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Ulm

12.09.2018

Theater Ulm: Das sind die neuen Sänger

Gruppenbild mit Dame: die neuen Sänger (von links) Markus Francke, Joska Lehtinen, Maryna Zubko und Dae-Hee Shin mit Intendant Kay Metzger. Es fehlt: Luke Sinclair
Bild: Dagmar Hub

Mit dem Intendantenwechsel hat sich im Musiktheater-Ensemble einiges getan. Die Neuen kommen aus verschiedenen Nationen – und haben besondere Geschichten.

Drei Tenöre hat Kay Metzger, Intendant des Theaters Ulm, für sein Musiktheater-Ensemble neu ans Haus verpflichtet. Ursprünglich war das nicht so geplant, sagt er – doch sowohl für Donizettis Oper „Lucia di Lammermoor“ als auch für Eduard Künnekes Operette „Der Vetter aus Dingsda“ benötigt er drei Sänger dieser Stimmlage, und er ist inzwischen mit seinem neuen Ensemble „super glücklich“. Man merke bei allen, dass sie Spaß am Singen haben. „Und das ist einfach herrlich!“ Dabei – da schmunzeln Metzger und seine neuen Sänger – habe er inzwischen eigentlich „quasi fünf Tenöre“: Der Koreaner Dae-Hee Shin bewunderte stets Luciano Pavarotti, wollte als Tenor auf der Bühne stehen und war einst „total traurig“, Bariton zu sein. Er fühle sich noch heute „mental als Tenor“, sagt der Koreaner und lacht. Der Intendant fügt hinzu, dass auch einer seiner Bassisten den Charakter eines Tenors habe: Man müsse also sensibel mit ihm umgehen.

So unterschiedlich die Mitglieder von Metzgers Musiktheater-Ensembles sind: Sie freuen sich alle riesig auf den Saisonstart am Donnerstag, 27. September, auf Leos Janáceks Oper „Das schlaue Füchslein“. Und sie kommen mit den Kollegen I Chiao Shih, Maria Rosendorfsky und Martin Gäbler – den „alten Hasen“ des Musiktheaters in Ulm – bestens zurecht. „Es ist als würden sie schon lange zusammenarbeiten“, lobt Kay Metzger.

Ein Koreaner singt den "Fliegenden Holländer"

Dae-Hee Shin wurde 1971 in Seoul geboren. Er kam 1999 nach Deutschland und war seit 2003 in Meiningen verpflichtet, wo der Bariton Publikumsliebling war. „Er hat schon fast alles gesungen“, erzählt Metzger. „Außer dem ‚Fliegenden Holländer‘“. Und genau mit dieser Titelpartie wird Shin in Ulm in der aktuellen Spielzeit auf der Bühne stehen. „Ich habe erst spät mit einem Gesangsstudium begonnen“, erzählt er. „Ich habe zuvor Landwirtschaft studiert. Dann ging ich in eine Kirche – und sang bald im Kirchenchor mit.“ Nur sein Traum vom Tenor erfüllte sich nicht. Dafür nominierten ihn die Kritiker des Magazins Opernwelt 2010 als „Sänger des Jahres“.

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Ebenfalls mit einer Titelrolle – als „Lucia di Lammermoor“ – wird Maryna Zubko in Ulm auf der Bühne stehen. Metzger war beim Vorsingen vom Sopran der jungen Ukrainerin fasziniert und bat sie, diese Partie anzustimmen – was sie brillant tat. Zubko, die in Kiew, Frankfurt und Berlin studierte, machte im Juni ihr Examen. Besonders freut sie sich darüber, dass sie in Udo Zimmermanns „Weiße Rose“ die Partie der Sophie Scholl singen wird. „Das gerade in Ulm, das ist etwas ganz Besonderes für mich“, sagt sie. „Die Musik hat mich wahnsinnig bewegt.“ Ihre musikalische Ausbildung begann Zubko am Akkordeon. „In meiner Heimat galt Gesang nicht als seriöser Beruf“, berichtet sie. „Aber mein Herz brannte! Wenn ich aus dem Koloratur-Repertoire singe, dann fliege ich! Die Kehle und die Seele öffnen sich dann. Mir macht das total Spaß!“

Der finnische Tenor kam vom Glamrock zu Wagner

Der Bruder Sophie Scholls, Hans Scholl, wird in „Weiße Rose“ von Joska Lehtinen verkörpert. Der Tenor wurde im finnischen Turku geboren und ist von seinem neuen Wohnort, trotz all der Bauarbeiten, begeistert. „Ich liebe Ulm“, schwärmt er. „In Turku gibt es keine alten Gebäude, auch in Helsinki kaum.“ Sein Weg auf die Bühne ist ungewöhnlich: „Ich habe früher Glamrock gemacht“, erzählt er. „Und war unglücklich mit meiner Bariton-Stimme.“ Bis ein Musiker ihm sagte, dass er falsch singe, weil er Tenor sei. „Du musst Opernsänger werden!“ Lehtinen hörte Wagner – und entdeckte: „Das ist ja ganz toll!“ Auch Bass Erik Rousi kommt aus Finnland, doch wird er erst im November an die Donau kommen und für „Lucia di Lammermoor“ proben. Seine Rolle in „Das schlaue Füchslein“ wird Christoph Stephinger als Gast übernehmen.

Ein gefragter Interpret barocker Oratorien ist der 1970 in Freiburg geborene Markus Francke, der zwar bereits mit sieben Jahren im Kinderchor sang. „Aber das war eine selbstverständliche Sache!“, sagt er. „Ich hätte nie gedacht, dass das für mich ein Berufsziel wäre.“ Obwohl er bereits als Zwölfjähriger im Freiburger Stadttheater die Rolle einer Elfe in Benjamin Brittens „Sommernachtstraum“ sang. Nach dem Abitur begann Francke ein Physikstudium. „Das hab ich nicht lange durchgehalten, und ich wäre kein glücklicher Wissenschaftler geworden.“ Über die Musikwissenschaft kam Francke dann wieder zum Singen zurück – und zum Dirigieren. Nach der Konzerttätigkeit im In- und Ausland freut er sich jetzt auf die Ulmer Bühne.

Neu im Ensemble ist auch der Brite Luke Sinclair, der in „Das schlaue Füchslein“ alternierend als Dackel und Specht auf der Bühne stehen wird. Er kommt aus Lyon nach Ulm.

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