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Augsburg

10.02.2015

Üble Gerüche: Lech-Kraftwerk stinkt den Nachbarn

Das Kraftwerk am Eisenbahnerwehr liefert Strom für rund 4000 Haushalte – Anwohner klagen jedoch immer wieder über Gestank.
Bild: Silvio Wyszengrad

Die Anlage an der Hochzoller Lechbrücke sorgt für Debatten. Anwohner beklagen üble Gerüche. Experten des Wasserwirtschaftsamtes wollen bei der Suche nach den Ursachen helfen.

Am Wasserkraftwerk beim Eisenbahnerwehr in Hochzoll scheiden sich die Geister. Die Anlage nördlich der Hochzoller Lechbrücke erzeugt Strom für rechnerisch 4000 Augsburger Haushalte. Der Leiter des städtischen Umweltamtes Hans Peter Koch sagt: „Sie hat ganz wesentlich zur positiven Entwicklung der regenerativen Energien in Augsburg beigetragen.“ Anwohnern wiederum stinkt das Kraftwerk im wörtlichen Sinne. Sie beklagen Geruchsbelästigungen und vermuten das aufgestaute Wasser als Ursache. Auch andere Probleme bemängeln sie.

Mögliche Ursachen waren Thema im Umweltausschuss, und zwar auf Antrag der SPD-Fraktion. Deren umweltpolitische Sprecherin Gabriele Thoma sagt: „Anwohner haben sich über zwei Sommer hinweg beim städtischen Umweltamt beschwert.“ Danach hätten sie Hilfe bei Stadträten gesucht. Thoma zufolge geht es um stinkendes Wasser, tote Fische und um das Eisenbahnerwehr. Es sei nach der Inbetriebnahme des Wasserkraftwerks 2006 mehrfach trockengefallen.

Auch das Wasserwirtschaftsamt Donauwörth ist in den Fall eingeschaltet. Der Gestank, den Anwohner wahrnehmen, könne aber nicht vom Fluss ausgehen, sagt Experte Steve Gallasch. „Lechwasser stinkt nicht.“ Das gelte auch für die Situation am Eisenbahnerwehr. Das Stauziel am Wehr war auf Antrag des Kraftwerksbetreibers Luwa Energie nachträglich erhöht worden, um mehr Strom zu gewinnen. Gallasch zufolge wirkt sich das zusätzliche Schlauchwehr an 240 Tagen im Jahr aus, vor allem im Herbst und Winter bis zum Frühjahr. Dann ist mehr stehendes Wasser am Wehr vorhanden. Dieses sei aber nicht brackig.

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Spekulation über Ursache der üblen Gerüche

Gallasch rät Anwohnern, sich bei Gestank sofort an das Wasserwirtschaftsamt zu wenden. „Wir werden der Sache nachgehen“, verspricht er. Eine Ursache übler Gerüche könnten nach seiner Einschätzung drei Not-Überläufe der städtischen Kanalisation sein. Diese befinden sich oberhalb und unterhalb des Eisenbahnerwehres. Bei Starkregen trete an diesen Stellen ein Gemisch aus Abwässern und Regenwasser aus.

Eine weitere Sorge von Anwohnern gilt dem hölzernen Deck des Wehres neben dem Kraftwerk. Befürchtet wird, dass hohe Sanierungskosten auf die Allgemeinheit zukommen, wenn es trockenfällt und damit schneller verrottet. Schon mehrfach habe es dort Wassermangel gegeben.

Gallasch erläuterte die Vorgaben für den Kraftwerksbetreiber. Danach müssen mindestens drei Kubikmeter Restwasser pro Sekunde über das Wehr laufen. Trockenfallen könne es nur in drei Ausnahmefällen. Alle drei hat es im vergangenen Jahr gegeben: 2014 wurde einmal aufgestauter Kies durch das Kraftwerk geleitet. Das Wehr sei deshalb für acht Stunden trocken gewesen, so Gallasch. Darüber hinaus musste der Holzboden des Eisenbahnerwehrs erneuert werden. Wegen der Reparatur sei es eine Woche trockengelegt worden. Für den Unterhalt des Wehres sei der Kraftwerksbetreiber zuständig. In einem dritten Fall habe die Steuerung der Anlage nicht funktioniert – allerdings nur einige Minuten. Auslöser sei die Inbetriebnahme des neuen Kraftwerkes am Hochablass gewesen.

Auch mit der Fischtreppe des neuen Kraftwerks gab es offenbar Probleme. Fische starben. Gallasch zufolge hat die Wanderhilfe nicht richtig funktioniert, nachdem 2011 das Stauziel am Wehr erhöht wurde. 2013 sei nachgebessert worden. Nach Einschätzung der Fischereifachberatung können die Lechfische seither wieder wandern. Die relativ starke Strömung auf der Fischtreppe sei für diese Fischarten kein Problem.

Koch betont, das Kraftwerk am Eisenbahnerwehr sei in allen Teilen ordnungsgemäß genehmigt worden. „Wir haben auch auf Beschwerden reagiert“, sagt er. In der Zeit von Dezember 2013 bis 2015 seien Mitarbeiter des städtischen Umweltamtes zwölfmal vor Ort gewesen. Dreimal ging es um reguläre Kontrollen, neunmal um Beschwerden von Anwohnern. In zehn Fällen seien die Auflagen vom Kraftwerksbetreiber erfüllt gewesen. Zweimal lief zu wenig Wasser übers Wehr. Luwa Energie sei aufgefordert worden, den Missstand zu beheben.

Naturschützer haben Bedenken

Auch Naturschützer beklagen seit Jahren negative Folgen des Kraftwerksbetriebs in Hochzoll und der anderen Kraftwerke am Lech. Weil durch die Stauanlagen der nötige Nachschub an Kies fehlt, liegen die untersten Schichten des Flussbetts teilweise frei. Der Lech bietet immer weniger Lebensraum für Fische und Kleinstlebewesen. Gerade auch im Bereich Hochzoll treten diese Probleme auf.

Nach Angaben des Wasserwirtschaftsamtes ist demnächst eine weitere Kiesspülung am Kraftwerk beim Eisenbahnerwehr geplant. Sollte diese Menge nicht ausreichen, soll weiterer Kies per Lkw antransportiert und im Fluss verteilt werden.

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