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Augsburg

28.08.2019

Turbulenzen um Augsburger China-Reise

In der Sonderverwaltungszone Hongkong ist die politische Lage brisant.
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In der Sonderverwaltungszone Hongkong ist die politische Lage brisant.
Bild: dpa

Ein Augsburger Hochschulprofessor und vier Köche fliegen in die boomende Metropole Shenzhen. Die Stadt liegt ganz in der Nähe von Hongkong. Dort ist die politische Lage derzeit brisant.

In wenigen Wochen sollen vier Köche des Augsburger Studentenwerks nach China reisen. Ihre Mission: In der Großstadt Shenzhen werden sie Studenten und Mitarbeiter der dortigen Universität mit bayerisch-schwäbischen Leckerbissen verköstigen. Doch es gibt ein Problem. Shenzhen liegt nahe Hongkong, wo Massendemonstrationen für große Unruhe sorgen.

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Beim Studentenwerk Augsburg beobachtet man die politischen Proteste in der Sonderverwaltungszone Hongkong sehr aufmerksam. Seit Monaten gehen dort immer wieder Zehntausende Menschen auf die Straße. Hintergrund ist die Angst vor einem steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Die ehemalige britische Kronkolonie gehört seit dem Abzug der Briten 1997 wieder zu China. Als Sonderverwaltungszone sind Hongkong noch bis 2047 umfangreiche Sonderrechte garantiert. Um die fürchten nun aber viele Bewohner. An der Grenze zu Hongkong wurden nach Medienberichten im August chinesische Sicherheitskräfte zusammengezogen. Je länger die Proteste dauern, desto größer ist aus Sicht einiger Beobachter die Wahrscheinlichkeit, dass China gewaltsam eingreifen könnte.

Die Sicherheit hat höchste Priorität

Michael Noghero vom Studentenwerk sagt, die Sicherheit der Augsburger Köche habe höchste Priorität, wenn sie nach China reisen. Ihr Ziel – die Millionenstadt Shenzhen – liegt nur wenige Kilometer von Hongkong entfernt. Deshalb hält man sich beim Studentenwerk jetzt ständig über die Sicherheitslage in Hongkong auf dem Laufenden. Noghero sagt, derzeit werde sie vom Auswärtigen Amt als unbedenklich eingestuft. „Insofern gehen wir momentan davon aus, dass die Reise stattfinden wird.“

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Die vier Augsburger Köche sollen in der Woche ab 23. September in die Millionenmetropole Shenzhen aufbrechen. In diesem Zeitraum ist an der dortigen Technischen Universität eine internationale Woche mit Professoren aus vielen Ländern geplant, die dort unterrichten. Auch ein Augsburger Wissenschaftler ist mit dabei. Die Profiköche aus Augsburg sollen im Rahmen dieses Austauschs dann auch noch für kulinarische Erlebnisse mit schwäbischen Schmankerln sorgen. Das chinesische Programm sieht einen „Bayerischen Abend“ für rund 1500 Studenten und Mitarbeiter vor. Auch bei der Gründungsfeier der neuen Technischen Universität werden die Augsburger Köche für ein passendes Büfett sorgen, so Professor Franz Raps von der Hochschule Augsburg. Er ist ein Ansprechpartner für den Austausch mit Shenzhen, mit dem ein großes wissenschaftliches Aufbauprogramm verbunden ist.

Raps hat die vergangenen Monate in China verbracht. Nach einer kurzen Pause in Deutschland will er am Samstag wieder nach Hongkong und weiter nach Shenzhen reisen. „Ich habe keine Angst und gehe davon aus, dass nichts passiert“, sagt er mit Blick auf die angespannte Lage in Hongkong. Als er vor Ort in Shenzhen gewesen sei, habe man von der politischen Lage in der benachbarten Millionenmetropole kaum etwas mitbekommen. Der Professor sagt, falls nötig, könne er direkt vom Hongkonger Airport mit der Fähre nach Shenzhen übersetzen, ohne in die Sonderverwaltungszone hineinzufahren. Mit Blick auf die Sicherheit der Augsburger Köche meint er, es gebe auch Direktflüge von Deutschland nach Shenzhen.

Hochschule Augsburg hilft Uni in der Boomregion

Shenzhen ist nicht irgendeine Stadt in China. Die Metropole mit über 15 Millionen Einwohnern gilt als die am schnellsten wachsende Stadt der Welt. Shenzhen gehört zu einer boomenden Region im Süden Chinas. Dort sind mittlerweile rund 300 der 500 wichtigsten chinesischen Firmen angesiedelt. Dort entsteht eine der weltweit wichtigsten Wirtschaftsregionen, in der künftig rund 120 Millionen Menschen leben sollen. Das Tempo der Entwicklung sei unglaublich rasant, sagt Professor Raps. Das gelte auch für den Aufbau der neuen Technischen Universität. Die Hochschule Augsburg ist dort schon länger Partner. Professor Raps verbrachte gerade ein „Praxis-Freisemester“ in China, um als Gründungsdekan in Shenzhen ein neues College für Verkehr und Transport an der Technischen Universität aufzubauen.

Dort holt man sich Hilfe aus Augsburg, um nach deutschem Vorbild praxisorientierte Studiengänge und eine anwenderorientierte Forschung aufzubauen. Chinesische Geschwindigkeit solle mit deutscher Zuverlässigkeit verbunden werden, sagen Chinesen ihren Partnern aus Augsburg. Die neue Technische Universität hat rund 3000 Studenten. 2025 sollen es 20000 Studierende sein. Dafür müssen nicht nur Gebäude für Forschung, Lehre und Verwaltung gebaut werden, sondern auch Wohnungen. In China wohnen alle Studenten und viele Dozenten auf dem Campus.

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