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Augsburg

12.10.2017

"Trinkerstube": Süchtigen-Treff am Haller-Platz kommt im Januar

Ein Blick auf den Helmut-Haller-Platz in Oberhausen: Im Umkreis von etwa 500 Metern soll ein betreuter Treffpunkt für die Süchtigen- und Trinkerszene eingerichtet werden.
Bild: Silvio Wyszengrad

Nach langem Suchen hat die Stadtverwaltung eine Räumlichkeit in der Nähe des Oberhauser Bahnhofs gefunden. Aus der genauen Lage macht sie noch ein Geheimnis.

Voraussichtlich im Januar will die Stadt einen betreuten Treffpunkt für Alkohol- und Drogenabhängige in der Nähe des Oberhauser Bahnhofs einrichten. Über die Schaffung dieses Treffs war politisch lange debattiert worden. Die Einrichtung, die in der Vergangenheit den Arbeitstitel „Trinkerstube“ trug, soll die Situation auf dem Helmut-Haller-Platz entspannen. Nach einem knappen Jahr Suche hat die Stadt eine Immobilie gefunden, gab Ordnungsreferent Dirk Wurm (SPD) am Mittwoch bekannt. Zur Adresse wollte er sich noch nicht äußern. „Der Mietvertrag soll kommende Woche unterschrieben werden. Den Standort werden wir erst veröffentlichen, wenn die Tinte unter dem Vertrag trocken ist.“ Sofort im Anschluss sollen laut Stadt die Nachbarn informiert werden.

Man wolle sie in einem ersten Schritt per Post informieren und dann in die Räume einladen, sagt Janina Hentschel, die bei der Stadt für die urbane Konfliktprävention zuständig ist. Dass in der Nachbarschaft des Treffpunkts Begeisterungsstürme ausbrechen werden, ist nicht wahrscheinlich. Die Einrichtung soll dienstags bis freitags von 13 bis 18 Uhr geöffnet sein. Süchtige sollen dort von Drogenhilfe und dem Sozialverband SKM betreut werden. Zwei Sozialpädagogen sind als Ansprechpartner da. Das Trinken von mitgebrachtem Alkohol (bis zu drei Flaschen Bier) wird erlaubt sein.

Etwa 400 bis 500 Meter entfernt

Die Räumlichkeit im Erdgeschoss ist offenbar 400 bis 500 Meter vom Oberhauser Bahnhof entfernt und verfügt über genug Platz, um dort einen Treffpunkt zu betreiben und Einzelgespräche oder eine Arztsprechstunde im Hinterzimmer abzuhalten. Der Mietvertrag soll auf zwei Jahre befristet sein.

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Im Ordnungsausschuss des Stadtrats stieß das Vorgehen der Stadt nicht nur auf Beifall. Auch die Stadträte erfuhren die Adresse der Lokalität nicht. In der Stadtverwaltung ist nur eine Handvoll Mitarbeiter im Bilde. „Ich kann den Ablauf nicht nachvollziehen. Erst wird der Vertrag unterschrieben und dann will man die Bürger einbinden?“, fragte Stadtrat Peter Schwab (CSU). Schwab war vor einem Jahr bei der entscheidenden Grundsatzabstimmung der Hauptwortführer gegen die Einrichtung. Die Erwartungen in den Treff seien viel zu hoch, andere Ansätze habe die Stadt bisher nicht genutzt. Er bleibe zudem bei der Bezeichnung „Trinkerstube“, weil dort das Trinken von Alkohol erlaubt sein soll. Die Stadträtinnen Pia Haertinger (Grüne) und Regina Stuber-Schneider (FW) warfen Schwab vor, das Projekt kaputtzureden. „Man muss den Menschen und dem Projekt eine Chance geben.“ Fraktionsübergreifend zeigten sich Stadträte einverstanden, erst zeitgleich mit Anwohnern über den Standort informiert zu werden.

Voraussichtlich im Januar will die Stadt einen betreuten Treffpunkt für Alkohol- und Drogenabhängige in der Nähe des Oberhauser Bahnhofs einrichten.
Bild: Silvio Wyszengrad (Archiv)

Die Stadt sieht den Süchtigen-Treff als einen wichtigen Baustein, um die Situation auf dem Haller-Platz zu verbessern. In den Nachmittagsstunden sollen auf diese Weise nicht mehr Trinker und Süchtige den Platz dominieren. Zuletzt habe sich der Platz in einer Spirale befunden, so die Stadt: Wegen der Süchtigen habe das Sicherheitsgefühl gelitten, sodass der Platz von Passanten gemieden wurde. Das habe zu einer noch stärkeren Dominanz der Szene geführt.

Um die Situation zu verbessern, hatte die Stadt zuletzt den Spielplatz im hinteren Eck des Platzes eingeebnet, um den Süchtigen Raum abseits der Reisenden-Ströme zu geben. Allerdings wird dieser Platz bei Regen und im Winter kaum angenommen.

Momentan bevölkern um die 20 Menschen ab 7 Uhr morgens den Platz vor dem Bahnhof und unter dem Vordach, im Sommer ist es teils ein Vielfaches. Immer wieder kommt es zu Vorfällen und Rettungsdiensteinsätzen. Zuletzt hatte ein Trinker mit mehr als vier Promille Polizei und Rettungsdienst stundenlang beschäftigt.

Geht die Szene dorthin?

Die Szene würde einen Treffpunkt durchaus begrüßen, sagt ein Betroffener, merkt aber auch an, dass dieser aber vor allem bei schlechtem Wetter genutzt werden würde. „Im Sommer weiß ich nicht, ob ich da hingehen würde.“

Stadtrat Peter Grab (WSA) hatte der Stadt zuletzt 1000 Unterschriften übergeben, um Verbesserungen auf dem Haller-Platz durchzusetzen. Er wirft Ordnungsreferent Wurm „Untätigkeit“ vor. Die Umsetzung eines Gesamtkonzepts lasse zu lange auf sich warten. Eine Verschönerung mit Blumenkübeln entspreche kaum den aktuellen Standards für die Gestaltung eines Platzes im Stadtteilzentrum.

Wurm weist die Vorwürfe zurück. Ein solches Konzept dauere eben. Man werde weiterhin eine „inhaltliche Bespielung“ des Platzes forcieren, wie in der Vergangenheit mit der „Friedenstafel“. Auch die Konzerte von Gastronom Stefan „Bob“ Meitinger unterstütze man. Ab kommendem Jahr wolle man zudem Hochbeete im Bereich der Tiefgaragenausfahrt aufstellen, die von Paten aus dem Stadtteil – etwa Schulen – bepflanzt werden können. Auch das soll zur Durchmischung des Platzes beitragen. „In einem Jahr werden wir sehen, wo wir stehen und was die Maßnahmen gebracht haben.“

Den Kommentar „Schnell Klarheit schaffen“ lesen Sie hier.

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Die Diskussion ist geschlossen.

12.10.2017

„Man muss den Menschen und dem Projekt eine Chance geben.“

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Die Frage ist halt, ob man den Menschen mit diesem Projekt eine Chance gibt. Nachweisbare Erfolge haben solche Projekte eigentlich nicht; wobei auch nicht klar kommuniziert wird, was genau denn nun die Ziele sind.

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Um die Situation zu verbessern, hatte die Stadt zuletzt den Spielplatz im hinteren Eck des Platzes eingeebnet, um den Süchtigen Raum abseits der Reisenden-Ströme zu geben. Allerdings wird dieser Platz bei Regen und im Winter kaum angenommen.

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Gemein, haben da ein paar Trinker Stadtrat und Stadtverwaltung einfach ausgetrickst...

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Die Räumlichkeit im Erdgeschoss ist offenbar 400 bis 500 Meter vom Oberhauser Bahnhof entfernt....

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Das wird vsl. als zusätzliches Angebot wahrgenommen und noch neue Kunden gewinnen. Ob sich die abschreckende Situation an diesem wichtigen ÖPNV Umsteigpunkt verbessert ist nach dem ersten Fehlschlag erneut sehr unsicher. 400 bis 500 Meter ist schon arg weit weg.

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Das Handeln der Verwaltung am Stadtrat vorbei ist nicht akzeptabel; man räumt durch die Geheimhaltung eigentlich schon ein, dass es Ärger geben wird.

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Fundstück:

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http://www.sueddeutsche.de/bayern/suchtbekaempfung-betreutes-trinken-1.3275695

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Mit Trinkerstuben sollen Alkoholsüchtige von zentralen Plätzen der Stadt Augsburg verschwinden, wenn es nach der SPD geht.

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Auch die 15% Partei wird noch erkennen, dass es bei schönem Wetter draußen am schönsten ist.

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12.10.2017

Ist mal wieder eine irreführende Überschrift.

Im Artikel steht, dass der Treff 400 bis 500 m vom Oberhauser Bahnhof entfernt sein soll.

Dieser soll zwar der Entlastung des Süchtigentreffpunkt Hallerplatz dienen, ist aber halt kein Süchtigen-Treff AM Haller-Platz

Permalink
12.10.2017

und sowas am HELMUT HALLER PLATZ

schämt ihr euch nicht?? den Namen für sowas zu verwenden ????

Permalink
12.10.2017

Für was wird der Name den verwendet und wofür müsste man sich schämen? Wenn man über das Thema diskutieren möchte, dann doch bitte sachlich bleiben und verständlich einen Standpunkt vertreten.

Wenn Sie nur gerne capslock verwenden bitteschön aber sinnfreie Kommentare, gerade bei einem so kontroversen Thema ist lediglich populistisch und sinnfrei.

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12.10.2017

Danke Herr Gscheitle,Sie wissen aber nicht wer Helmut Haller war ???

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12.10.2017

Argumentieren Sie doch einfach und werden Sie nicht persönlich. Ist es wirklich von Interesse in diesem Fall, wer Helmut Haller war? Der Platz trägt einen Namen wie viele andere auch und hat heute keine Bewandtnis mehr für die Bevölkerung. Wie er schon seit einiger Zeit genutzt wird steht auf einem ganz anderen Blatt. Das ist sicherlich nicht immer schön und für manche Anwohner, Passanten und Bahnreisende auch eine Belastung. Dennoch einen Lösungsansatz kritisieren wegen dem Namen ist, wie schon gesagt, einfach nur sinnfrei.

Im Übrigen, wusste ich es bis gerade eben nicht wer Helmut Haller war und ich es ist mir jetzt noch egaler als vorher schon ;-).

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