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Ausstellung

25.02.2016

Überschäumende Energien

Es schäumt und wogt und flimmert in den Gemälden der Künstlerin Simone Distler in der Galerie Beate Berndt.
Bild: Ulrich Wagner

Auf ihren Bildern liegt nichts ruhig da. Hier fällt ein wässriger Schleier, dort peitscht die wogende See, da flimmert die Luft. In der Galerie Berndt ist Simone Distler zu entdecken

Ihre Welten liegen meistens unter einem Schleier – seien es dunstige Luftströmungen oder wässrige Strudel. Die Malerin Simone Distler, die es jetzt in der Galerie Beate Berndt im Fischertor zu entdecken gibt, liebt die Unschärfe und das Unbestimmte. Doch ihre Bilder sind alles andere als verhalten, vielmehr sprühen sie vor überschäumender Energie. Da peitscht eine wogende See die Gischt auf, dort leckt die Brandung den Strand hinauf und zieht sich in feinen Filmen zurück. Wieder woanders verschlingt ein grundloser Sog die fließende Materie.

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Simone Distler, mit Geburtsjahrgang 1982 noch relativ jung, hat auf der traditionsreichen Kunsthochschule Burg Giebichenstein bei Halle in Sachsen studiert. Sie malt oft mit wässriger Acrylfarbe, überlasst sie zuerst ihrem Fluss und ihren Mischungen und geht dann mit neuen Schichten darüber. Sie verlässt sich auf ihre Intuition und verzichtet zunächst auf willentliche Kontrolle. „Weil dabei Dinge passieren, die ich so nicht planen kann“, begründet sie ihr künstlerisches Vorgehen. Dann heiße es agieren, reagieren, reflektieren – „so entsteht ein Gewebe gestischer Bewegungen“. Distler arbeitet an dem Bild, „bis eine gewisse Spannung entsteht“.

Bei ihrer intuitiven Gestaltung ergeben sich schillernde Farbräume. Ganz unterschiedlich breitet sich bei ihr die Farbe auf der Leinwand aus. Mal schimmert sie transparent-ätherisch, mal flimmert sie scheckig und augenreich wie ein Schmetterlingsflügel, mal steht sie kompakt als schwarze Fläche wie ein Gebirge oder fester Grund. Es handelt sich nicht eindeutig um Landschaften, vielmehr auch um innere, immaterielle Räume. Dennoch spannen sich weite Horizonte auf, schwingen sich Hügel in Wellen wie Sanddünen, bauen sich Bergkulissen auf. Es sind Naturschauspiele genauso wie Gemütszustände. Nichts steht wirklich fest, alles befindet sich in ständiger Verwandlung.

Überschäumende Energien

Simone Distler, geboren im unterfränkischen Dettelbach am Main, kam aus der bunten, schnelllebigen Modeszene in eine Welt der gedämpften Farbigkeit. Ihre Palette ist knapp gehalten: Türkis, Braun, Schwarz, Weiß – wesentlich mehr Töne gibt es in ihren Bildern nicht. Aber sie reichen aus, um ein breites emotionales Spektrum darin zu entwerfen. Denn die Farbtöne überlagern sich zu tiefgründigen Schleiern und wechseln extrem in der Temperatur zwischen eisiger Kälte und wabernder Hitze. Dazwischen liegt die Frische eines moosigen Wasserfalls oder die salzige Ungezähmtheit des Meeres. Vielfache Empfindungen lassen diese Bilder zu, alle haben sie als authentische Lesarten zu gelten, denn sie legen den Betrachter nicht fest, sondern gewähren ästhetische Freiheit. Nicht zuletzt dieser Aspekt macht die Kunst von Simone Distler zur Entdeckung. Galeristin Berndt hatte einen guten Riecher.

, Thommstr. 28, Laufzeit bis 5. April, geöffnet Mi. bis Fr. 15-18 Uhr, Sa. 11-16 Uhr und nach Vereinbarung, Tel. 0821/519269.

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