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07.03.2009

Unappetitlichkeiten und Ekel-Eskapaden

Unverschämt ist das, was Heinz Strunk am Donnerstagabend im "Ostwerk" darbot. Der Autor wirkte bei der Lesung aus seinem Roman "Fleckenteufel" unvorbereitet: Er rezitierte viel zu schnell, verhaspelte sich ständig und suchte beim Vortragen nach den Blättern seines Manuskripts. Der Autor las aus seinem aktuellen Buch in einer genau so flapsigen Weise vor, wie dieses geschrieben ist.

Das Cover - ein Waschhandschuh auf hellblauem Hintergrund - erinnere an ein anderes Buch, sagt Strunk zu Beginn der Lesung und spielt damit auf Charlotte Roches "Feuchtgebiete" an (siehe Infokasten). Doch dieses Buch sei "billig, taktlos und peinlich" - drei Worte, mit denen sein eigenes neuestes Werk schon hinreichend beschrieben ist. Denn das Cover und der Titel sind noch das beste am "Fleckenteufel".

Das Buch ist eine Ansammlung von Fäkalausdrücken. Der Ich-Erzähler - der 16-jährige Thorsten Bruhn - fährt zur Familienfreizeit der evangelischen Gemeinde an die Ostsee. In seinem Gepäck hat er drei Tuben "Fleckenteufel" gegen Blut, Fett und Rost. Im Zeltlager plagen den kleingewachsenen und schmächtigen Teenager zwei Dinge: Darmprobleme wie Blähungen und seine rege sexuelle Phantasie, die oft mit ihm "durchgeht". Das Objekt der Begierde wechselt dabei ständig: So ist es einmal der gut bestückte homosexuelle Andreas, dann die flachbrüstige Ina Blankenburg. Thorsten schwärmt für die unerreichbare Susanne Bohn und den coolen Thiedemann. Seine etwas abartigen Phantasien sind dem jugendlichen Außenseiter "so peinlich", er schäme sich "zu Tode".

Das mag für die Romanfigur vielleicht zutreffen, für ihren Schöpfer jedoch nicht. Der 46-jährige Strunk ist einfach schamlos. Um es mit Freud auszudrücken: Man gewinnt den Eindruck, dass da jemand seine anale und genitale Phase nicht überwunden hat. Zwar könnte man einwerfen, dass Thorsten ein Pubertierender ist, aber Strunks Sprache ist nicht die eines 16-Jährigen. Sie ist die eines 46-Jährigen, der durch derlei Unappetitlichkeiten Profit machen will.

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Der Autor macht keinen Hehl daraus, dass er auf einen fahrenden Zug aufspringt: Nach dem enormen Erfolg von "Feuchtgebiete" versucht auch er es mit diesem Thema. Freilich schiebt er dabei die ganze Verantwortung auf den Rowohlt-Verlag, wo das Buch erscheint.

Für seine Ekel-Eskapaden erntet Strunk durchaus viele Lacher beim größtenteils jugendlichen Publikum im "Ostwerk". Doch längst nicht bei allen: Einige seufzen gelangweilt oder schütteln mit dem Kopf. So fällt denn auch der Schlussapplaus eher durchschnittlich aus.

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