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22.07.2010

Turbulenzen um Ganztagsklasse

Carmen Jaud, Rektorin der Centerville-Schule, und Ulrike Stautner, Vorsitzende des Gesamtelternbeirats, bedauern, dass es keine Ganztagsklasse an ihrer Schule gibt. Das Schulamt begründete das mit einer Ganztagsklasse in der wetparkschule. Foto: Andrea Baumann
Bild: Andrea Baumann

Pfersee/Kriegshaber Bei Sabine und Jochen Osterlehner ist die Freude auf die Sommerferien getrübt. Sie hatten fest damit gerechnet, ihre Tochter Verena - dann Drittklässlerin - im September in einer Ganztagsklasse an der Volksschule Centerville-Süd unterzubringen. Daraus wird nun nichts: Das Kultusministerium genehmigte das Angebot nicht, weil der Antrag zu spät gestellt wurde.

Über die Absage sind nicht nur die Osterlehners und 22 weitere Eltern(paare) enttäuscht, sondern auch Rektorin Carmen Jaud. In einem Schreiben an die Betroffenen betonte sie, den Antrag "termingerecht und mit einem sehr fundierten Konzept" eingereicht zu haben. Darüber hinaus habe sie Bildungsreferent Hermann Köhler über den hohen Bedarf für das Ganztagsangebot an ihrer Schule informiert und zugleich darauf hingewiesen, dass für die Stadt nur geringe Kosten entstünden: Die Grundschüler könnten die Räume der Ganztags-Hauptschule - von der Mensa über die Bibliothek bis zu den Freianlagen - mitbenutzen.

Einst Brennpunkt, heute guter Ruf

Die Schule selbst kann den Antrag nicht direkt im Ministerium stellen. Das ist Angelegenheit der Stadt als Sachaufwandsträger. Diese habe aber das Ansinnen der Schule zum Abgabetermin nicht weitergeleitet, bedauert Jaud. Erst nach einem neuerlichen Gesprächstermin mit Referent Köhler sei der Antrag dann doch noch Ende Mai gestellt und letztlich in München als zu spät abgelehnt worden. "Unsere Eltern wollen die Ganztags-Grundschule, weil sie den Erfolg unserers Hauptschulzweiges gesehen haben", sagt Jaud. Dies bestätigt Elternbeiratsvorsitzende Ulrike Stautner, die sich selbst dafür stark gemacht hatte.

Turbulenzen um Ganztagsklasse

Anliegen ist berechtigt

Mit dem Ausbau des Angebots in der Grundschule wolle sie auch den mittlerweile erarbeiteten guten Ruf ihres Hauses wahren und das Schulprofil weiterentwickeln. "In den ersten Jahren galten wir als Brennpunktschule in einem Glasscherbenviertel", so Jaud. Nicht stichhaltig ist für die Rektorin das Argument der Stadt, die nahe gelegene Westpark-Grundschule auf dem Sheridan-Gelände biete ab Herbst 2011 ebenfalls einen Ganztagszweig an. "Was nützen uns Planungsspiele, wenn wir jetzt Bedarf haben."

Referent Köhler bestätigt auf Anfrage von AZ vor Ort, dass die Westpark-Schule für die Entscheidung der Stadt eine Rolle gespielt habe: "Es erschien zunächst nicht zielführend, an zwei Schulen in einer Region dasselbe Angebot zu machen und dadurch das bereits genehmigte zu gefährden." Nach einem neuerlichen Gespräch mit Rektorin Jaud, in dem auch die Raumsituation geklärt wurde, habe er sich dann in Absprache mit dem Staatlichen Schulamt doch noch für den Antrag entschieden.

"Das Anliegen der Schule ist berechtigt", sagt Köhler heute. Daher könnte er sich 2011 einen neuerlichen Antrag von Centerville-Süd vorstellen. "Wenn absehbar ist, dass beide Schulen mit Ganztagsklassen existieren können, spricht nichts dagegen."

Für kommenden September freilich ist der Zug abgefahren: "Wir haben Frau Jaud angeboten, die Schule mit einer offenen Mittagsbetreuung als Übergangslösung zu unterstützen."

Doch das wollten weder die Rektorin noch Stautner. "Die Eltern möchten ganz dezidiert die Ganztagsklasse und nicht nur eine Betreuung", sagt Jaud. Und nicht nur die Osterlehners haben ein Problem: Sie haben ihre Tochter im Vertrauen auf die Ganztagsklasse bereits im Hort abgemeldet.

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