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Augsburg

08.12.2019

Tödliche Prügelattacke in Augsburg: Es geschah in aller Öffentlichkeit

Blumen und Kränze erinnern in der Nähe des Tatortes an den getöteten Feuerwehrmann.
Bild: Michael Hochgemuth

Nach der tödlichen Attacke auf einen Feuerwehrmann am Königsplatz in Augsburg treffen sich dort Kollegen zu einer Andacht. Das Opfer hinterlässt eine Frau und eine Tochter.

Es waren bewegende Szenen am Sonntagvormittag am Königsplatz: Mehr als 100 Beamte der Berufsfeuerwehr, Pensionisten und die Kommandanten der Freiwilligen Feuerwehren versammelten sich schweigend im Kreis, um ihres am Freitagabend bei einem Angriff tödlich verletzten 49-jährigen Kollegen zu gedenken. Der Berufsfeuerwehrmann war dort privat unterwegs.

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„Es herrscht tiefe Bestürzung und Fassungslosigkeit in unseren Reihen“, beschreibt Feuerwehrchef Andreas Graber die Stimmung. Viele der Feuerwehrleute hatten während der Andacht, bei der ein Trompetensolo geblasen wurde, Tränen in den Augen – der 49-Jährige war Mitglied der Schicht, die auch am Sonntag im Dienst war und mit ihren Einsatzfahrzeugen für die kurze Andacht aus der Feuerwache ausrückte.

Man trauere um einen Kollegen, sei in Gedanken aber vor allem bei der Familie, so Graber. Das sei die eigentliche Tragödie, unabhängig vom Beruf des Opfers. Feuerwehrleute beschrieben den Kollegen als „tollen, ruhigen Typen“. Der Feuerwehrmann aus dem Landkreis Augsburg hinterlässt neben seiner Ehefrau, die die Tat mit ansehen musste, eine 19-jährige Tochter.

Am Freitagabend ist ein Mann am Königsplatz nach einer körperlichen Auseinandersetzung gestorben. Er arbeitete bei der Augsburger Berufsfeuerwehr. Am Sonntag gedenken die Kameraden dem verstorbenen Kollegen.
Video: Michael Hochgemuth

Toter Feuerwehrmann in Augsburg: Tat löste große Bestürzung aus

Der Tod des Mannes, der wohl zur falschen Zeit am falschen Ort war, löste in der Stadt große Bestürzung aus. Oberbürgermeister Kurt Gribl (CSU) sagte, die Tat, die sich „mitten unter uns am Königsplatz“ zugetragen hat, mache fassungslos. Im Lauf des Sonntags legten zahlreiche Augsburger Kerzen und Blumen nieder.

Der 49-Jährige war am Freitagabend gegen 22.40 Uhr mit seiner Frau und einem befreundeten Ehepaar auf dem Heimweg vom Christkindlesmarkt. Am Königsplatz kam es zum Zusammentreffen mit der siebenköpfigen Gruppe junger Männer. Es entwickelte sich ein verbaler Streit. Der Anlass war am Wochenende noch unklar.

Gerüchte, wonach die beiden Männer die Jugendlichen zur Rede gestellt haben sollen, weil sie laut waren, bestätigte die Polizei zunächst nicht. Die Ehefrau des Todesopfers war bis zum Sonntag aufgrund ihrer Traumatisierung nicht vernehmungsfähig.

Toter Feuerwehrmann: Die Todesursache ist weiter unklar

Ein 17-Jähriger aus der Gruppe schlug dem 49-Jährigen laut Ermittlungen der Polizei dann gegen den Kopf, worauf dieser zu Boden stürzte. Er starb gegen 23.30 Uhr noch am Tatort im Rettungswagen, nachdem Polizisten als Ersthelfer und der Rettungsdienst sich vergeblich um sein Leben bemüht hatten. Die genaue Todesursache war am Wochenende unklar.

Der 50-jährige Begleiter des 49-Jährigen wurde von einem weiteren 17-Jährigen geschlagen und schwer im Gesicht verletzt. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter nahm die Polizei am Sonntagnachmittag fest. Sie lebten in Oberhausen. Die Polizei hat eine 20-köpfige Ermittlungsgruppe eingerichtet.

Einen Flüchtlingshintergrund haben die Tatverdächtigen nicht, allerdings haben Mitglieder der Gruppe wohl größtenteils Migrationshintergrund und sind teils in Augsburg geboren. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter sind polizeibekannt und sollen unter anderem mit Drogendelikten aufgefallen sein. Bis zum Abend nahm die Polizei vier weitere mutmaßliche Gruppenmitglieder fest, am Montag folgte die siebte Festnahme. Bei einem Festgenommenen handelt es sich um einen 19-jährigen Augsburger, der sich am Nachmittag auf Anraten seines Verteidigers Moritz Bode im Polizeipräsidium stellte. Ob diese Verdächtigen wie die beiden mutmaßlichen Haupttäter ebenfalls dem Haftrichter vorgeführt werden sollen, war zunächst unklar.

Die Tat dürfte auch eine Diskussion über die Sicherheit auf öffentlichen Plätzen anfachen. In ihrem Wahlprogramm befürwortet die CSU mehr Kameraüberwachung an neuralgischen Orten, wobei das eine Entscheidung der Polizei ist. Grundsätzlich ist es in den vergangenen Jahren im Augsburger Stadtgebiet zu mehr gefährlichen oder schweren Körperverletzungen auf Straßen und Plätzen gekommen. In früheren Jahren lag die Zahl zwischen 250 und 300 Fällen, seit 2016 liegt die Zahl über 300 (350 im vergangenen Jahr), so die Kriminalstatistik. Die Aufklärungsquoten liegen je nach Jahr etwa zwischen 70 und 85 Prozent. Bei diesen Zahlen spielen Schlägereien in der Partyszene – häufig mit Alkohol – ebenso eine Rolle wie Auseinandersetzungen unter Drogensüchtigen.

Zahl der Straftaten ist am Königsplatz in Augsburg gestiegen

Der Königsplatz ist – auch aufgrund seiner starken Frequentierung – unter den Augsburger Plätzen relativ stark belastet, was Kriminalität und sogenannte Rohheitsdelikte betrifft. Dazu zählen Taten wie Raub und Körperverletzung. Zwischen Januar und September dieses Jahres registrierte die Polizei 86 derartige Straftaten am Königsplatz, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 82 Taten. In den vergangenen Jahren schwankten die Zahlen zwischen 59 und 123 Rohheitsdelikten. Insgesamt ist die Zahl der Straftaten am Königsplatz in den vergangenen Jahren gestiegen. Speziell seit dem Jahr 2014, als der umgebaute Kö eröffnet wurde, ist der Park zum Treffpunkt von Drogen- und Alkoholabhängigen geworden. Durch das freie WLAN war der Kö zumindest in den vergangenen Jahren auch Anziehungspunkt für Flüchtlinge, die an Gewalttaten auf offener Straße überproportional beteiligt sind, auch wenn deren Anteil zuletzt wieder etwas sank.

Seit etwa einem Jahr überwacht die Polizei mit 15 Kameras den Königsplatz. Die Aufnahmen werden in Echtzeit auf Monitore übertragen, eine Rund-um-die-Uhr-Überwachung findet allerdings nicht statt. Die Aufzeichnungen werden, wenn sie nicht benötigt werden, nach zwei Wochen gelöscht. In vielen Fällen geht es bei der Nutzung der Kameradaten darum, den genauen Ablauf von Gewalttaten zu ermitteln.

In einer aktuellen Folge unseres Podcasts erklärt Reporter Stefan Krog die Hintergründe der Tat am Königsplatz – und erzählt, wie Journalisten mit dem Fall umgehen. Den Podcast "Augsburg, meine Stadt" finden Sie auf Spotify, iTunes und überall sonst, wo es Podcasts gibt.

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09.12.2019

>> Grundsätzlich ist es in den vergangenen Jahren im Augsburger Stadtgebiet zu mehr gefährlichen oder schweren Körperverletzungen auf Straßen und Plätzen gekommen. In früheren Jahren lag die Zahl zwischen 250 und 300 Fällen, seit 2016 liegt die Zahl über 300 (350 im vergangenen Jahr), so die Kriminalstatistik. <<

Die Verhärtung der Positionen resultiert auch aus dem immer wieder festzustellenden Bestreiten dieser Tatsache, indem sachwidrig auf rückläufige Zahlen über das gesamte Kriminalitätsgeschehen hinweg verwiesen wird.

Gewaltkriminalität in der Öffentlichkeit dominiert die Wahrnehmung von Kriminalität!

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08.12.2019

Was helfen Überwachungskameras? Vor laufender Kamera wurden Menschen auch schon aufs Gleis geschubst.
Was mich ärgert ist diese lächerlich nachsichtige Rechtssprechung, die Totschläger nach fünf Jahren wieder frei herumlaufen lässt, damit sie sich ihr nächstes Opfer suchen können. Wenn man so einen Typen für verdiente 20 Jahre wegsperrt hat das nichts mit Genugtuung zu tun, sondern mit dem Schutz der Bevölkerung vor extrem aggressiven Gewalttätern.

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09.12.2019

Man sollte erst einmal das Urteil abwarten. Die Regelungen zur Sicherheitsverwahrung, die genau dem Schutz vor gefährlichen Gewalttätern dient, wurden in den vergangenen 20 Jahren mehrfach verschärft.

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09.12.2019

Jugendliche haben nun mal nicht das notwendige Verantwortungsgefühl. Unsere Rechtsprechung ist in diesen Fällen sehr gut.

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09.12.2019

Richard M. : Ja klar Jugendlichen kann es schon mal passieren, dass sie jemand aus Versehen töten. Dafür sollte man sie nicht so hart bestrafen. Alles ist gut und schön, so lange es einen selbst nicht trifft.

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10.12.2019

@Gerold R.:

Treffender und zynischer hätte ich es nicht formulieren können.

Dieses Gutmenschen-Gerede, dass es doch nur arme Jugendliche sind, die nicht wussten, was sie tun, geht mir auf den Senkel!

1. Sind es keine 12-jährige Kinder gewesen, sondern sie sind fast erwachsen. Da muss ich von ihnen erwarten können, dass sie den Unterschied zwischen Recht und Unrecht kennen. Falls dies nicht der Fall ist, sollten deren Eltern ebenfalls auf die Anklagebank. Dann ist bei der Erziehung gehörig etwas schief gelaufen.

2. Sind es keine Ersttäter, sondern sie sind Intensivtäter.

Es hat schon einen Grund, warum ich für eine erhebliche Verschärfung des Jugendstrafrechts bin.

Man kann es auf einen Nenner bringen:

Hätte die Justiz in der Vergangenheit die Möglichkeit gehabt, den Jugendlichen viel früher und drastischer deren Grenzen aufzuzeigen, würde das Opfer höchstwahrscheinlich heute noch leben.

Bitte entschuldigt mich, dass sich mein Verständnis für die Jugendlichen sehr stark in Grenzen hält. Mein tiefstes Mitgefühl gilt ausschließlich den Opfern und deren Angehörigen.

Ihr dürft mich gerne dafür steinigen.

In diesem Sinne

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10.12.2019

@Athanassios L.

Volle Zustimmung. Die Täter sind Täter und nicht Opfer. Es gibt jede Menge mit gleichen sozialen Hintergrund, die nicht kriminell werden. Trauma, Frust, schlechtes Elternhaus, schlechtes soziales Umfeld rechtfertigen keine Gewalttaten. Sie begünstigen diese vielleicht, aber sehr, sehr viele die auch darunter leiden, werden nicht kriminell. Es gibt keine Freibriefe und Rechtfertigungen!

Der Augsburger Täter hatte bestimmt nicht die Absicht zu töten. Sonst wäre mehr als einmal zugeschlagen worden. Aber er ist ein polizeibekannter Intensivtäter. Für den ist Gewalt eine normale Lösung. Die Justiz muss mehr die Möglichkeit bekommen härter und auch SCHNELLER zu sanktionieren. Dies muss dann auch konsequent angewendet werden. Weiche und auch bereits SPÄTE Konsequenzen werden als Freibriefe und Duldungen der Taten wahr genommen. Die Hemmungen sinken dann immer mehr, bis es ordentlich knallt.
Siehe auch den Fall Jonny vor ein paar Jahren in Berlin. Da wurde ein Jugendlicher wirklich von mehreren tot geprügelt und nicht nur ein Schlag versetzt. Dort wurden sogar die Angehörigen des Opfers danach von den Tätern und deren Angehörigen bedroht und verhöhnt.
Mit Sozialarbeit allein kann das nicht gelöst werden. Nur Zuckerbrot ist eindeutig keine Lösung.

Mir geht es nicht um Rache - die niemand wirklich was bringt - sondern um effektiven Schutz der Bevölkerung. Egal ob mit oder ohne Migrationshintergund.
Alles wird man nie verhindern können. Egal was man auch unternimmt. Aber jedes Prozent weniger Gewalt ist ein Gewinn. Besonders für die "verschonten" Opfer und Angehörigen.

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