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Augsburg-Oberhausen

13.04.2015

Treffpunkt für Drogensüchtige: Streit um neue Bänke am Bahnhof

Am Bahnhof in Oberhausen sorgen die neuen Bänke für Streit - da sich dort Menschen mit Suchtproblemen treffen.
Bild: Symbolbild, Silvio Wyszengrad

Neue Bänke sollen den Oberhausener Bahnhofsplatz gemütlich machen, doch vor allem Drogensüchtige benutzen sie. Um ein Fest zu retten, soll die Szene auf einen Spielplatz umziehen.

Eigentlich sind es nur zwei unscheinbare, dunkelgrüne Metall-Bänke. Jahrelang luden sie auf dem Rathausplatz Passanten zum Ausruhen ein. Dann, als es neue Gestaltungsrichtlinien für die gute Stube der Stadt gab, wanderten die Sitzgelegenheiten ins Depot. Jetzt wurden sie ausgegraben, renoviert und an einem neuen Ort, dem Oberhausener Bahnhofsvorplatz, aufgestellt. Dort sorgen sie für mächtig Ärger.

Denn die beiden Bänke sind in diesen Frühlingstagen Anziehungspunkt für Menschen, die „man“ hier nicht so gerne sieht: Frauen und Männer, die süchtig nach Drogen oder Alkohol sind. Viele von ihnen sind ohne Job, halten sich häufig von vormittags bis zum späten Abend auf dem Platz auf, der seit 2014 den Namen der Fußballlegende Helmut Haller trägt. Sie trinken, rauchen und palavern nun nicht mehr am Rand des Geschehens, wie in den Jahren zuvor, sondern im Zentrum des Areals.

Alkoholiker machen dem Biergarten zu schaffen

Unmittelbar daneben will die Gaststätte „Bob’s“ ihre Freiluftbewirtung installieren, auch im Hinblick auf das Kirschblütenfest vom 24. bis 26. April. „Wenn das so bleibt, brauchen wir gar nicht daran zu denken, den Biergarten zu etablieren“, sagt Mitarbeiter Thomas Kluge. Auch SPD-Stadtrat Dieter Benkard und Hannelore Köppl, deren Arbeitsgemeinschaft der Oberhausener Vereine das Fest veranstaltet, sind alles andere als glücklich über den Standort der Bänke. Niemand wolle die Menschen vom Platz vertreiben, beteuern beide. Aber der jetzige Zustand laufe allen Bemühungen, den Platz aufzuwerten, zuwider.

Dabei sind die Sitzgelegenheiten bereits Teil des Verschönerungskonzepts. „Es war der Wunsch vieler Bürger, hier wieder Bänke aufzustellen“, sagt Baureferent Gerd Merkle. Die Vorgängermodelle, die früher am Rand nahe der Wohnhäuser standen, waren vor Jahren zur Reparatur abgebaut und dann nicht wieder aufgestellt worden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass dies auch mit dem Hintergedanken geschah, den Platz möglichst unattraktiv für die Suchtszene zu machen. Das Drogen- und Alkoholikerpublikum kam trotzdem.

Und ist jetzt täglich vor Ort. „Für viele ist das hier ihr Wohnzimmer. Der Bahnhofsplatz ist die Einflugschneise von der Innenstadt und vom Bezirkskrankenhaus“, erklärt Katrin Wimmer. Die Streetworkerin der Drogenhilfe Schwaben betreut auch den 43-Jährigen mit den vielen Piercings im Gesicht, der gerade eine Batterie leerer Flachmänner aus der Hosentasche zieht, um seinen Ordnungssinn zu demonstrieren.

„Ich werfe nichts weg“, beteuert der Mann. Was ihn auf den Platz lockt? „Hier ist unser Arzt, von dem wir unsere Drogenersatzstoffe bekommen. Und dann treffen wir uns.“ Sein Kumpel liefert eine weitere Erklärung: Geldnot. „Ein Bier in der Wirtschaft können wir uns nicht leisten, das holen wir beim Netto und trinken es dann hier. Irgendeinen Ort brauchen wir auch.“

Den Bahnhofsvorplatz wollen sich die Stammgäste nicht nehmen lassen. Und warum stehen, wenn plötzlich Sitzbänke da sind? Die wären ihnen, wie sie unserer Zeitung sagen, in einer Randlage auch lieber. „Hier sitzen wir wie auf dem Präsentierteller.“

Die Drogenszene von Oberhausen soll auf einen Spielplatz umziehen 

Wenn es nach Benkard, Köppl und Kluge ginge, würden sie die Bänke in die Nähe der Tiefgaragenzufahrt versetzen. Oder den ihrer Beobachtung nach kaum genutzten Kinderspielplatz hinter dem Bahnhofsgebäude als Treffpunkt für das Stammpublikum umfunktionieren. Baureferent Merkle hält dies prinzipiell für möglich. „Derzeit laufen Zählungen, wie stark der Spielplatz genutzt wird“, sagt er. Er hofft zusammen mit Ordnungsreferent Dirk Wurm, einen „sozial verträglichen Kompromiss“ für den Helmut-Haller-Platz zu finden. Am kommenden Donnerstag wird sich der Bauausschuss mit der Platzgestaltung und den Sitzbänken befassen.

Rechtzeitig vor dem Kirschblütenfest sollen auch die ebenfalls neu aufgestellten Pflanztröge ihren Blumenschmuck bekommen. Momentan müssen sie als Abfalleimer für Schnapsflaschen und anderes herhalten...

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