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Interview

18.01.2019

Tourismusdirektor: "Man muss nicht mehr erklären, wo Augsburg liegt"

Immer mehr Touristen besuchen die Fuggerstadt. Für das Jahr 2018 zeichnet sich ein neues Rekordergebnis mit über 850.000 Übernachtungen ab.
Bild: Ulrich Wagner

Seit 20 Jahren gibt es die Regio Augsburg Tourismus. Direktor Götz Beck erzählt, wie sich der Tourismus hier verändert hat und auf was man in der Zukunft baut.

Die Regio Augsburg Tourismus wurde unlängst 20 Jahre alt. Sie sind seit Anfang an dabei. Was ist der größte Erfolg der Regio in dieser Zeit?

Götz Beck: Dass Augsburg und die Region zu einer Einheit entwickelt und ausgebaut wurden. Denn am Anfang war die Situation ganz anders. Ich erinnere mich da an meinen ersten Auftritt vor sämtlichen Bürgermeistern aus dem Umland.

Was war passiert?

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Beck: Ich sollte im Kreisrat Aichach-Friedberg die Regio vorstellen und ging ans Rednerpult. Da stand schon eine Bürgermeisterin auf und sagte, wir sind dagegen. Ich war verblüfft und meinte, ich habe doch noch gar nicht angefangen. Sie erwiderte: Wenn Sie aus Augsburg kommen, dann sind wir dagegen. Ich erhielt trotzdem fünf Minuten Redezeit. In dem Moment aber wurde mir die Herausforderung richtig bewusst. Die Region war damals noch nicht zusammengewachsen.

Wie war Augsburg vor 20 Jahren im Tourismus aufgestellt?

Beck: Augsburg und die Region nutzten ihr Potenzial in keiner Weise. Dass es hier große Defizite gab, sah man beim Vergleich der Touristenzahlen mit den Zahlen anderer Städte wie Würzburg, Regensburg oder Freiburg. Augsburgs Zahlen lagen auf einem niedrigen Niveau. Bei Übernachtungen wurden vor 20 Jahren knapp 431.000 Übernachtungen in der Stadt gezählt. 2018 sind es wohl fast doppelt so viele (Genaue Zahlen liegen noch nicht vor, Anm. d. R.). Wir begannen damals, touristische Profile zu entwickeln.

Welche Profile waren das?

Beck: Die Chance Augsburgs ist seine Vielfalt. Wir wollten uns nie auf ein Thema reduzieren. Die Stadt hat die Fugger, Mozart, Luther und Brecht. Wichtig ist es, zu den Themen starke Geschichten zu erzählen und sie das ganze Jahr über erlebbar zu machen. Auf diese Profile setzen wir zusätzliche Höhepunkte, wie etwa das Luther-Jahr 2017. In diesem Jahr wird es unter anderem das 300. Geburtsjahr Leopold Mozarts sein, das Augsburg als Mozartstadt in den Blickpunkt rückt.

Was hat die Regio Augsburg Tourismus in den Jahren noch angepackt?

Beck: Augsburg war einst keine Kongressstadt. Das kam erst mit der Sanierung von Kongress am Park. Auch die Messe entwickelt sich. Damit sind inzwischen alle wichtigen touristischen Profile besetzt. On Top braucht man noch ein Imagethema, das internationale Strahlkraft hat.

Götz Beck ist Tourismuschef bei der Regio Augsburg Tourismus GmbH. Der 58-Jährige war von Anfang an bei der Regio dabei.
Bild: Silvio Wyszengrad

Vielleicht kommt das Unesco-Welterbe dazu, wenn Augsburgs Wasserwirtschaft als solches eingestuft wird ...

Beck: Das wäre sehr wichtig. Die Unesco ist eine starke Marke. Damit erreicht man eine weltweite Wahrnehmung. Gerade mit dem Wasser als Zukunftsthema könnten Augsburg und die Region ein neues wichtiges Profil gewinnen. Solche Imagethemen sind wichtig, um international bekannt zu werden.

Apropos Image: Hierfür hat der FC Augsburg mit dem Aufstieg in die Bundesliga sicherlich auch viel getan ...

Beck: Absolut. Heute muss man nicht mehr erklären, wo Augsburg liegt und dass es in der Nähe von München ist. Das ist natürlich auch ein enormer Verdienst des FC Augsburg. Mit der Bundesliga brachte er einen starken touristischen Schub. Der FCA ist das größte Zugpferd. Danach folgt das Fugger-Thema, das sich wahnsinnig entwickelt hat. Ein großer Sympathieträger ist nach wie vor die Puppenkiste. Dann aber differenzieren die Besucher schon sehr. Augsburg wird als attraktive, spannende Stadt mit vielen Sehenswürdigkeiten wahrgenommen.

Wo sehen Sie für Augsburg und die Region weiteres Entwicklungspotenzial?

Beck: Auf alle Fälle im Bereich Gesundheit. Allein mit der neuen Uniklinik kann man sich ganz anders im Tagungs- und Kongressbereich positionieren. Wir wollen Augsburg stärker als Kongress-Destination entwickeln – auch in Verbindung mit der Messe.

Gibt es aus Ihrer Sicht ausreichend Hotels in der Stadt?

Beck: Aktuell zählen wir 4600 Betten. Im Vergleich zu Freiburg mit 9000 oder Mannheim mit 8800 ist das nicht viel. Aber es sind neue Kapazitäten geplant. Im Jahr 2021 werden wir auf rund 6000 Betten kommen. Das ist dann eine Größenordnung, mit der man guten Tourismus betreiben kann.

Wie wichtig ist der Tourismus für Augsburg?

Beck: Sehr wichtig. Er wird ein enormer Wirtschaftsfaktor bleiben, von dem auch der Einzelhandel profitiert. Aber Tourismus ist weitaus mehr. Er macht eine Region attraktiver. Dadurch kommen mehr Neubürger, mehr Fachkräfte. Er hilft einer Region zu wachsen.

Es gibt immer mehr Online-Seiten und Blogs, die Freizeittipps, Restaurant- und Hotelempfehlungen in der Region geben. Wie bewerten Sie das?

Beck: Das bereitet uns keine Sorge. Das touristische Marketing hat sich grundlegend geändert. Früher lief die Kommunikation über Messen und Flyer. Heute sind es Blogs, soziale Netzwerke oder etwa Tripadvisor. Deshalb ist es für uns umso wichtiger, starke Produkte mit Geschichten zu entwickeln und den Inhalt zu verbreiten.

Lesen Sie dazu auch Geschichten über bestimmte Touristenattraktionen in Augsburg:

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