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Streitfall

28.01.2015

Tierschützer kritisieren Nashornhaltung in Zoos

Diese Nashornmutter mit ihrem Jungen in Uganda wird rund um die Uhr bewacht, um sie vor Wilderern zu schützen. Der Zoo Augsburg unterstützt das Hilfsprogramm für die Rhinozerosse, um ihr Überleben im Ursprungsland sichern zu helfen.
Bild: Zoo Augsburg

Organisation Endzoo fordert, mehr Geld für frei lebende Rhinos in Afrika auszugeben. Sie sind von Wilderern bedroht. Der Zoo Augsburg sammelt schon Erfahrungen mit einem Hilfsprogramm

In Südafrika werden immer mehr Nashörner von Wilderern abgeschlachtet. Allein im vergangenen Jahr sollen es über 1200 Tiere gewesen sein, 21 Prozent mehr als im Vorjahr. Das teilt die Tierschutzorganisation Endzoo mit. Sie beruft sich auf die neuesten Zahlen des südafrikanischen Umweltministeriums. Endzoo kritisiert in diesem Zusammenhang die Nashornhaltung in deutschen und österreichischen Zoos. Dort würden Steuermittel für ineffektiven Artenschutz verschwendet, anstatt wirksame Schutzprogramme für frei lebende Rhinozerosse zu finanzieren.

In Südafrika lebt heute fast der gesamte Bestand an Breitmaulnashörnern. Und gerade dort ist die Wilderei zum großen Geschäft geworden, das bestätigt auch Augsburgs Zoochefin Barbara Jantschke. Kriminelle Banden arbeiten, technisch gut ausgerüstet, mit fast industriellen Tötungsmethoden. Sie wollen möglichst viele wertvolle Hörner der Rhinozerosse erbeuten. Für ein Kilogramm bekommen sie von ihren Abnehmern umgerechnet rund 50 000 Euro. Nach Schätzungen von Experten werden frei lebende Nashörner in wenigen Jahren ausgestorben sein, wenn die Wilderei so weitergeht.

Eintrittsgelder speisen Naturschutzfonds

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Tierschützer beschuldigen die Zoos nun der „unterlassenen Hilfeleistung“ für frei lebende Nashörner in Südafrika. Diesen Vorwurf kann man in Augsburg aber nicht nachvollziehen. 2009 hat der Zoo einen eigenen Naturschutzfonds eingerichtet. Dieser wird aus einem Teil der Eintrittsgelder gespeist. Und der größte Teil der Mittel – bislang 155 000 Euro – fließt in ein Schutzprogramm für Nashörner in Uganda.

In diesem afrikanischen Land waren Rhinozerosse wegen massiver Wilderei und Bürgerkriegen schon Anfang der 1980er Jahre ausgerottet. Nun wird in einem gut bewachten Schutzgebiet etwa 170 Kilometer nördlich der Hauptstadt Kampala eine neue Gründerpopulation herangezüchtet. Später sollen die Tiere in verschiedenen Regionen des Landes wieder angesiedelt werden. Dass die südlichen Breitmaulnashörner in Uganda damit eine neue Chance zum Überleben bekommen, ist auch der finanziellen Hilfe aus Augsburg zu verdanken.

Zoochefin Jantschke hält regelmäßig Kontakt zum Reservat „Ziwa Rhino Sanctuary“. Sie war schon öfter vor Ort, um sich über Fortschritte des Programms zu informieren. Und sie sieht gute Ergebnisse. 2009 wurde zum ersten Mal seit 30 Jahren wieder ein Nashorn in Uganda geboren. Der Bestand von anfangs sechs Nashörnern hat sich inzwischen auf 15 vergrößert. Die grauen Riesen werden rund um die Uhr streng bewacht, um sie vor Wilderern zu schützen. Offensichtlich mit Erfolg. „Bisher ist noch keines der Nashörner getötet worden“, sagt Jantschke.

Die Entscheidung des Augsburger Zoos, das Schutzprogramm für Nashörner in Afrika zu unterstützen, hat gute Gründe. Sie hängt damit zusammen, dass vor einigen Jahren zwei junge weibliche Nashörner aus Afrika nach Augsburg importiert wurden. Damals gab es nicht nur positive, sondern auch kritische Reaktionen. Chris und Kibibi kamen aus einem privaten Park in Südafrika. Sie wurden geholt, um in Augsburg eine neue Zucht aufzubauen, und zwar im Rahmen des Artenerhaltungsprogramms europäischer Zoos.

Bisher hat es mit dem Nachwuchs bei den Nashörnern noch nicht geklappt. Nach einem Austausch des Männchens ist Jantschke nun aber zuversichtlich. Der neue Bulle Bantu hat sich mit den jungen Weibchen gepaart. Bei einer Tragzeit von 16 bis 18 Monaten dürfte es im Nashorngehege spätestens im Frühjahr 2016 spannend werden.

Die Organisation Endzoo kritisiert unterdessen, dass für die Nashornhaltung in Zoos, die ineffektiv für den Artenschutz sei, Steuermittel verschwendet werden. Auch das treffe in Augsburg nicht zu, sagt Jantschke. Die neue Anlage der Rhinos für 1,2 Millionen Euro, die 2008 eröffnet wurde, habe der Zoo mit eigenen Mitteln gebaut. Öffentliche Zuschüsse seien nicht geflossen. Die Stadt gibt dem Zoo als Tochtergesellschaft zwar einen jährlichen Zuschuss zu den Betriebskosten. Rund 80 Prozent seines Budgets erwirtschaftet der Zoo aber selbst. „Für unsere Baumaßnahmen gibt es keinen städtischen Zuschuss“, sagt Jantschke.

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