1. Startseite
  2. Lokales (Augsburg)
  3. Tränen, Dramen und die Liebe

Operngala

07.12.2015

Tränen, Dramen und die Liebe

Der mallorquinische Dirigent José María Moreno stand am Pult der Augsburger Philharmoniker. Auf dem Bild bedankt sich die Sopranistin Antje Bitterlich bei ihm. Nicht nur die Solistin, auch das Publikum war angetan von der Operngala im Großen Haus.
Bild: Peter Fastl

Im Theater Augsburg bescherten die Philharmoniker durch die Zusammenarbeit mit dem Festival Música Mallorca ihrem Publikum ein Ereignis: „Viva l’opera!“

Vokale und instrumentale Juwelen der französischen und italienischen Oper sorgten im bestens besuchten Theater Augsburg für Hochstimmung. Schon zum dritten Mal waren die Augsburger Philharmoniker und Ensemble-Mitglieder im Oktober zu Gast beim Festival Música Mallorca, das sie umjubelt unter dem neuen GMD Domonkos Héja im Teatre Principal von Palma eröffnen durften. Wieder profitierte das Augsburger Publikum von der verdienstvollen Öffnung des Theaters „nach außen“: Im Gegenzug gastierten internationale Solisten unter dem mallorquinischen Dirigenten José María Moreno bei den Philharmonikern.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

Dieser Inhalt ist älter als 30 Tage und steht daher nur Abonnenten mit einem Plus+ Abo zur Verfügung.
Jetzt ab 0,99 € testen

Eine Auswahl absoluter Höhepunkte von Verdi, Gounod, Delibes, Bizet und Donizetti messte vor der Pause das Spektrum menschlicher Leidenschaften durch: Tränen, Dramen und die Liebe. Sozusagen komprimiert wurde dies danach zusammengeführt, als eine Parade der wichtigsten Szenen aus Bizets „Carmen“ sämtliche Solisten zum Einsatz kommen ließ.

Deren beeindruckende Qualitäten konnte im ersten Teil in Soli und Duetten separat bestaunt werden. Die Ouvertüre zu Verdis Jugendoper „Un giorno di regno“ leitete ein: Dirigent Moreno brachte das Orchester mit den spritzigen Passagen sofort in Schwung. Verdis dramatischer Ernst folgte sogleich in einem seiner großen musikalisch-psychologisch modellierten Duette, dem Treueschwur Carlo/Rodrigo aus „Don Carlo“, vom einzigen hauseigenen Sänger Ji-Woon Kim in der Titelrolle und Bariton Gary Martin klangmächtig zelebriert. Beide ergänzten sich mit schönem Pathos auch in Bizets „Perlenfischer“-Duett „Au fond du temple saint“ .

ecsImgBannerNewsletter250x370@2x-1315723864673274678.jpg

Glanzvollen Belcanto machte Sopranistin Antje Bitterlich zum Erlebnis. Was sie in Delibes’ „Glöckchen-Arie“ aus „Lakmé“ mit den exotischen Klangvaleurs an virtuoser Koloratur-Leichtigkeit bot, einschließlich der bis zum dreigestrichenen e reichenden Spitzentöne, riss das Publikum hin. Nicht weniger beeindruckte die Wahnsinnsarie aus Donizettis „Lucia“ mit dem bizarren Flöten-Dialog. Stella Grigorians dunkelsamtene Kraft ihres Mezzos in „O mio Fernando“ aus Donizettis „Favorita“ stimmte auf ihre folgende Carmen ein.

Wie kaum eine andere Oper lässt Bizets „Carmen“ Wonne, Wahn und Tragödie der Liebe Klang und Gestalt werden. Entscheidende Stationen, die intimen wie die spektakulären Nummern, wurden von den Solisten und Ensembles mit Herzblut und Können vorgeführt. Stella Grigorian sang nicht nur mit erotisch aufgeladener Stimme von „L’amour“, sie umschlang auch Konzertmeister und Dirigent zum Vergnügen des Publikums. In der Seguidilla wie in der eiskalten Zurückweisung Don Josés machte sie dramatisch mit allem Charisma ihres biegsamen Mezzos Ernst. Ji-Woon Kims Don José überzeugte durch eine differenzierte lyrisch-dramatische Palette, von der Szene mit der sanften Micaela (Antje Bitterlich) „Parle-moi de ma mère“ bis zum dunklen Ende „C’est toi?“. Mächtig stellte Gary Martin den Escamillo in den Raum. Cassandra Wyss und Imma Hidalgo legten klangschön und kapriziös die Karten.

Theater- und Extrachor, von Katsiaryna Ihnatsyeva-Cadek bestens geschult, warfen ihre Kommentare und Passagen effektvoll und sensibel ein, hatten schon mit Gounods Walzer aus „Margarethe“ einen tollen Auftritt. Der Dirigent José María Moreno ist ein begnadeter Kommunikator: Wie er die Sänger mitnimmt, die Höhepunkte der wunderbaren Nummern mit überlegenem Timing und suggestiver Körpersprache auftürmt, animierte die Augsburger Philharmoniker zu präzisen wie elektrisierenden Klangbildern. Großer Applaus –„Viva l’opera!“.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren