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Augsburg

31.05.2016

Übergriff auf Zwölfjährige in Plärrerbad löst viele Gerüchte aus

Auf rechten Internetseiten wird behauptet, Asylbewerber hätte sich im Familienbad an einem Kind vergangen. Doch mit der Flüchtlingskrise hat der Übergriff nichts zu tun.
Bild: Ulrich Wagner (Symbol)

Auf rechten Internetseiten wird behauptet, Asylbewerber hätte sich im Familienbad an einem Kind vergangen. Doch mit der Flüchtlingskrise hat der Übergriff nichts zu tun.

Der Bademeister des Augsburger Familienbades beim Plärrer hat alles richtig gemacht, als am Samstag ein zwölfjähriges Mädchen zu ihm kam, und von einem Übergriff durch einen zwei Jahre älteren Jungen berichtete. Er verständigte die Polizei und sorgte dafür, dass alle Beteiligten bis zum Eintreffen der Beamten dableiben. Inzwischen sorgt der Fall im Internet für Aufsehen. Auf rechten Seiten im Netz wird behauptet, die Augsburger Polizei und die Stadtverwaltung wollten die Vergewaltigung eines jungen Mädchens durch Flüchtlinge vertuschen.

Eine Internetseite, die es sich auf die Fahnen geschrieben hat, alle sexuellen Übergriffe durch Flüchtlinge zu dokumentieren, veröffentlicht einen Artikel mit der Überschrift: „Stadt Augsburg vertuscht: Erster Gruppenmissbrauch im Freibad an Kind (12) durch Flüchtlinge.“ Nutzer loben den angeblich mutigen Autor – der allerdings nirgends mit seinem Namen auftaucht. Andere wiederum schimpfen über „Staatsmedien“ und „Lügenpresse“. Das Problem an der Sache ist: Diese Titelzeile ist schlichtweg falsch. Denn Flüchtlinge waren an dem Übergriff im Familienbad nicht beteiligt.

Polizei: Nichts vertuscht

Die Polizei hatte am Sonntag eine erste Meldung veröffentlicht, in der davon berichtet wird, dass ein vierzehnjähriger Junge sich mit einem zwei Jahre jüngeren Mädchen in einer Duschkabine eingeschlossen haben soll. Dort soll er die Zwölfjährige eingeseift und dabei im Brust- und Gesäßbereich berührt haben. Danach ging das Mädchen zum Bademeister und berichtete von dem Vorfall. Vorwürfe, man habe die Meldung so knapp gehalten, um etwas zu vertuschen, weist Polizeisprecher Siegfried Hartmann vehement zurück. „Durch unsere Meldung ist der Fall ja erst publik geworden“, sagt er. Die Polizei könne bislang keine Details nennen, weil der genaue Ablauf des Geschehens noch nicht gesichert sei. Es stünden erst noch weitere Befragungen von Beteiligten und Zeugen an. Erst danach sei es seriös möglich, weitere Aussagen zu treffen.

Übergriff auf Zwölfjährige in Plärrerbad löst viele Gerüchte aus

Es war kein Flüchtling

Fest steht allerdings: Der Vorfall eignet sich nicht, um Ängste vor Flüchtlingen zu schüren. Bei dem beschuldigten Schüler handelt es sich nach Informationen unserer Zeitung um einen Deutschtürken aus dem Raum Augsburg. Er ist hier geboren und aufgewachsen. „Es gibt bislang keine Erkenntnisse, dass der Migrationshintergrund irgendetwas mit dem Vorfall zu tun hat“, sagt Polizeisprecher Siegfried Hartmann. Auch Meldungen von einer angeblichen Gruppenvergewaltigung seien falsch. Nichts deute bisher darauf hin, dass der Junge Gewalt angewandt habe. Er habe das Mädchen wohl über der Badekleidung eingeseift und es dabei berührt. Nun werde von der Kripo geprüft, welche Straftatbestände erfüllt seien.

Ein Freund des Beschuldigten stand während des Vorfalls im Duschbereich. Ob der Junge aber „Schmiere stand“ müsse erst geklärt werden, so der Polizeisprecher. Auch eine Freundin des Mädchens habe sich dort zeitweise aufgehalten, wird berichtet. Zeugenaussagen zufolge kannten sich die Beteiligten schon vor dem geschilderten Übergriff. Sie hatten im Bad gespielt.

Stadt wehrt sich gegen Vertuschungsvorwurf

Ordnungsreferent Dirk Wurm, der für die Bäder zuständig ist, bestreitet den Vertuschungsvorwurf ebenfalls. „Der Vorfall wurde der Polizei gemeldet“, so Wurm. Pressemeldungen zum möglichen Ablauf des Geschehens dürfe die Stadt gar nicht herausgeben. Das sei Sache der Polizei. Die Stadt habe reagiert und Hausverbote für die Bäder ausgesprochen. Dirk Wurm betont, dass es bislang mit Flüchtlingen in den Bädern keine größeren Probleme gebe. Wenn, dann gehe es vor allem darum, dass sich die Asylbewerber wegen mangelnder Schwimmkenntnisse in den tieferen Becken selbst in Gefahr bringen.

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