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Augsburg

25.10.2018

Trotz Mehrkosten: Regierungsbündnis steht hinter Bahnhofstunnel

Dis Kosten für den Bahnhofsumbau steigen auf bis zu 250 Millionen Euro. Die Stadtregierung will weiterbauen. Stadtrat Schafitel fordert einen Stopp.

Auch nach der jüngsten Kostensteigerung für den Bahnhofstunnel steht das Regierungsbündnis klar hinter dem Projekt: Zwar äußerten sich CSU, SPD und Grüne am Donnerstag unglücklich bis bestürzt über die Mehrkosten (Der Bahnhofstunnel wird deutlich teurer), man sehe aber keine Alternative zum Weiterbau des für die Region wichtigen Verkehrsprojekts. Der Tunnel war in den vergangenen Regierungsperioden, während alle drei Bündnispartner in wechselnder Konstellation in der Regierungsverantwortung standen, vorangetrieben worden.

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Was sagt die Stadtregierung?

CSU-Fraktionschef Bernd Kränzle sagt, seine Partei stehe nach wie vor voll hinter der Mobilitätsdrehscheibe. Wenn der neue Nahverkehrsbahnsteig F im Dezember am Hauptbahnhof eröffnet wird, werde das mittelfristig noch mehr Verkehrsströme aus dem Umland anziehen, sobald der Bahnsteig nach Ende des Umbaus 2023 voll zur Verfügung steht. Dazu brauche es eine gute Verzahnung mit dem Nahverkehr, die der Bahnhofstunnel liefere. Ein Baustopp sei nicht vertretbar. „Es ist der richtige Weg, auch wenn man einen genauen Blick auf die Baukosten haben muss“, so Kränzle. SPD-Fraktionsvorsitzende Margarete Heinrich verweist darauf, dass momentan die Baupreise allgemein durch die Decke gehen. „Das ist keine Augsburger Besonderheit, und es war mehreren Jahren auch noch nicht der Fall.“ Umso wichtiger sei es, jetzt zügig mit dem Tunnelbau weiterzukommen. „Je schneller wir sind, desto weniger bekommen wir von der Preisspirale mit, die sich in Zukunft weiterdreht.“ Sie habe Verständnis, wenn Bürger schockiert seien. „Aber jeder Häuslebauer weiß auch, wie die Baupreise in den vergangenen Jahren gestiegen sind.“ Martina Wild, Fraktionsvorsitzende der Grünen, sagt, dass ein Baustopp in der Hoffnung auf günstigere Preise fatal wäre. „Die Folge wäre, dass es noch teurer wird und sich die Fertigstellung auf den St.-Nimmerleins-Tag verschiebt.“ Die Bürger warteten dringend darauf, den Bahnhofstunnel mit seinen Vorteilen – Barrierefreiheit, kurze Wege von der Tram zu den Zügen und ein kurzer Weg ins Thelottviertel – endlich nutzen zu können.

Von Hohenhau ist anderer Meinung

Stadtrat und Steuerzahlerbund-Präsident Rolf von Hohenhau weicht von der Linie seiner Fraktion ab. „Es ist eigentlich ein Trauerspiel, aber was will man jetzt noch machen?“, sagt von Hohenhau zur Kostenentwicklung. Er ist jeher ein Kritiker der Tunnellösung – aufwändig, mit wenig Nutzen für Fahrgäste, von Stadt und Stadtwerken schlecht mit der Bahn verhandelt, so seine Kritik. Und es sei unzutreffend, dass nur die Baupreissteigerungen für die Teuerung verantwortlich sind – auch die Verzögerungen beim Bau machten das Projekt, das ursprünglich 2019 fertig sein sollte, teurer. Von Hohenhau hatte schon vor Jahren prophezeit, dass die Kosten auf 300 Millionen Euro steigen würden. „Der jetzigen Prognose von 230 bis 250 Millionen Euro vertraue ich jedenfalls nicht.“

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Auch Volker Schafitel von den Freien Wählern sieht den Tunnel seit jeher kritisch. „Wenn man erkennen muss, dass ein Projekt nicht mehr beherrschbar ist, muss man es stoppen“, sagt er. Dies sei beim Bahnhofstunnel angesichts der Verteuerungen und den Problemen bei der Linie 5 jetzt der Fall. „Die Stadtwerke ziehen eine Reißleine nach der anderen. Das Projekt läuft aus dem Ruder“, so Schafitel.

Was sagen Kritiker

Vor vier Jahren sammelte eine Initiative die für einen Bürgerentscheid nötigen 10000 Unterschriften. Ziel: Baustopp am Tunnel und eine Umplanung für eine unterirdische Haltestelle in der Viktoriastraße. Das Begehren wurde aus rechtlichgen Gründen für unzulässig erklärt. Christian Ohlenroth, einer der damaligen Initiatoren, sagt, dass die Kostensteigerung am Augsburger Hauptbahnhof der vergangenen zwölf Jahre prozentual gesehen Stuttgart 21 bei weitem übertreffe. „In beiden Fällen ist ein Ende der Fahnenstange längst noch nicht erreicht.“

Lesen Sie auch den Kommentar: Bahnhofstunnel: Weg zurück ist nicht mehr möglich

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