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17.03.2009

Tönende Hochzeitspracht

In seiner Vielsprachigkeit spiegelte das Programm die Weltoffenheit der Renaissance: Das Latein geistlicher Musik kontrastierte mit französischem Chanson, italienische Madrigalkunst führte zu "frischen Teutschen Liedlein". Festliche Pracht tat sich auf im Konzert des Ensembles "Ars Poetica", nahm man doch, anlässlich des diesjährigen 550. Geburtstags von Jakob Fugger, Bezug auf eine 1579 erfolgte Doppelhochzeit im Hause Fugger.

Im Zentrum des Programms stand Orlando di Lasso als universelle Persönlichkeit dieser Zeit: Flame von Geburt, mit dem Herzen Italiener, der Münchener Hof als Wirkungskreis, Frankreich im Visier. Europäisch diese Dimensionen - international auch "Ars Poetica" mit Sabine Lutzenberger (Sopran), Jakob Huppmann (Altus), Oliver Fröhlich (Tenor), dem Bariton Scott Whiteley und dem Bassisten Joel Frederiksen. Das Quintett entwickelte Inspiration und Feingespür, kultivierte homogenen Klang, so dass Lassos Vokalkunst im Goldenen Saal des Augsburger Rathauses aufblühen konnte.

Die Chansons "Ce faux amour" und "Ma cour se recommande à vous" zielten auf Liebesglut, erfüllt von Sehnsucht und Schmerz. Deutlich kristallisierte sich heraus, dass Lasso die Sprache musikalisch verlebendigt, fein ausbalanciert zwischen akkordischem Klang und polyphonem Melos. Groß die Bandbreite der Affekte: Hier das appellative "alarme", rhythmische Impulse entfachend, dort schmerzerfüllte Entsagung, harmonisch verdichtet nach innen weisend.

Die Pracht und die Mystik

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Die speziell fürs Fugger-Fest komponierte Hochzeitsmesse Johann Eccards besaß Affinität zu Lehrmeister Lasso, zeigte in ihrer Mystik und Transzendenz ebenso tiefen Entfaltungsraum. Gloria und Sanctus erklangen in venezianischer Pracht, das Benedictus hatte kontemplative Züge. Lassos Hochzeitsmotette "Beati omnes" vertiefte diesen Stil, in dem die Musik ein Klanggebäude zur Ehre Gottes errichtet. Zuvor schon nahm Wolfram Oettl auf dem Cembalo in einer Intabulierung diesen Höhepunkt vorweg. Auch profane Festmusik erklang, darunter Palestrinas "Vestiva i colli" und Ludwig Senfls "Ach Elslein, liebes Elslein mein". Tänze aus Hans Neusidlers Lautenbuch appellierten zudem ans Tanzbein.

"Wein, Weib und Gesang", diese Devise galt schon immer. Die Sänger trugen eine Eloge auf den "Rebhans im Mäntelein" vor, während Ivo di Ventos "Alter Mann" gewitzt unter die Gürtellinie zielte und Gabrielis "Dionorea, vien te priego" den Verehrer als "Balzhahn" demaskierte. Lasso schloss den Kreis: Die Chansons "Bon jour mon coeur" und "Susanne un jour" prallten aufeinander: hier die Kunst der Verführung voller plaisir, dort plumpe Überrumpelung. Notabene: Das Fest dauerte drei volle Tage, über 200 Speisen wurden gereicht.

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