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Augsburg

08.01.2020

Tödlicher Unfall mit Räumfahrzeug: "Die Schaufel warf sie um"

Bei einem Unfall am Dienstagmorgen ist eine 87 Jahre alte Fußgängerin gestorben.
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Bei einem Unfall am Dienstagmorgen ist eine 87 Jahre alte Fußgängerin gestorben.
Bild: Ina Marks

Plus Tödlicher Unfall in der Nähe des Königsplatzes in Augsburg: Ein Lkw des Winterdienstes hatte dort eine 87 Jahre alte Fußgängerin erfasst. Eine Augenzeugin berichtet.

Es ist ein Unfall, der auch erfahrenen Einsatzkräften unter die Haut geht. Am Dienstagmorgen, kurz nach neun Uhr, passiert am Königsplatz an der Halderstraße/Ecke Hermanstraße das Schreckliche. Eine Fußgängerin wird von einem Fahrzeug des städtischen Winterdienstes erfasst. Die 87 Jahre alte Frau erliegt noch an der Unfallstelle ihren Verletzungen.

Tödlicher Unfall in Augsburg vor ihren Augen

Marion Zarling und ihre Tochter werden die schrecklichen Bilder wohl nicht so schnell aus ihren Köpfen bekommen. Zarling stand an dem Morgen mit ihrem Auto an der roten Ampel an der Kreuzung am Königsplatz, wo es links in die Halderstraße geht. Die 43-Jährige kam aus Richtung Göggingen. Neben ihr auf dem Beifahrersitz saß ihre 14-jährige Tochter, die an dem Tag aus gesundheitlichen Gründen nicht die Schule besuchte. Der tödliche Unfall ereignete sich direkt vor den Augen von Mutter und Tochter.

Laut Zarling zeigte die Fußgängerampel in der Halderstraße Grün. Die Autofahrerin beobachtete, wie ein Räumfahrzeug der Stadt an der Ampel stand und die Fußgänger die Straße überqueren ließ. „Die Frau ist noch später bei Grün hinübergelaufen. Sie ging ganz dicht an der Schaufel des Fahrzeugs vorbei“, schildert Marion Zarling ihre Beobachtungen. In diesem Moment sei der Fahrer losgefahren.

Tödlicher Unfall mit Räumfahrzeug: "Die Schaufel warf sie um"

„Die Schaufel des Räumfahrzeugs warf sie um. Die Frau wurde mit dem linken Vorderreifen überrollt.“ Zarling ist sich sicher: „Der Fahrer hatte sie nicht gesehen.“ Die Erzählungen der Mutter decken sich mit dem Bericht der Polizei zu dem Unfallhergang. Demnach wollte der 57-jährige Fahrer des städtischen Räumfahrzeugs von der Schaezlerstraße kommend nach rechts in die Halderstraße einbiegen. Da dort an der Ecke ein Lastwagen bei Rotlicht wartete, konnte das Räumfahrzeug nicht vollständig in die Halderstraße einbiegen und hielt an.

Der Fahrer des Räumfahrzeugs bemerkte die Fußgängerin wohl nicht

Um dem Räumfahrzeug das Abbiegen zu ermöglichen, setzte der Lkw etwas zurück. In diesem Moment schaltete die Fußgängerampel in der Halderstraße auf Grün. Der Fahrer des Räumfahrzeugs ließ die Fußgänger vor seinem Fahrzeug über die Straße. Als der 57-Jährige laut Polizei keine Passanten mehr sah, fuhr er an. Dabei übersah er die Seniorin. Nach Angaben der Polizei überquerte sie noch sehr langsam die Straße. Sie wurde von der Front des Räumfahrzeugs erfasst.

Hier ereignete sich der tödliche Unfall.
Bild: Ina Marks

Die Seniorin, die aus dem Landkreis Augsburg stammte, erlitt schwerste Verletzungen. Sie starb noch an der Unfallstelle. Dort wurde schnell ein Sichtschutz um das Opfer errichtet. „Den Menschen, die in den Straßenbahnen daran vorbei fahren, soll der Anblick erspart bleiben“, sagte der Einsatzleiter der Polizei vor Ort. Busse und Trams durften den Bereich am Königsplatz passieren. Dennoch kam es zu Verzögerungen im öffentlichen Nahverkehr.

Fahrer des Augsburger Räumfahrzeugs zunächst nicht vernehmungsfähig

Die Staatsanwaltschaft hatte einen Gutachter angefordert. Es dauerte bis 11.30 Uhr – dann war die Unfallstelle wieder freigegeben. Der Fahrer des Räumfahrzeuges war nach dem Unfall zunächst nicht vernehmungsfähig. Ein Kriseninterventionsteam kümmerte sich um ihn in einem Rettungswagen.

Beim Abfallwirtschafts- und Stadtreinigungsbetrieb Augsburg (AWS), aus dessen Flotte das Unfallfahrzeug stammte, herrschte am Dienstag tiefe Betroffenheit. „Wir sind sehr erschüttert“, meinte Umweltreferent Reiner Erben. Noch nie zuvor sei ein Fahrzeug des AWS in einen tödlichen Unfall verwickelt gewesen. Die Fahrer bekämen Modulschulungen für Sicherheit und ADAC-Sicherheitstraining. „Wir achten darauf, dass unsere Fahrer im Verkehr besonnen agieren.“ Zudem lässt die Stadt Augsburg, wie unlängst berichtet, 17 Großfahrzeuge des Tiefbauamtes und 45 des AWS mit Abbiegeassistenz-Systemen nachrüsten.

Auch das in den Unfall verwickelte Räumfahrzeug war mit dem System, das Lkw-Fahrer mit optischen und akustischen Warnungen auf Menschen im toten Winkel hinweist, ausgestattet. Allerdings nutzte die Technologie bei diesem Unfallhergang offenbar nichts. Denn die Frau hatte sich wohl nicht im toten Winkel befunden. Der Unfall ist der erste tödliche, der sich in diesem Jahr im Augsburger Stadtgebiet ereignet hat.

Zeugin: "Ich habe den Aufprall gehört"

Im Jahr 2019 sind drei Menschen bei Verkehrsunfällen ums Leben gekommen, berichtet die Polizei auf Anfrage. Im Jahr 2018 wurden vier Unfallopfer verzeichnet. 2017 waren es sieben Menschen, die bei Unfällen in der Stadt starben. Laut der aktuellen Unfallstatistik der Polizei zählt zu den Hauptunfallursachen in der Stadt Augsburg der mangelnde Sicherheitsabstand. Weitere häufige Ursachen sind Abbiegen, Wenden und Rückwärtsfahren.

Der Unfall am Dienstagmorgen an dem stark frequentierten Eck hat viele Menschen betroffen gemacht. Auch die Verkäuferin einer Bäckerei, die sich direkt an der Unfallstelle befindet. „Ich habe den Aufprall gehört. Dann sah ich die Frau da liegen“, berichtete sie. Sie habe sofort den Notruf getätigt. „Es war ein furchtbarer Anblick.“ Autofahrerin Marion Zarling erzählte, sie habe ihrer Tochter sofort die Augen zugehalten. Dann haben auch sie den Notruf getätigt. „Man sieht so etwas Schreckliches, aber es geht trotzdem nicht rein in den Verstand.“

Lesen Sie auch: Wie die Stadt Augsburg Abbiegeunfälle vermeiden will

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