer Stadtgesellschaft ist nötig.

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Grüne Das Umland ist stärker in die Pflicht zu nehmen, ein neuer Weg ist ein Bürgerspendenprojekt à la Dresdner Frauenkirche. Der Freistaat darf die drittgrößte Stadt Bayerns nicht im Stich lassen. Augsburg braucht in der Mitte der Stadt, am Kennedyplatz, ein gut funktionierendes und einladendes Theater als Ort des Gesprächs und der Begegnung für alle Bürger.

AfD Die Stadt ist in der Lage, ihren Kostenanteil zu tragen. Dazu bedarf es eines langfristigen und sehr zinsgünstigen Kredites, der über 25 bis 30 Jahre zurückgeführt wird. Die Stadtregierung muss jetzt ihre Kontakte zur Staatsregierung nutzen, um eine möglichst hohe Förderquote zu bekommen und um Unterstützung zu werben, um einen langfristigen, idealerweise zinslosen, Kredit zu erhalten. Ziel muss es sein, die Maßnahme schnell und an einem Stück durchzuziehen.

CSM 235 Millionen Euro aufzubringen, könne nur mit einem Vier-Säulen-Modell gelingen: Stadt, Freistaat, eine kreativ angelegte und zum Erfolg verurteilte Sammelaktion à la Goldener Saal, und als letzte Säule sind Stiftungen/Bezirk Schwaben/die benachbarten Landkreise für eine Beteiligung zu gewinnen. Es gilt für Akzeptanz in der Bevölkerung zu werben: „Angesichts der Tatsache, dass viele Augsburger problemlos ohne Theater auskommen und nie auch nur ein Bein in den Musentempel setzen, wird das kein einfaches Unterfangen.“

Pro Augsburg Diese Summe kann die Stadt nicht aufbringen, selbst wenn der Staat etwa 45 Prozent zuschießt. Das Projekt muss abgespeckt und zeitlich gestreckt werden. Alle Fördertöpfe anzapfen, im Haushalt langfristig durch Personaleinsparung (Verwaltung) mehr Mittel generieren, eine Fördergesellschaft gründen (Industrie, Handwerk, Augsburger Bürgertum, Mäzene), Bürgerdarlehen auflegen.

Freie Wähler Es ist die Aufgabe der Stadtregierung, ein Finanzierungskonzept vorzulegen. Dazu sei auch ein Wirtschaftsplan erforderlich. Erst wenn diese Zahlen vorliegen, könne man darüber seriöse Aussagen machen. Daher: Endlich ein Theaterkonzept erarbeiten. Dazu ein Finanzierungskonzept und einen Wirtschaftsplan vorlegen. Dann planen.

Die Linke Weil auf Römermuseum, Brecht-Literaturhaus, Gedenkstätte in der Halle 116, Wiederbelebung der Kresslesmühle, Gaswerk-Areal verzichtet werden müsste, wäre der Preis zu hoch, die Stadt kann die Gebäudesanierung nicht stemmen. Die Stadt als Ganzes – nicht zu verwechseln mit Stadtverwaltung und Stadtrat – muss sich eine Meinung bilden, was sie an Kultur braucht. Sie muss sagen, welche Projekte Priorität haben, und was notgedrungen unter den Tisch fallen muss.

ÖDP Die Stadt Augsburg kann eine Summe von 235 Millionen Euro nicht bezahlen, auch wenn ein großer Brocken vom Freistaat zugeschossen werden sollte. Regierungsparteien zurückliegender Amtsperioden seien in der Verantwortung: Sie haben über Jahrzehnte das Stadttheater „verrotten“ lassen. Ein „weiter so wie bisher“ wird es nicht geben. Die Alternative eines Staatstheaters unter Regie des Freistaates ist nicht wünschenswert, das gibt es in München bereits.

Polit-WG Wer „Romeo und Julia“ oder „Arsen und Spitzenhäubchen“ klassisch inszeniert im Theater sehen will, sollte den echten Preis solcher Aufführungen bezahlen und sich an der Sanierung finanziell beteiligen. Zuerst müsse ein neues Theaterkonzept her. Dann könne über Bau und Sanierung nachgedacht werden.

FDP Der Steuerzahler, ob Stadt und/oder Freistaat, muss zahlen. Der Nutzer, also der Theaterbesucher, kann es nie und nimmer. Es müsse ein tragbares Konzept hinsichtlich Sanierung und laufendem Betrieb auf den Tisch gelegt werden.

WSA Wie schon in der Not der Freistaat Nürnberg geholfen habe, dürfe auch Augsburg von einer berechtigten Hilfe aus München ausgehen, Stichwort Staatstheater. Die Stadtregierung müsse unverzüglich Gespräche mit dem Freistaat aufnehmen, um eine Schließung des Drei-Sparten-Theaters in Augsburg zu verhindern.

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