19.04.2014

Trauer in Tönen

Philharmonischer Chor singt Brahms

Die Zahl Vier hat in der jüngeren Geschichte kein Glück gebracht. 1914 begann der Erste Weltkrieg, 1944 war die Augsburger Bombennacht. Angesichts der Fragen, die solche Kriegsschrecken aufwerfen, gibt „Ein deutsches Requiem“, op. 45, von Johannes Brahms nicht Antworten, so aber Trost: „Ich habe meine Trauermusik vollendet als eine Seligpreisung der Leidtragenden“, zitiert das Programmheft zur Augsburger Aufführung am Palmsonntagabend den Komponisten. Recht gern ließe er das „deutsch“ im Text fort und setze stattdessen den „Menschen“, so Brahms weiter.

Elf Jahre dauerte die Entstehung bis zur Premiere 1869. Den langen Weg merkt man dem Siebenteiler nicht an. Brahms bleibt seiner Linie treu, musikalisch ein Visionär zu sein – reich an Melodien, Wagner’schen Anklängen nicht abgeneigt, ein Menschenfreund. Nicht die Worte der Totenmesse werden vertont, sondern Teile der Lutherbibel, die auf ein besseres Leben nach dem Tod verweisen.

Das Requiem mag auch Trost für den Komponisten gewesen sein

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Tröstlich ist die Musik, wenn sich Brahms mit Kraft aus dunklem Moll ins Helle hievt. Dabei hatte der 36-Jährige durchaus Grund zur Trauer. So trennten sich während der Entstehungszeit seine Eltern, die Mutter starb kurz darauf. Die Idyllen im Requiem, der arkadische Frieden im zweiten, der engelsgleiche Sopran im fünften Teil, die Schlusswendung zur Seligkeit im Requiem mögen auch für ihren Schöpfer Trost gewesen sein.

Die Aufführung in der Kongresshalle im Frühlingsblühen während der Karwoche war denkbar passend gewählt. Der reich bestückte Philharmonische Chor Augsburg begann im gekonnten Sotto Voce und sein Crescendo wirkte gewaltig. Er beeindruckte in seinem anspruchsvollen Part mit starker Dynamik, also Lautstärkegestaltung, und Deklamation. Dirigent Wolfgang Reß schuf gekonnt eine musikalische Einheit aus dem Chor und den Augsburger Philharmonikern, die ebenfalls bravourös spielten. Cathrin Lange vom Theater Augsburg bezauberte mit lyrisch strahlendem Sopran, Tim Kuypers von der Staatsoper München, der die Stimme der Menschheit übernahm, bezwang mit prachtvollem, nuancenreichem, an Simon Keenlyside erinnerndem Bariton. Rund 80 Minuten dauerte das spannungsreiche, gehaltvolle Konzert – eine enorme Leistung, die vom Publikum gebührend gefeiert wurde.

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