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11.11.2019

Über den Ursprung des Kathreintanz’ im Ries

Das Brauchtum des Kathreintanz geht auf einen besonderen Gedenktank zurück. Im Ries gibt es Veranstaltungen, an denen dieser Tanz den Menschen viel Freude bereitet. 
Bild: Archiv Museum Kulturland Ries

Beim Maihinger Kathreintanz geht es um das gemeinsame Tanzen zu traditioneller Rieser Volksmusik.

Heute gibt es nur noch an wenigen, sogenannten „stillen Tagen“, ein gesetzliches Tanzverbot. Früher gehörte dazu auch die Adventszeit, die, wie Kreisheimatpfleger Herbert Dettweiler ausführt, damals als Fastenzeit vor Weihnachten 40 Tage dauerte. Sie begann am 25. November, dem Gedenktag für die heilige Katharina von Alexandrien und endete in den ersten Jahrhunderten am 6. Januar. Damals wurde an diesem Tag das Weihnachtsfest gefeiert, bevor der Papst es auf den 25. und 26. Dezember vorverlegte.

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„Da die Kirche Wert darauf gelegt hat, dass während der Fastenzeit nicht getanzt wird“, erklärt Günter Franzus, „kam dem Tanz kurz vor der Adventszeit eine besondere Bedeutung zu“. Als Tanzlehrer begleitet er dieses Jahr zum 36. Mal den Kathreintanz in Maihingen. Früher, vor der Zeit der elektronischen Medien, „waren Live-Musik und Tanz für die Jugend das Höchste“ sagt Karl Kornmann, Leiter der Löpsinger Kirbemusikanten, die dort heuer zum Mittanzen aufspielen. Der Tanzlehrer und der Musiker sind begeisterte Anhänger der traditionellen Rieser Volksmusik und haben sich vor über 30 Jahren durch die Volkstanzgruppe Heroldingen kennen gelernt. Bis Franzus zum Volkstanz kam, dauerte es einige Jahre, wie er erzählt. Während seiner Zeit im Nördlinger Gymnasium besuchte der im Jahr 1938 Geborene seinen ersten Tanzkurs. Dann folgte eine längere Pause, nach der er über die Lieder im Kirchenchor von Sankt Salvator wieder zum Tanzen gekommen sei. Als er beruflich in Augsburg unterwegs war, schloss er sich der dort ansässigen Volkstanzgruppe an und besuchte seine ersten Tanzlehrgänge. Seit dem ist er in der Volkstanz-Szene unterwegs, ist heute Teil der Volkstanzfreunde Ebermergen und beim Kathreintanz in Maihingen seit Beginn an als Tanzlehrer mit dabei.

Dieser einmal im Jahr stattfindende Volkstanzabend ist für Franzus deshalb etwas besonderes, weil er für Alle offen ist. „Wenn das Volk nur zuschaut sind es Volkstänze, aber es ist kein Volkstanz“, sagt er dazu und freut sich über die Besucher, die selbst das Tanzbein schwingen wollen. Seine Aufgabe sieht er darin, diese in die Tänze und ihre dazugehörigen Figuren einzuweisen. Als Grundtänze nennt er die Paartänze Walzer, Polka, Rheinländer und Dreher. Einer dieser Tänze ist der durch sein schnelles Tempo bekannte Zwiefache, der im Ries Schweinauer genannt wird. Seinen Schwung bekommt der Tanz durch den ständigen Wechsel von zwei Takten Walzer (im Dreiviertel-Takt) mit zwei Takten Dreher (im Zweiviertel-Takt). Nachlesen lässt sich dies in den Aufzeichnungen von Karl Höpfners „Rieser Bauerntanz-Büchle“, der damit einen wichtigen Beitrag zum Erhalt von über 30 Original Rieser Volksliedern mit Tanzbeschreibungen, Liedtexten und Noten leistete, erzählt Franzus. Darin stehen auch Lieder, wie „Beim Streerecha drauss“, „Es Kübele rinnt“ und „Hab ich ein Ringelein“.

Veranstaltet vom Museum Kulturland Ries und dem Rieser Bauernmuseums- und Mühlenverein, ist es am 22. November wieder soweit. Ohne elektronische Verstärkung und mit überlieferten Volkstänzen, die sich so nah wie möglich an das Original halten, wird mit dem Kathreintanz zur einzigen Volkstanz-Veranstaltung im Ries eingeladen, bei der alle Besucher mitmachen können.

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